Anfang
Oktober löste der Altweibersommer den verregneten September ab. Also nutzten
wir die Gelegenheit - Franz und Monika, Christine und ich - nochmals in die Berge
zu biken.
Als wir uns um 10 Uhr in Seekirchen auf die Maschinen schwangen, lag im Wallerseer-Becken
noch tiefer Nebel. Die Straßen waren etwas feucht und die kalte Luft spürte
man am ganzen Körper. Doch bereits nach einigen Kilometern war von allem
nichts mehr zu sehen und zu spüren. Da wir dem Finanzminister keinen müden
Groschen zukommen lassen wollten (Vignette) wurde durch die Stadt Salzburg in
Richtung Kleiner Walserberg gefahren.
Nach ca. 4 km erreichten wir Bad Reichenhall und bogen auf die 21er (E60) in Richtung
Lofer ab. Der Predigstuhl (Seilbahn 1.613 m) strahlte im Sonnenlicht. Nun führte
unsere Tour durch schattige herbstliche Wälder und entlang des Saalach-Stausees
spürte man gleich wieder die Herbstfrische. Nach 7 km wurde rechts in Richtung
Schneizlreuth gedüst. Die Straße, die sich kurvenreich, stetig nach
oben schraubend an den Felsen schmiegt, bietet Fahrgenuss vom Feinsten, doch diesmal
kam es anders. Vandalen frästen auf mehrere Kilometer Längsrillen in
den Asphalt, was erheblich die Fahreigenschaften meines Bikes beeinträchtigte.
Nachdem
wir diesen unangenehmen Teil des Weges hinter uns gebracht hatten, ging es weiter
in Richtung Steinpass (615 m) zur ehemaligen österreichischen Grenze. Die
Sonne stand schon hoch und endlich wurde es auch in den Schattenteilen der Straße
angenehm warm. Vereinzelt traten noch nasse Flecken auf, als wir in Richtung Lofer
und dann weiter durch das Strubtal (B312) über den Pass Strub (677m) nach
St. Johann in Tirol fuhren.
Kurz
nach St. Johann wurde rechts abgebogen, um auf die B 161 nach Kitzbühel zu
gelangen. Zu unserer Begrüßung begannen die Sirenen zu heulen. Wir
suchten einen Parkplatz - was gar nicht so leicht war - um ein wenig im Nobelschiort
zu flanieren. Scharenweise drängten Gäste in Richtung Hahnenkammbahn,
teils schoben sie sich bergwärts zum Parkplatz, doch in der Fußgängerzone
herrschte eher Gelassenheit. Wir nahmen die Gelegenheit wahr und besuchten die
Kapuzinerkirche aus dem 18. Jh. Sehenswert ist auch die doppelgeschossige Liebfrauenkirche
mit spätgotischem Turm (14. - 15. Jh.), die Katharinenkirche (14. Jh.) frühgotisch,
mit Glockenspiel und spätgotischem Flügelaltar. Durch das einzige erhaltene
Stadttor - Jochbergtor - verabschiedeten wir uns und gingen wieder zu unseren
Eisen.
Gemütlich
zogen wir unsere Spur durch das Jochbergtal in Richtung Pass Thurn. Die wunderbar
ausgebaute Passstraße ließ es zu, in den Kurven die Eisen bis zum
Fußraster hinabzudrücken und den Gashebel bis zum Anschlag durchzudrehen.
Planmäßig wurde der Reifen an den Außenseiten abgefahren um die
Kitzbühler Alpen zu bezwingen. Auf der Passhöhe (1.273 m) wurde die
Mittagsrast eingelegt, um ein Dinner in freier Natur zu genießen. In der
Mittagssonne konnten wir die herrliche Bergwelt, die dunkelgrünen Wälder
und sattgrünen Almwiesen genießen und die frische Bergluft in uns hineinsaugen.
Von der Passkuppe hatten wir einen wunderbaren Blick nach Süden auf die Hohen
Tauern. Im Hintergrund konnte man auf die Gletscher der Venediger Gruppe blicken
und unter uns lag ausgebreitet der Pinzgau. Teilweise talwärts schraubend
bewegten wir uns auf Mittersill zu (Sehenswert: Schloss Mittersill, ursprünglich
12. Jh. Um- und Neubau 16. Jh., mit spätgotischer Kapelle 1533, in dieser
ein Flügelaltarbild, 15. Jh., heute Luxushotel), um auf der B168 nach Zell
am See zu gelangen. Vorsicht mit der Geschwindigkeit, denn neben der wunderbar
ausgebauten Straße sind immer die "Staudenhocker" versteckt!
Bei Zell am See wurde dann rechts in Richtung Bischofshofen abgebogen, um auf
der B 311 bis Lend zu fahren. Kurz vor Lend nahmen wir die Abzweigung nach Dienten
am Hochkönig. Diese kleine Straße (Geheimtipp!!!) schlängelt sich
wildromantisch durch das enge Tal bergwärts nach Dienten. Sinnvoll auch die
Bezeichnung der rechten (Sonnberg Dienten) und linken (Schattberg Dienten) Seite
des Taleinschnittes. Zu dieser Jahreszeit fällt keine Sonne mehr in den Taleinschnitt,
was natürlich zu einer nasse Fahrbahn führt. Ein kleiner Bach floss
über Felsen springend talwärts in Richtung Salzach.
Oben
angekommen weitet sich das Tal und vor uns baut sich majestätisch die massive
Felsstruktur des Steinernen Meeres auf. Kurz nach der Ortschaft Dienten wurde
rechts auf die toll ausgebaute Hochkönigstrasse (B164) in Richtung Dientner
Sattel (1.357 m) abgebogen. Also, rein in die Pedale, um den Gummi wieder auf
die richtige Temperatur zu bringen. Links- rechtsschwingend wurde die Anhöhe
erstürmt. Oben angekommen säumten 100te Autos die Straßenränder
- ja es ist Wanderzeit und die Pilzjagd war eröffnet.
Also
wurde erst einige Kilometer später eine kurze Rast eingelegt um: a) eine
Zigarette zu rauchen, b) den Hosenboden zu lüften und c) die wunderbare Bergwelt
des Hochkönigs samt Mandlwand zu genießen. Natürlich waren massenhaft
gleichgesinnte Biker auf der bekannten Bergstraße unterwegs. Diese berühmte
Bergstraße fordert leider auch jedes Jahr einen hohen Blutzoll unter den
Bikern, denn sie verleitet zum Angasen.
Genüßlich zogen wir nun talwärts in Richtung Mühlbach. Nach
Mühlbach verengt sich das Tal und die Fahrbahn war fleckweise trocken, doch
schon in den nächsten Kurven musste man mit nasser Fahrbahn rechnen. Also
ging es eher gemütlich talwärts nach Bischofshofen. Je mehr die Höhenmeter
abnahmen, desto wärmer bzw. angenehmer wurde es uns in unserer Lederbekleidung.
Nun
wurde links abgebogen, um auf der B311 in Richtung Werfen (B159) zu gelangen.
Zügig zogen wir nun unsere Spuren in den Asphalt , vorbei an Werfen (Eisriesenwelt),
durchpflügten das Salzachtal: rechts das Tennengebirge, links das Hagengebirge,
begleitet von der Salzach hinauf auf den Pass Lueg als gäbe es ihn nicht
um dann über Golling nach Hallein zu gelangen.
Natürlich als abschließende Pflichttour wurde durch das Wiestal gezogen.
Am Stausee wurde nochmals eine Rast eingelegt, um die bunten Mischwälder
zu genießen, die schon das Herannahen des Herbstes verkündeten. Die
Sonne stand schon tief, als wir einige Kilometer nach Ebenau auf die Wolfgangsee-Bundesstraße
(B158) links in Richtung Salzburg abbogen.
Um dem Stopp-und-Go-Verkehr auszuweichen, bogen wir kurz vor Guggenthal rechts
ab, um über den Heuberg nach Eugendorf und weiter zum Ausgangspunkt Seekirchen
zu kommen. Bei der Bosna Stub'n, dem Bikerlokal des BBC, wurden die Gashobeln
abgestellt, um nun mit Ruhe den herrlichen Bikerausflug bei einem Bier nochmals
vorbeigleiten zu lassen.
Roman Sekot
Fotos: Roman Sekot
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