TOLO - GITHIO (5. 6. 2003)


Von Tolo bis Githio sind es ca. 200 km, für die wir uns einen ganzen Tag Zeit nehmen wollen. Wieder achten wir darauf, gleichmäßig zu packen, was sich gerade auf dieser Strecke als sehr wichtig herausstellen wird.

In TirosapounakeikaZuerst verirren wir uns nach Agios und dann in Agios. Die alte, kürzere Küstenstraße zu fahren, wäre uns lieber gewesen, doch wir verpassen die unscheinbare Abzweigung in Nafplio. Wieder auf der richtigen Straße in den Süden, geht es ab Mili eine zum größten Teil super gebaute Straße an der Küste entlang. Der Planer der Strecke muss selbst Motorradfahrer gewesen sein! Kurve an Kurve kommen wir nur selten dazu, flüchtige Blicke in die herrliche Landschaft zu werfen.

In den Ortschaften finden sich des öfteren an Masten zwei alternierend blinkende gelbe Lichter, darunter ein Kasten, der stark an ein Radargerät erinnert. Ob es sich tatsächlich um solche handelt, und wenn ja, ob sie in Betrieb sind, können und wollen wir nicht eruieren.

Eine alte BMWIn Tirosapounakeika pausieren wir in einem Restaurant neben einer kleinen Tankstelle, wo sich der Klogang, der ins Kellergeschoß führt, als sehr interessant herausstellt. Wir entdecken neben einer Transalp und einer brandneuen Hyosung eine uralte BMW, die zwar über keinen Tacho (- was braucht man den denn auch in Griechenland! -) aber eine bandneue Batterie verfügt und durchaus fahrbereit erscheint.

Wir folgen der Straße und fahren in Leonidio ein. Die Hauptstraße, die durch die Stadt führt, ist im Zentrum einspurig - mit Gegenverkehr. Keine Ampel, die regelt; kein Spiegel, der hilft. Vorsichtig geht es um die Häuserecken, mit dem Motorrad sicher leichter als mit einem Wohnmobil.

Blick über LeonidioAm Ortsende links eine Parkmöglichkeit. Dort halten wir, genießen den Blick über das Städtchen. Über unseren Köpfen am Berg die neue Umfahrungsstraße für Schwer- und Gefahrentransporte.

Vorsichtig dringen wir in das Tal ein. Zwar ist die Fahrbahn griffig, doch immer wieder zwingen uns große Schlaglöcher, das Tempo zur reduzieren. Vor uns vier Wohnmobile. Sie sichern uns vor eventuellem Gegenverkehr ab.

Zuerst geht es noch leicht bergab. Links von uns zieht sich zinnenartig Mauerwerk als Straßenbegrenzung hin, darunter das ausgetrocknete Flußbett des Dafnon.

Das Tal des Dafnon

Auf dem Weg nach KosmasCa. 16 km vor Kosmas beginnt der Anstieg. Das psychologisch wertvolle Mauerwerk am Fahrbahnrand entfällt. Irgendwo hoch über uns klebt das Kloster Moni Agiou Nikolaou Sintzas im Felsen, doch unser Hauptaugenmerk gilt der phantastisch gewundenen Streckenführung. Es wird merklich kühler. Die Höhenmeter machen sich bemerkbar. Leder trägt sich nun angenehm.

Die an und für sich zweispurige Fahrbahn verengt sich stellenweise durch seitliche Belagsschäden auf eine, doch stets prangt sinnloserweise eine doppelte Sperrlinie in der Mitte. Die Radien der Kurven verkleinern sich bis hin zu einer steilen Kehre, gerade breit genug für zwei Einspurige, wenn sie aufrecht bleiben.

Blick zurückNach dem steilen U bietet sich ein Platz an, wo wir halten und in die Landschaft blicken können. Zu unseren Füßen schneidet sich tief die Schlucht in die Felsen; um uns das braunrote Parnon-Gebirge, beeindruckend, gewaltig und schön.

Nach einer kurzen Pause schrauben wir uns weiter hoch. Oben wird es flacher, die Kurven langgezogener, die Belagsschäden tiefer. Doch der Höhepunkt erwartet uns noch: die Einfahrt in Kosmas. Die Häuser treten eng zusammen. Auf geschätztem 30%igen Gefälle hoppeln unsere Straßenmaschinen den griffig gefrästen Beton der engkurvigen, einspurigen Straße (mit Gegenverkehr ist auch hier zu rechnen!) hinab, um danach mitten auf dem Hauptplatz neben der Kirche abgestellt zu werden und auszuschnaufen.

Auch wir atmen bei einem Kaffee in einer der vier Tavernen tief durch, versuchen, den Adrenalinspiegel zu senken und stellen fest: dieses Bergstraßerl sollte nur von geübten Motorradfahrern bei Schönwetter und ausreichender Zeitreserve in Angriff genommen werden.

Einfahrt in Kosmas - achtung! Gegenverkehr!Rast am Hauptplatz von Kosmas

Zwei der vier Tavernen"Ob wir hier schon in Euro bezahlen können?" fragt Rudi, so verträumt und abgeschnitten von der restlichen Welt erscheint uns das Dörfchen Kosmas in 1150 m Höhe. Es scheint nur aus Hauptplatz, Kirche und ein paar Wohnhäusern zu bestehen. Wir fragen uns, wie hierher Lebensmittel geliefert werden. Ausschließlich in PKWs und Kleintransportern?


Die Kirche am Hauptplatz von KosmasGespannt rüsten wir uns für eine ebenso anspruchsvolle Abfahrt in die Ebene. Nach einigen Metern letzter Kletterarbeit hinauf auf die Bergstraße verbreitert sich die Fahrbahn so weit, dass rechts und links sogar ein Pannenstreifen Platz findet. Unsere Nerven dürfen sich, ebenso wie die Motoren unserer Motorräder endgültig erholen. Diese Straße ist also die Nabelschnur Kosmas zur restlichen Zivilisation, über die auch unerfahrene Fahrer und LKWs das Dörfchen ganz gemütlich erreichen können.

Nach der kühlen Bergluft erschlägt uns die Nachmittagshitze in der Ebene doppelt. Wir sehen zu, schnell nach Githio zu kommen, einer Stadt, von der wir wissen, dass sie über ein Internet-Cafe verfügen soll und die Campingplätze einige Kilometer außerhalb liegen.

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