Korinth
Seit
jeher waren sich die Menschen über die Bedeutung dieses Platzes im Klaren:
Wer vom Festland auf dem Landweg auf den Peloponnes wollte, musste dort durch,
ebenso alle, die sich die Umschiffung der Halbinsel ersparen wollten. Kleiner
Nachteil: Griechenland ist eine stark durch Erdbeben gefährdete Region Europas.
Hier reiben sich die europäische und die afrikanische Platte aneinander.
Das wussten die alten Korinther nicht, aber sie bekamen es immer wieder zu spüren.
Im 9. Jht. v. Chr. siedelten hier die Dorer, handelten eifrig und bauten eine
starke Flotte auf. Ca. 200 Jahre später galten sie als führende Kolonialmacht
im Mittelmeerraum. Sie produzierten auch selbst - Töpferwaren kunstvoll bemalt
- und sie erfanden: das Korinthische Kapitell; eine verbesserte Variante
eines Kriegsschiffes mit drei Ruderreihen übereinander; oder das Korinthische
Erz, eine spezielle Metalllegierung.
Seine Blütezeit
erlebte Korinth im 5. Jht. vor Chr. Inzwischen hatte sich jedoch Athen mit seinem
Hafen Piräus zur ernsthaften Konkurrenz entwickelt. Eine diplomatische Intervention
in Sparta brachte nichts, sondern löste den Poloponnesischen Krieg aus, der
von 431 - 404 v. Chr. dauerte. Schließlich kapitulierte Athen, doch die
beiden Gegner waren schwer vom Kampf angeschlagen.
Das nützte König Philipp II. von Makedonien als lachender Dritter und
eroberte Korinth. 223 v. Chr. musste er die Macht jedoch an die Römer abgeben.
Die Korinther wehrten sich gegen die römische Herrschaft und das bedeutete
ihren Untergang. Die Römer zerstörten die Stadt und ermordeten oder
versklavten ihre Einwohner.
Ebenso waren es aber die Römer unter Julius Cäsar, die diesen wichtigen
Handelsplatz 44 v. Chr. reaktivierten und mit einer Bürgerkolonie neu belebten.
Korinth blühte abermals auf, seine Einwohner genossen Prunk und High-Life
sowie die Tempeldienerinnen der Aphrodite.
Dann fielen die Goten und die Slawen ein. 521 n. Chr. rumpelte die Erde und zerstörte,
was die wilden Horden nicht zerstört hatten.
Abermals
kamen die Römer, diesmal unter Kaiser Justinian und bauten Korinth wieder
auf. Doch Ruhe hatte die Stadt keine. Um 1204 stellten sich die Franken ein, die
sich mit der Einnahme des Festungsberges besonders schwer taten. Sechs Jahre belagerten
sie ihn, um um es dabei bequemer zu haben, bauten sie auf dem westlich gegenüber
liegenden Hügel die Burg Penteskouphi.
Die Byzantiner eroberten Korinth 1395 zurück, verkauften es aber 1400 an
den Ritterorden der Johanniter. 1458 kamen die Türken dran, die Stadt zu
beherrschen, 1678 - 1715 die Venezianer. 1822 wurde es von den Griechen befreit.
Korinth hatte jetzt zwar Ruhe von gierigen Eroberern, dafür machten sich
die tektonischen Plattenverschiebungen verstärkt bemerkbar: 1858 wurde die
Stadt komplett zerstört, wieder aufgebaut; 1928 und 1981 bebte abermals die
Erde und zerstörte große Teile der Stadt. Die Bauten des modernen Korinths
sind deshalb wenig sehenswert. Die historische Bausubstanz ist aus dem Stadtbild
verschwunden, es dominieren mehr und mehr Stahlbauten.


Alt-Korinth
(Arhea Korinthos)
Das ländlich beschauliche Dorf liegt am Fuße des mächtigen, 575 m hohen Felskekels Akrokorinth unmittelbar neben den Ausgrabungen. Trotz vieler netter Tavernen läßt es begrenzte Aufnahmekapazität - besonders während der Hauptsaison - vermuten. Iregndwie scheint auch hier der griechische Grundsatz zu gelten: Je näher die alten Steine, umso höher die Preise!
Ancient
Korinth
Für
einen Obulus von 6,- Euro bekommt man einen Folder mit Lageplan und die Eintrittskarte.
Auf dem Areal darf man gehen, wohin man will. Absperrungen gibt es fast keine.
Ich bin mir im Durcheinander der herumliegenden alten Steine recht unsicher, ob
ich gerade jemandem durch's Schlafzimmer trappe oder mich zwischen zwei Gebäuden
befinde. Es fällt nämlich schwer, auf diesem Areal eine langvergangene
Kultur vor dem geistigen Auge aufleben zu lassen. Nur die große Einkaufsstrße
und der Apollo-Tempel lassen sich gedanklich rekonstruieren.
Ja doch, es gibt kleine Highlights! Kapitelle liegen verstreut und nicht zuordbar
im Sand, man kann sich ganz aus der Nähe die Steinmetzarbeit betrachten.
Oder die kleinen Rosetten, die sonstwo witterungsgeschützt im Museum aufbewahrt
werden.


Oder
der Kopflose, der wohl seit Jahrhunderten aus seiner Niesche, in der er steht,
denselben Ausblick über die Ebene genießt. Da und dort finden sich
Schriftzüge auf Marmor, Säulenfragmente, Gemäuer, Quadersteine
- jeder für sich ein Stück Kultur, in seiner dem uninformierten Touristen
undokumentierten Lage aus dem historischen Gesamtbild gerissen und dem Zahn der
Zeit zur endgültigen Vernichtung preisgegeben.
Draußen vor dem Gelände gibt es einen nicht allzu großen Parkplatz.
Hier fällt es schon leichter, sich das Gedränge während der Hauptsaison
vorzustellen, wenn Busse ihre Menschenladungen ausschütten und es zwischen
den Fahrzeugquardern wurelt wie in einem Ameisenhaufen.
klicke, um zu vergrößern:
Akrokorinth
Um
die durch einen dreifachen Mauerring mit drei Toren gesicherte Burgfeste ranken
sich einige Legenden.
Jason versetzte
seine Freundin Medea, da er ein Auge auf Glauke, die Tochter des Königs Kreon,
geworfen hatte. Als die Hochzeit fixiert war, schickte die auf Rache sinnende
Medea, Freundlichkeit heuchelnd, der Glauke ein prächtiges, aber verfluchtes
Hochzeitskleid. Als die Braut es anlegte, ging es in Flammen auf. Um den Brand
zu löschen, sprang Glauke in das in den Fels gehauene Brunnenhaus, welches
seitdem ihren Namen trägt.
Eine noch so gut
befestigte Burg auf einem fast uneinnehmbaren Felsen nützt gar nichts, wenn
sie nicht über eine ausreichende Wasserversorgung verfügt. Das erkannte
auch Sisyphos, der legendäre Gründer Korinths. Eines Tages wurde er
ungewollt Zeuge, als die Flussnymphe Ägina vom Göttervater Zeus vergewaltigt
wurde. Er fasste den Plan, aus seinem Wissen Profit zu schlagen und bot dem wütenden
Vater des Mädchens (Asopos, Flussgott) an, ihm den Namen des Übeltäters
zu verraten, wenn er auf dem Burgfelsen eine Quelle entspringen lassen würde.
Asopos stieg auf den Handel ein und die sog. Peirene-Quelle sprudelt noch heute.
Zeus war sauer,
weil Sisyphos ihn verpetzt hatte und aktivierte seinen Kollegen Thanatos, zuständig
für den Tod der Sterblichen. Sisyphos überwältigte den personifizierten
Tod, legte ihn in Ketten und ließ ihn im Burgverlies schmoren. Diese Frechheit
eines Sterblichen erzürnte die Götterschar. Kriegsgott Ares machte sich
auf den Weg und befreite Thanatos, der nun den zweiten Anlauf nahm, um Sisyphos
in Hades Reich zu bringen, was abermals misslang. Zwar gab Sisyphos den Löffel
ab, doch hatte er seine Frau instruiert, ihn nicht zu bestatten und jeglichen
Totenkult zu unterlassen. Als er Hades, dem Gott des Totenreichs, begegnete, war
dieser im wahrsten Sinne des Wortes blind vor Wut und schickte ihn
zurück zu seiner Frau, um diese zu beauftragen, ihn nach allen gebotenen
Regeln zu beerdigen. Sisyphos kehrte zurück auf seine Burg, tat nichts von
dem, was ihm Hades aufgetragen hatte, sondern erfreute sich seines langen Lebens
gemeinsam mit seinem braven, gehorsamen Weib. Irgendwann im hohen Alter war auch
seine Zeit auf Erden abgelaufen. Doch als Strafe für seine Ungehorsamkeit
wurde er von den Göttern dazu verdonnert, bis in alle Ewigkeit einen Stein
auf die Akropolis hinaufzuwuchten. Aber jedesmal, wenn er fast oben ist, bekommt
der Felsbrocken einen Stupser und beide kugeln den Hang hinab - eine echte Sisyphos-Arbeit.
Zurück zu
den Tatsachen. Der am Gipfel liegende Tempel war der Göttin Aphrodite geweiht.
Sie war zuständig für Schönheit, Liebe und Sexualität. Besonders
der letzte Punkt hatte es den alten Korinthern angetan! Bis zu 1.000 Priesterinnen
(Hierodulen) belebten in der Blütezeit der Stadt diesen Tempel
und dienten ihrer Göttin, indem sie Liebe praktizierten. Sie müssen
sehr gut in ihrem Fach gewesen sein, denn unzählige Pilger strömten
täglich in die Stadt und nahmen den beschwerlichen Weg auf die Burg hinauf
in Kauf, um sich von den Tempeldienerinnen verwöhnen zu lassen und ihr Opfer,
einen Samenerguss, zu bringen.
Der Tempel der
Aphrodite wurde in byzantinischer Zeit mit einer kleinen Kirche überbaut.
Um 50 n. Chr. predigte Apostel Paulus in Korinth, dem das lüsterne Treiben,
getarnt als Gottesverehrung, ein Dorn im Auge war. Er schrieb seine berühmten
Briefe an die Korinther, die die Menschen aber nicht sehr beeindruckten.
Als einige empörte Juden den Paulus vor den Prokonsul Gallio zerrten und
ihn bezichtigten, das Volk zu einer Gottesverehrung zu verführen, die gegen
das Gesetz verstieße, winkte der Richter desinteressiert ab und meinte,
die Streithähne sollten doch ihre Unsitmmigkeiten untereinander ausmachen.
Die Burgfestung
von Akrokorinth war durch eine riesige Stadtmauer mit der Hafenfestung Lechaion
(Leheo) verbunden. Von Lechaion führte eine lange, gepflasterte Straße
auf die antike Agora (Markt), gesäumt von Säulenhallen und Läden.
Auf der Agora, auf der sich das politische und wirtschaftliche Leben abspielte,
standen neben Ladenreihen und Verwaltungsgebäuden auch Tempel, von denen
der eindrucksvollste der Appollon-Tempel ist (ein dorischer Säulenhallen-Tempel
aus dem 6. Jht. v. Chr., mit Anbauten aus dem 1. Jht. n. Chr.), der mit seinen
wuchtigen, aus einem Stück gearbeiteten Säulen trotz der großen
Zerstörungen eines der großartigsten Monumente dorischer Architektur
ist. Im Nordwesten der Agora sind noch Reste eines Theaters (4. Jht. vor Chr.)
und eines römischen Odeums zu sehen.
Asphaltierte Zufahrt vom 3 km entfernten Alt-Korinth aus beschildert. Di - So
8 - 19 Uhr.
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