BEGEGNUNG MIT DEM FAHRENDEN VOLK, METHONI (11. 6. 2003)


Wir sind ihnen in Griechenland bereits öfters begegnet, den reisenden Sessel-Verkäufern, doch kamen wir nie mit ihnen in Kontakt.
Als wir in Methoni zum Campingplatz zurückgehen, kommen wir an ihnen vorbei. Sie sind mit zwei Kleinbussen und einem LKW unterwegs, haben am Straßenrand ihre Ware ausgebreitet oder fahren langsam durch den Ort und preisen Plastikmobiliar und Tonkrüge lautstark über Lautsprecher an. Wir brauchen weder Sessel noch Bohrmaschinen, also beachten wir sie auch diesmal nicht weiter.

Später sitzen wir im Campingplatz-Restaurant. Zwei ca. 7jährige Zigeunermädchen kommen ins Lokal: etwas schmutzig, aber nicht zu schmutzig; abgetragene Kleidung, aber nicht zerrissen; zerzauste Haare, aber bunte Bänder eingeflochten. Mit ganz traurigen Augen gehen sie von Tisch zu Tisch und schnorren leise die Gäste an. Diese ziehen ihre Wertgegenstände näher an sich.

Man kann die beiden schnell verscheuchen, indem man sie forsch anfährt. Egal in welcher Sprache - sie verstehen gut. Wer nichts sagt oder ihnen gar ein paar Cent gibt, wird sie nicht mehr los. Es geht so weit, daß eines der Mädchen einer Frau bis zu ihrem Wohnmobil folgt. Alsbald taucht die Camperin, die Kleine immer noch an ihre Fersen geheftet, beim Platzwart auf und beschwert sich. Der verweist das Zigeunermädchen vom Platz.

Nach einiger Zeit kommt es in Begleitung einer gar nicht schmutzigen, sehr attraktiven jungen Frau wieder. Sie kaufen im Restaurant Milch und ein Eis für die Kleine. Der sonst so umgängliche Wirt gibt es ihnen, behandelt sie aber kühl. Nicht einmal der Anflug eines Lächelns kommt über seine Lippen. Seine scharfen Blicke lassen die beiden keine Sekunde aus den Augen. Er wird wissen warum.

Lange Zeit stehen die drei Fahrzeuge noch am Fahrbahnrand in einer wilden Wiese. Die Zigeuner pendeln zwischen ihnen und dem Strand hin und her, beobachtet von den sichtlich beunruhigten Gästen des Campingplatzes. Spät in der Nacht brechen sie im Schutz der Dunkelheit auf, verlassen Methoni, um am nächsten Tag anderswo ihre Ware feilzubieten und Touristen mit tieftraurigem Gesicht ein paar Cent zu entlocken. Da und dort scheint es, als würde einer der Camper erleichtert aufatmen.

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