Fahren im Konvoi

Bereits zwei Motorräder sind eine Gruppe

Das oberste Gebot beim Motorradfahren im Konvoi lautet: Beweise Disziplin. Jeder Motorradfahrer, dem dies schwer fällt, sollte besser als einsamer Wolf alleine durch die Straßen ziehen, anstatt in einer Gruppe zu fahren.

Auch wenn es noch so verlockend ist: Kunststücke wie Burnouts oder Wheelies haben in einem Konvoi nichts zu suchen! Mit solchen Aktionen gefährdest du die gesamte Gruppe. Als Motorradgruppe gelten bereits zwei Motorradfahrer – wobei es keine Rolle spielt, ob du dabei geplant mit anderen eine Tour startest oder du zufällig unterwegs zu weiteren Motorradfahrern dazustößt.

Begehe nie den Fehler, dich in einer Motorradgruppe zu sicher zu fühlen! Denn es wird häufig unterschätzt, dass im Konvoi zu fahren sehr gefährlich sein kann. Der Abstand zum Vordermann ist meist geringer als im herkömmlichen Straßenverkehr. Außerdem täuscht die Motorradfahrt in der Gruppe eine trügerische Sicherheit vor und verleitet dadurch hin und wieder zu Tagträumen. Ein weiteres Problem ist der teilweise hohe Schadstoff Auswurf des Motorrades, das vor dir fährt. Diese Abgase können deine Konzentration ebenfalls trüben.

Spezielle Vorsicht gilt auch in größeren Motorradgruppen, dessen Teilnehmer sich untereinander nicht gut kennen und somit nichts über die Fahrweise, Fahrpraxis, Konstitution oder den Zustand des Motorrads der anderen Motorradfahrer wissen. So können Müdigkeit, Überforderung aber auch Unterforderung zu unvorhersehbaren Fahrfehlern führen, die für die gesamte Gruppe zum Verhängnis werden können.

Sicherheit geht vor!

Ganz klar: Motorradfahren im Konvoi erfordert ein hohes Maß an Disziplin und Konzentration – und es ermüdet. Das Fahren in der Gruppe vermittelt häufig eine falsche Sicherheit. Weiters werden bei großen Motorradgruppen laufend Kreuzungen gesichert und abgesperrt. Jedoch heißt das nicht automatisch, dass hierbei ein Wegerecht erzwungen werden darf.

Im Straßenverkehrsgesetz geht deutlich hervor, dass sich kein Verkehrsteilnehmer in einen geschlossenen Verkehrsbund drängen darf. Diese Maßnahme sorgt für den Schutz der Motorradgruppe. Als Motorradfahrer im Konvoi darfst du dich dennoch niemals auf eine absolut sichere Motorradfahrt einstellen. Stattdessen ist selbst im Konvoi jeder einzelne Motorradfahrer selbst für die eigene Sicherheit verantwortlich. Denn es kommt leider immer wieder vor, dass sich ein ungeduldiger Autofahrer in eine Motorradgruppe drängen möchte. Durch dieses Manöver kann es zu einer sehr gefährlichen Situation kommen. Aus diesem Grund muss der sichernde Motorradfahrer gut absperren und darauf achten, sich nicht ins Out drängen zu lassen.

Regeln für Motorradfahren im Konvoi

Eine wichtige Regel ist das versetzte Fahren im Konvoi. Dadurch entsteht automatisch ein optimaler Sicherheitsabstand zwischen den einzelnen Motorradfahrern.

Konvoi Führer

Der Konvoi Führer spielt eine wichtige Rolle bei der Motorradfahrt im Konvoi. Er:

  • Fährt immer links von der Fahrbahnmitte
  • Bestimmt die Fahrtroute
  • Legt die einzelnen Stopps fest
  • Regelt die Geschwindigkeit

Konvoi Teilnehmer

Für eine sichere Fahrt im Konvoi müssen sich alle Motorradfahrer an gewisse Regeln halten. Der Konvoi Motorradfahrer:

  • Fährt schräg versetzt mit einem Abstand von ca. 5 Metern nach vorne sowie hinten. Dabei ist es wichtig, in Kurven stets seine Linie zu behalten, ohne dabei über die Mittellinie zu fahren. Falls die Spur zu schmal wird, ist es wichtig den Abstand zu vergrößern und hintereinander zu fahren.
  • Darf nicht überholen. Wird ein anderer Verkehrsteilnehmer überholt ist es wichtig, den hinteren Fahrern mittels Handzeichen zu deuten, dass er ausschwenken möchte. Den Blinker setzt du ausschließlich, wenn du an einer Kreuzung abbiegen möchtest.
  • Schert bei Unwohlsein oder einer Panne alleine aus und bespricht mit dem Schluss-Fahrer, wie es weitergeht.

Schluss-Fahrer

Schluss-Fahrer sind je nach Größe der Motorradgruppe 2 bis 3 sehr verantwortungsbewusste Motorradfahrer und dafür verantwortlich, dass kein Konvoi Teilnehmer zurück bleibt. Weiters tragen Schluss-Fahrer gut sichtbare Warnwesten und helfen dabei, den Konvoi zusammen zu halten.

Das musst du beim Motorradfahren im Konvoi noch beachten

Der schwächste Motorradfahrer – ob aufgrund der fehlenden Fahrerfahrung oder einer geringen PS Anzahl des Motorrades – fährt immer ganz vorne. Auf diese Weise ist niemand gezwungen, gefährliche Aufholjagden starten zu müssen und niemand geht während der Fahrt verloren.

Die Pole-Position bedeutet jedoch eine Menge Verantwortung. So ist auf Hindernisse auf der Fahrtstrecke sowie Geschwindigkeitsbegrenzungen zu achten. Dies kann einen Motorradanfänger schnell überfordern. Aus diesem Grund ist es ratsam, dass ein erfahrener Motorradfahrer vorfährt, der sich der Geschwindigkeit des hinteren anpasst und beim lesen der Verkehrsschilder behilflich ist.

Wichtig ist, dass die Position der Motorradgruppe während der Fahrt bis zum nächsten Stopp nicht verändert wird. Das bedeutet: Überholen verboten! Der vordere Motorradfahrer muss sich immer darauf verlassen können, dass der Fahrer hinter ihm auch dahinter bleibt.

Es kann natürlich vorkommen, dass während der Motorradfahrt im Konvoi vor dir eine Lücke entsteht. Dies geschieht, wenn ein Motorradfahrer aus dem Konvoi ausgeschert ist. In diesem Fall ist es verboten, diese Lücke durch seitliches verschieben zu schließen. Stattdessen wird eine Lücke immer auf derselben Spur von hinten nach vorne geschlossen. Das bedeutet, das direkt dahinter fahrende Motorrad schließt gerade nach vorne auf.

Bei einem Anhalten vor einer Kreuzung oder roten Ampel wird auf Zweier-Kolonnen aufgeschlossen. Dabei wird der Abstand zum vorderen Motorrad möglichst kurz gehalten. Auf diese Weise ist ein schnelles Überqueren der Kreuzung bzw. eine rasche Weiterfahrt möglich.

Während der Fahrt

Beim Motorradfahren im Konvoi kann es zum sogenannten “Ziehharmonikaeffekt” kommen. Das liegt daran, dass man im Konvoi hinten automatisch schneller fährt als vorne. Dies kann bei 20 Motorrädern bereits 20 km/h ausmachen. Aus diesem Grund wird im Ortsgebiet vorne maximal 40 km/h gefahren. Dieser Zieharmonika-Effekt lässt sich etwas verringern, indem alle Motorradfahrer der Gruppe konzentriert fahren und dieselben Abstände einhalten. Ganz vermeiden lässt sich dieser Effekt vor allem bei längeren Fahrten jedoch nicht.

Es kommt immer wieder vor, dass jemand aus der Gruppe – oder sogar ein ganzer Teil der Motorradgruppe – verschwindet, weil falsch abgebogen wurde. Um solche Vorfälle zu verhindern, müssen ein paar Regeln eingehalten werden:

  • Der Vordermann wartet an einer Kreuzung so lange, bis die Nachfolger eingetroffen sind.
  • Bei Pausen warten alle so lange, bis auch der Letzte der Motorradgruppe den Treffpunkt erreicht hat. Selbstverständlich darf sich dann auch der letzte Ankömmling noch eine ausreichende Pause gönnen.
  • Alle Motorradfahrer werden über die Route vor Abfahrt ausreichend informiert.
  • Bei einer spontanen Motorradtour ohne festes Ziel wird bei jedem Zwischenstopp der nächste Streckenabschnitt besprochen.

Es kann während der Motorradfahrt jederzeit etwas Unvorhergesehenes passieren, wie zum Beispiel ein technischer Schaden oder ein Insekt im Helm. Daher sollten immer bestimmte Handzeichen vereinbart werden, um die anderen Fahrer rechtzeitig über ein ausscheren aus dem Konvoi zu informieren.

Hin und wieder lässt es sich nicht vermeiden, dass eine Verkehrsampel die Gruppe teilt. Passiert dies, ist anhalten angesagt! Diejenigen, die es noch bei Grün über die Kreuzung geschafft haben, warten bei nächster Gelegenheit auf den Rest der Motorradgruppe. Auf diese Weise vermeidet ihr riskante Aufholjagden der hinteren Motorradfahrer.

Motorradfahren im Konvoi ist ein ganz besonderes Erlebnis! Halte dich an wichtige Regeln, damit ihr sicher an euer Ziel kommt:

  • Versetzt fahren
  • Nicht überholen
  • Position im Konvoi beibehalten
  • Der schwächste Fahrer ist am Anfang des Konvois

 

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