Bremsweg

Täglich passieren Auffahrunfälle im Straßenverkehr. Dabei ist meist eine falsche Einschätzung des Anhaltewegs in Kombination mit zu geringem Sicherheitsabstand die Ursache.

Häufig unterschätzt: Anhalteweg bei Motorrädern, PKW`s und LKW`s

Was genau versteht man nun unter dem “Anhalteweg”? Der Anhalteweg ist die Strecke, den dein Motorrad vom Erkennen der Gefahr bis hin zum Stillstand zurücklegt. Dieser setzt sich aus dem Reaktionsweg und dem Bremsweg zusammen.

Anhalteweg = Reaktionsweg + Bremsweg

Dabei ist der Anhalteweg in erste Linie von deiner Reaktionszeit und der Fahrgeschwindigkeit abhängig. Weiters haben auch die Fahrbahnverhältnisse einen Einfluss auf den Anhalteweg. Je nach Beschaffenheit der Straße, ob diese zum Beispiel nass ist, kann sich der Anhalteweg verkürzen oder verlängern. So verlängert sich der Bremsweg folgendermaßen:

  • Nasse Fahrbahn: x 2
  • Rollsplitt, Schnee, Laub, Erde: x 4
  • Eis, Straßenglätte: x 10

Die Reaktionszeit kannst du durch eine aufmerksame Fahrweise bis zu einem Drittel verkürzen. Dies macht in der Praxis einige Meter aus, die in einer Notsituation wichtig sein können. Auch bremsbereites Fahren verkürzt die Reaktionszeit enorm.

Weiters beeinflusst auch die Beschaffung der Reifen den Bremsweg. So macht es einen Unterschied ob du mit Sommerreifen, Winterreifen oder Spikesreifen auf den Straßen unterwegs bist. Natürlich ist der Bremsweg auch vom Zustand deiner Bremsen sowie der Bremsflüssigkeit abhängig. Aus diesem Grund ist es ratsam, dass du alle 2 – 3 Jahre bzw. laut Betriebsanleitung deines Motorrades einen Wechsel der Bremsflüssigkeit vornimmst. Ansonsten besteht Gefahr, dass sich Wasser mit der hygroskopischen – das heißt Wasser anziehenden – Bremsflüssigkeit vermischt. Wenn dies geschieht verringert sich der Siedepunkt, somit entstehen in den Leitungen Dampfblasen. Dadurch ist es nicht mehr möglich, festen Druck auf den Hauptbremszylinder und die Radbremszylinder deines Motorrades auszuüben. Somit wird der Widerstand des Bremspedals schwammig, eine Bremsung kann nun nicht mehr wirkungsvoll erfolgen.

Wichtiges Teil des Motorrades: Die Bremse

Damit du mit deinem Motorrad sicher auf den Straßen unterwegs bist, ist dein Bike auf eine funktionsfähige Bremse angewiesen. Dabei setzt sich die Bremsanlage aus einzelne Bestandteile zusammen:

  • Bremsscheibe
  • Bremsflüssigkeit
  • Bremsleitung
  • Bremssattel
  • teilweise ABS integriert

Standardmäßig sind in Motorrädern Bremsleitungen aus Gummi verbaut, die alle 4 Jahre ausgetauscht werden müssen. Durch den Kontakt mit der Bremsflüssigkeit und auch aufgrund des natürlichen Alterungsprozesses wird der Gummi mit der Zeit weich und porös. So leidet die Bremswirkung an alternden Bremsleitungen.

Bremsproben

Es ist wichtig zu wissen woran du erkennst, ob etwas mit deinem Motorrad nicht in Ordnung ist. Auf diese Weise kannst du dich vor bösen Überraschungen auf deiner Motorradtour schützen und bist mit maximaler Sicherheit unterwegs.

Standbremsprobe

Die Standbremsprobe gibt dir über die Dichtheit und Menge der Bremsflüssigkeit Auskunft.

  1. Ist der Bremsflüssigkeitsstand korrekt?
  2. Funktionieren die Bremslichter?
  3. Kann ein fester Widerstand am Bremspedal erreicht werden? Dabei darf der Totgang nur ⅓ des Pedalweges betragen.
  4. Druckprobe: Bleibt nach dem Totgang ein fester Widerstand? Bei schwammigem Widerstand musst du die Bremsanlage entlüften.
  5. Dichtheitsprobe: Pumpe 2 – 3 mal und halte danach ca. 30 Sekunden das Bremspedal gedrückt. Der Widerstand des Bremspedals darf sich nicht verändern.
  6. Prüfung des Bremskraftverstärkers: Starte nach dem Betätigen den Motor, das Bremspedal soll danach weiter nach unten sinken.
  7. Handbremskontrolle: Ist das Motorrad nach 3 – 5 Zähnen gebremst?

Rollbremsprobe

Die Rollbremsprobe soll nur bei einer maximalen Geschwindigkeit von 5 – 10 km/h sowie nach dem 3 S-Blick durchgeführt werden. Diese gibt Auskunft über die kräftige und gleichmäßige Wirkung.

Halte dabei das Lenkrad locker und bremse nach dem Auskuppeln so fest, dass die Räder deines Motorrades gerade nicht blockieren. Nun muss deine Maschine abrupt zum Stillstand kommen. Weiters darf sich das Lenkrad nicht bewegen. Bleibt hingegen dein Motorrad nicht in der Spur, ist entweder rechts oder links die Bremswirkung höher.

Fahrbremsprobe

Die Fahrbremsprobe informiert dich, ob deine Bremse den gesetzlichen Bestimmungen entspricht. Dabei soll dein Motorrad mit dem höchstzulässigen Gesamtgewicht beladen sein. Es ist wichtig, dass die Fahrbremsprobe auf einer trockenen, ebenen und griffigen Fahrbahn durchgeführt wird. Bremse nun bei 50 km/h nach dem 3 S-Blick an einem markanten Punkt. Bei dieser Bremsung dürfen deine Räder gerade nicht blockieren. Der Bremsweg darf laut Gesetz nicht länger als 25 Meter betragen. Nach dem heutigen Stand sollte dein Motorrad in der Praxis aber bereits nach maximal 15 Meter zum Stillstand kommen.

Bremsspurprobe

Die Bremsspurprobe hat einen sehr hohen Reifenverschleiß zur Folge und ist nur bei einem Motorrad ohne ABS möglich! Daher soll diese nicht regelmäßig durchgeführt werden. Die Bremsspurprobe gibt dir über die Gleichmäßigkeit der Bremsen Auskunft. Bremse dafür bei einer Geschwindigkeit von maximal 40 km/h nach dem 3 S-Blick. Die entstandenen Bremsspuren sollen gleichmäßig, parallel und ohne Unterbrechung sichtbar sein.

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