Bereits am Bikerstammtisch wurde der Entschluss gefasst, am nächsten
Tag eine neue Tour anzureißen. So machten wir (Hermann und Eva auf der "Trudi",
Christine und ich auf der Kawa EN) uns wie üblich um 10 Uhr auf den Weg.
Aufgrund der Wettervorhersage - 30 Grad - wählten wir eine Tour, die entlang
von Seen und durch Wäldern führen sollte.
Von Seekirchen aus ging es in Richtung Mondsee und im Ortszentrum von Thalgau
wurde dann rechts nach Fuschl am See abgebogen. Die Verbindungsstraße mit
ihren Kurven bot einen gelungenen Einstieg, um sich an das Gefühl der Kurventechnik
zu gewöhnen. Nach Fuschl erreichten wir die Wolfgangsee-Bundesstraße
und bogen links auf die B 158 in Richtung St. Gilgen ab. Nach Ende der 80er-Beschränkung
wurde erstmals der Gashebel bis zum Anschlag nach unten gedreht.
In St. Gilgen ging es rechts weiter - entlang des Wolfgangsees in Richtung Bad
Ischl. Bis Strobl (Abzweigung Postalmstraße, nach Abtenau zweithöchstes
Hochplateau Europas) hatten wir gut und gern zehn Touristenbusse überholt.
Die breite Straße nach Bad Ischl verleitet einen, schon einmal Gummi zu
geben. Nach dem Umfahrungstunnel von Bad Ischl bogen wir rechts auf die B 145er
in Richtung Bad Aussee ab. Die Reifen waren gerade richtig aufgewärmt, als
wir den Anstieg auf den Pötschen-Pass (982 m) begannen. Leider - schon bei
der ersten Kehre - wurde durch einen "Grattler" unser Kurvenschwung
gebremst. Runter um zwei Gänge und Vollgas am Behinderer vorbei!
Nun
lag eine freie Bahn vor uns. Mit einem 100er ging es bergwärts rauf zur Passhöhe.
Das Ausseer-Land lag uns zu Füssen und mit ihm sattgrüne Wälder
und saftige Wiesen, links das Tote Gebirge, rechts die Dachsteingruppe. Vorbei
ging es an der Abzweigung zum Loser (sehenswert!) in Richtung Bad Aussee. Nachdem
wir Bad Aussee (Abzweigung zum sagenumwogenen Toplitzsee) hinter uns gelassen
hatten, bikten wir über Pichl nach Bad Mitterndorf am Fuße des Grimmings
im Steirischen Salzkammergut (Schisprungschanze Kulm).
In der Nähe befindet sich die Thermalquelle "Heilbrunn", eine Kalzium-Magnesium-Sulfat-Hydrogenkarbonat-Therme,
25°C, mit vielfältigen Kuranwendungsmöglichkeiten.
Über die Klachauer Höhe (630 m/16%) ging es dann talwärts zur Bundesstraße
146, bei der Kreuzung wurde rechts abgebogen. Schon von weitem sieht man das Schloss
Trautenfels. Zügig fuhren wir weiter, kamen an der Abzweigung in die Sölktäler
(Sölkpass 1790 m) und an Gröbning vorbei. Ca. 7 km nach Gröbning
kommt die kleine Ortschaft Aich. Ein wenig zu spät machte mich Christine
darauf aufmerksam, dass wir nach links abbiegen hätten müssen, um zum
Steirischen Bodensee, der im Naturschutzgebiet der Schladminger Tauern liegt,
zu gelangen. Also rechts raus, kurze Dorfbesichtigung und wieder zurück zur
Abzweigung.
Nach
einigen 100 Metern erscheint dann das Mauthäuschen. Wir löhnen öS
25.- pro Person und rein ging es ins Seewigtal. Stetig bergwärts schraubt
sich, von tiefgrünen Mischwäldern und saftig grünen Almwiesen umgeben,
die Straße nach oben. Nach ca. 5 km hatten wir das Ende des Talkessels erreicht
und stellten unsere Eisen auf dem Parkplatz ab. Der Ventilator des Kühlers
lief auch noch auf Hochtouren, als wir zum Bodensee aufbrachen. Nach ca. 15 Gehminuten
- links sah man noch bis hoch hinauf die Waldschäden, die ein Sturm vor einigen
Jahren angerichtet hat - erreichten wir den Bodensee (1.157 m). Im klaren Wasser
spiegelten sich die umliegenden Wälder und einige Gipfel der Niederen Tauern.
Am Ende des Sees stürzt sich ein Wasserfall - gespeist aus dem Wasser des
Hüttensees (1.528 m) - in die Tiefe. Den Blick in die Ferne gerichtet, sahen
wie das Gebirgsmassiv der Schladminger Tauern. Knurren im Magen machte sich beim
Anblick der vielen Regenbogenforellen, die sich im klaren Wasser der Behälter
tummelten, bemerkbar, worauf wir beim Forellenhof diesen köstlichen geräucherten
Fisch bestellten.
Nachdem
wir die Schönheiten der Natur samt Fisch und Flüssigem in uns aufgenommen
hatten, traten wir den Rückweg zu unseren Feuerstühlen an. Da es eine
weitere Straße auf der anderen Talseite aus dem Tal heraus gab, musste diese
unbedingt befahren werden. In prächtigen Kurven schlängeln wir uns auf
der anfänglich schmalen Straße talwärts bis zur B 146 in Richtung
Haus. Nun bogen wir in Richtung Weißenbach in der Ramsau ab. Die sehr alte
Landstraße - teilweise mit Rissen durchzogen und notdürftig mit den
hinterhältigen Teerschlangen ausgebessert - führt von Weißenbach
nach Ramsau am Dachstein. Wir nahmen das Gehoppse gerne in Kauf, denn die Landschaft
mit ihren vielen Highlights - rauschende Bäche, der Duft nach frischem Heu
und die noch teilweise bestehenden uralten Bauernhäuser - muss man sich unbedingt
geben. Kurven gibt es jede Menge, sodass man die Pneus planmäßig abnutzen
kann.
Zügig
bikten wir durch das wunderschöne Tal. Neben der Straße sieht man noch
ein altes Lodenwalkhaus und kurz vor Ende des Tales ist auf der linken Straßenseite
eine alte restaurierte Wassermühle zu besichtigen. In diesem Gebiet gab es
früher 64 solche von Wasser angetriebene Mühlen. Bei der Kreuzung wurde
rechts in Richtung Ramsau/Filzmoos abgebogen. Nach kurzem Halt um den Zweizylindern
den notwendigen Lebenssaft einzufüllen, den Hosenboden auszulüften und
gemächlich ein Zigaretterl hineinzuziehen, ging es weiter an die steirisch-salzburgische
Landesgrenze. Linkerhand, wie in den Berg geschmiedet erblicken wir die Schisprungschanze
von Ramsau (Nordische Meisterschaften). Wir verlassen nun den reizvollen
Ort Ramsau Richtung Westen. Majestätisch ragt rechterhand die Dachsteinsüdwand
in den azurblauen Himmel und die noch vorhandenen Schneefelder erstrahlen im hellen
Licht, der Gipfel des Rettenstein (2.245 m) ist sogar noch schneebedeckt.
Bei
Walcher könnte man rechts abbiegen, um auf der kurvenreichen Straße
(15 %) zur Seilbahn auf den Dachsteinkamm zu gelangen. Nun erreichen wir wieder
das Salzburger Land, die toll ausgebaute Straße windet sich in vielen Kurven
talwärts zum Kesselboden um gleichfalls auf der gegenüberliegenden Seite
sich nach oben zu schrauben. Nach den ersten genussvollen Schwüngen war plötzlich
all die Freude dahin. Vor uns fuhr ein alemannischer Touristenbus gemächlich
nach oben und die unübersichtlichen Windungen ließen es nicht zu, dieses
Russpartikel ausstoßende Ungeheuer gefahrlos zu überholen. Oben auf
der Bergkuppe angekommen, hatten wir wieder freie Sicht und zogen vorbei. Nachdem
wir Filzmoos hinter uns gelassen hatten glitten wir zügig in Richtung Eben
im Pongau, um dann weiter auf der Katschbergstraße (B99) in Richtung Niedernfritz
und anschließend über die Salzburger Dolomitenstraße nach Abtenau
zu gelangen. Unser Vorhaben wurde nach einigen Kilometern abrupt durch eine Absperrung
samt Fahrverbotstafel gestoppt. - Gesperrt wegen Bauarbeiten - Schitt! Was tun,
sprach Zeus. Nach kurzem Palaver retour und rauf auf die A 10, um nach 8 km bei
Bischofshofen dieses heiße Pflaster wieder zu verlassen.
Kurz nach Verlassen der Autobahn wurde rechts auf dem Parkplatz eine kleine Rast
eingelegt um auf Bischofshofen runterzuschauen. Von der gegenüberliegenden
Hangseite lachte uns die kahle Ausserleitner-Schanze
entgegen. Unplanmäßig fuhren wir über Werfen nach Hallein, um
von dort über die bekannte Bikerstrecke - dem Wiestal - nach Ebenau und anschließend
auf der B 158 in Richtung Salzburg zu fahren. Durch das Wiestal muss man höllisch
- bedingt durch den Badeausflugsverkehr - aufpassen. (Beinahe hätte es mich
erwischt, als ein vor mir fahrendes Auto plötzlich stehen blieb um nach links
abzubiegen - war ein wenig haarig.) Kurz vor Salzburg bogen wir rechts ab, um
über die Verbindungsstraße nach Eugendorf und weiter nach Seekirchen
zu kommen. Abschließend gab es dann bei Hermann und Eva eine kräftige
Jause.
Roman Sekot
Fotos: Roman Sekot

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