Wien
- Venedig
7:10
Uhr, Abfahrt Wien Simmering. Die Tangente ist frei, doch dann Stau wegen eines
Unfalls, bei dem ein PKW am Dach zu liegen gekommen ist und nun anderthalb der
zwei Fahrspuren blockiert.
Erster Stopp Parkplatz Triestingtal, zweiter Stopp: Frühstück in Zöbern.
Mittagessen kurz nach Graz. Bis dahin kommen wir flott voran - abgesehen von den
80er- und 60er-Beschränkungen in den Baustellen und den 100er-Beschränkungen
in den österreichischen Tunneln.
100 km nach Graz ein kurzer Stopp. Über den italienischen Bergen in der Ferne
hängt Regen. Wir überlegen kurz, ob wir die Regenkombis anziehen, verwerfen
den Gedanken aber schnell. Wir sind keine Freunde von Ganzkörperkondomen.
Die
Grenze nach Italien (Arnoldstein) passieren wir ohne Kontrolle. Danach beginnt
es tatsächlich zu tröpfeln. Das Überholen von LKWs verlegen wir
in die Tunnels, wo wir trocknener vorbeikommen - ausserdem verzichtet die italienische
Straßenmeisterei darauf, an die Tunnels Geschwindigkeitsbeschränkungen
zu hängen.
Kaum aus dem landschaftlich wunderschönen Gebirge draußen, hört
die Tröpfelei auf. Hätten wir die Regenkombis angezogen, hätten
wir wohl ihnen die regenverteibende Wirkung zugesprochen. So lernen wir: Sie haben
keine magischen Kräfte!
In
Italien ein Tankstopp auf einer der "Arena servicio". Dort treffen wir
einen Teil des MC Wild Woodquarters, die sich die Kurven der Toscana unter die
Reifen nehmen wollen. Sie machen sich schnell wieder auf den Weg, denn Venedig
nach 16 Uhr soll die Verkehrshölle schlechthin sein.
Wir gehen es gemütlicher an. Die Route ist gut beschildert. Es geht flott
voran. Plötzlich Stau. Da Einsatzwagen über den Pannenstreifen preschen,
steigen wir ab und legen auf der 2. Spur der Autostrada eine Rauch- und Trinkpause
ein, beobachten den Himmel und kommen zu dem Schluss: Es regnet nicht - aber es
könnte bald.
Gerade, als wir beschließen, uns links am Stau vorbeizuschummeln, kommt
die Kolonne wieder in Bewegung. Mit 120 km/h geht es spontan, aber leider nur
ein Stück, weiter, dann abermals Stau. Nun ist die Mautstelle der Grund.
Diese im Sichtfeld kämpfen wir uns zwischen den stehenden Fahrzeugen durch.
10,50 Eus haben wir dem Mann im Mauthäuschen pro Motorrad zu übergeben,
danach genießen wir den venezianischen Nachmittags-Stau.
Die Ausfahrt Venedig ist unscheinbar. Wir sind froh, sie wegen der LKWs, die brav
die 1. Fahrspur benützen und den PKWs die zweite überlassen, nicht übersehen
zu haben. Nun lassen wir uns von den Schildern "Venezia SS11" durch
Kreisverkehre und Straßensysteme leiten.
"Über
den Lido, dann 1. Ampel rechts" steht in unserem Zufahrtsplan.
Über den Lido führt eine große Brücke mit blau-gelben Laternen.
Die 1. Ampel ist nicht zu übersehen. Danach folgen wir der Bodenbeschriftung
"Ferry Boat", was sich als Fehler herausstellt. Ein freundlicher Autofahrer
erklärt uns, dass wir zur Anek Lines (ebenso wie zur Minoan) wieder retour
müssen, wieder über die kleine Brücke, dann im Kreisverkehr rechts.
Also richtig: Über den Lido, 1. Ampel rechts, dann im Kreisverkehr "geradeaus",
hinein zu den Piers der Minoan (beschriftet) und Anek Lines (noch) nicht beschriftet.
Das Schiff ist schnell gefunden - mit seinen fast 200 Metern ist es unübersehbar
- doch wo ist das Hafenbüro, in dem wir unsere Tickets abstempeln lassen
müssen? Es befindet sich im Gebäude, auf dem Minoan steht; auf der anderen
Seite ist der Eingang zur Anek.

Als wir auf die
Fähre auffahren, ist es kurz nach 17:30 Uhr. Zwei Staus und etwas Regen haben
die Fahrzeit für die 626 Kilometer von Wien nach Venedig länger als
erwartet ausfallen lassen.
Auf
der Fähre bestehen diesmal die Einweiser darauf, dass die Motorräder
auf dem Seitenständer stehenbleiben. Wir sind skeptisch, fügen uns aber
ihren Vorschlägen. Da die Radeln angebunden werden, sichern wir unsere Sättel
mit Handschuhen und einer Gummimatte.


Über Venedig hängt ein Gewitter. Blitze zucken auf die Stadt nieder. Aber der Wettergott hält die Tropfen zurück. So können wir das Treiben in der Stadt und die Durchfahrt der Fähre durch Venedig an Deck genießen, ohne nass zu werden. Es geht entlang der Häuser und Kanäle, die alle so wirken, als wären sie die Kulisse eines riesigen Theaters - alles in allem jedoch ist die Abfahrt der Anek Lines in Venedig wesentlich interessanter als in Triest.
Alle Texte und Fotos, wenn nicht anders angegeben, © Tatjana Suchovsky und Rudi Benesch.
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