Parga - Euböa / Evia

Zeitig laden wir ein und noch vor 9 Uhr brechen wir auf, im Rücken eine Schlechtwetterfront, der wir vorerst entkommen. In Amfilochia, wo wir Pause machen, holt sie uns ein. Es beginnt zu tröpfeln, zu regnen ... zu schütten. Was wir zwischen den Regentropfen wohlgefällig bemerken, sind auf einer kurzen Strecke neue Leitschienen, die einen gelben Streifen enthalten. Sie sind wesentlich besser zu sehen als die eintönig grauen.

Was uns am Straßenrand ebenfalls ins Auge sticht, sind unzählige rosa Plasticksäcke, die über viele Kilometer in fast regelmäßigen Abständen zwischen den Begrenzungspfosten verteilt sind. Wir rätseln, was sie wohl beinhalten könnten. Material zur Brandbekämpfung? Material für anstehende Bauarbeiten? Nun, auf alle Fälle musste es etwas sein, was für den Otto Normalbürger keinen Wert hatte, sonst wären sie wohl schon gestohlen worden. Die Neugier treibt uns dazu, die Sache trotz stömendem Regen in Augenschein zu nehmen. Wir öffnen einen solchen Sack und entdecken darin - Müll! Um eine Erkenntnis reicher, setzen wir unseren Weg fort.

Natürlich haben wir bereits in Parga mit den Einheimischen über die großen Brände diesen Sommer gesprochen. Sie würden auch durch die vielen wilden Müllhalden entfacht werden. Ein Flaschenboden, irgendwo gedankenlos weggeworfen, könnte bereits ein Feuer entzünden. Zum Teil hatten die Brände andere Ursachen: unachtsames Hantieren mit Feuer oder Brennendes nicht gut genug austreten. Oder aber, sie wurden von Brandstiftern gelegt. Wir fragten, ob man diese schon ergreifen konnte. Ja, antwortete man uns, man hätte zwei junge Burschen festgenommen, die im Verdacht stünden, aber auch eine achtzigjährige Frau, die - wie wohl immer wieder in den letzten siebzig Jahren - ihren Müll neben ihrem Haus verbrannt hätte.

Auf ungefähr halber Strecke sahen wir ein solches Feld der Vernichtung. Zwei Berge, an deren Fuße die Stadt Nafpakos liegt, waren völlig verwüstet und jegliches Leben darauf ausgerottet. Die Erde war schwarz, die Bäume verkohlt und kein einziger grüner Grashalm und keine einzige Blüte durchbrach das grauenhafte, grauschwarze Bild, das sich dem betrachtenden Auge bot, so weit der Blick reichte.

Als es auf Itea zugeht, beruhigt sich das Wetter. Abermals machen wir eine kurze Pause, dann geht es weiter, zuerst durch den Olivenhain, dann den Berg hinauf.

Während wir die Kurven und Serpentinen den Berg hinauf nach Delphi erklimmen, bricht die Sonne durch. Sofort erhebt sich der Regen, der eben noch den Wurzeln jener Bäume auf den spärlich bewaldeten Berghängen belebendes Wasser gespendet hatte, als weißer Nebel empor - zuerst zögernd, dann aber, als würden sich die riesigen Leiber mächtiger Geister aus der kargen Vegetation in den Himmel schwingen, um sich die Welt Untertan zu machen. Es ist wahrlich ein imposantes Schauspiel, umso mehr, als sich jene Geisterleiber auch über den Fahrweg legen, aus dem es selbst dampft, als würde die Welt gleich untergehen.

In Bilder beschreiben wir die Straße, die zur heiligen Stätte hinaufführt. Die früher ganz engen Haarnadelkurven wurden etwas verbreitert, was die Auffahrt wesentlich erleichtet.

Die recht enge Durchfahrt in Delphi, allerdings nicht ganz so wild, da Einbahn:

Weiter geht's nach Arahova:

Hier wird es eng, noch dazu, wo Gegenverkehr herrscht und sonst auch Fußgänger auf der Fahrbahn unterwegs sind. An diesem trüben, verregneten Tag ist der Weg jedoch frei und wir kommen gut durch.

Den Berg hinab geht es noch in Begleitung einiger Nebelschwaden, die sich über die Fahrbahn legen, dann geht es, manchmal tröpfelnd, manchmal bei durch die dunkle Wolkendecke brechende Sonne weiter. Je näher wir Evia/Euböa kommen, umso besser wird das Wetter und wir auch wieder fröhlicher.

Griechenlands Straßen sind rutschig. Besonders dann, wenn sie feucht werden. Dann fahren die meisten auch recht langsam. Kaum aber bricht die Sonne durch, vergessen sie, dass der Straßenbelag noch feucht ist und die Fahrbahn glitschig. Alleine auf der kurzen Strecke zwischen Livadia und Chalkis sahen wir vier Unfälle. Zwei Fahrzeuge waren im Straßengraben gelandet, an zwei anderen Unfällen waren jeweils zwei beteiligt, die sich ineinander verkeilten.

Als wir in Chalkis (oder auch Halkida) einfahren, herrscht wieder strahlender Sonnenschein. Die Schlechtwetterfront liegt hinter uns.

Nach neun Stunden Fahrzeit treffen wir am Milos Camping vor Eretria ein, stellen unseren Bus ab, laden die Einspurigen aus und richten seinen Innenraum wohnlich ein. Unser Platz liegt direkt am Meeresufer und während wir hier sitzen und den Text in den Laptop klopfen, rauschen acht Meter weiter die Wellen an den Strand.



Alle Texte und Fotos, wenn nicht anders angegeben, © Tatjana Suchovsky und Rudi Benesch.


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