Es war bereits knapp vor der Samstag-Sirene, als wir uns auf den Bock schwangen,
um vielleicht für dieses Jahr das letzte Mal den Gashahn zu drehen und die
endlose Freiheit auf zwei Rädern zu genießen. Der Altweibersommer brach
in sich zusammen und die ersten Blätter fielen von den Bäumen.
Es "herbst'lt" bereits, als wir über die Thalgauer-Landesstraße
in Richtung Mondsee unterwegs waren. Auch wenn sich die Sonne noch so bemühte,
entlang des Mondsees in Richtung Unterrach am Attersee war es etwas kalt. Auf
dem Mondsee surften, an Flugdrachen hängend, einige Unerschrockene, denn
der Wind war ziemlich böig , was sich auch auf die Fahreigenschaften auswirkte.
Zwischen den beiden Seen blies er so heftig, dass man nur mittels starker Gegenlage
die Straße geradeaus fahren konnte.
Tief hängende Nebelschwaden begrüßten uns, je näher wir uns
dem Attersee zubewegten. Der Feuchtigkeitsgrad stieg und die Temperatur fiel,
was uns veranlasste, durch das Weissenbachtal (B153) in Richtung Bad Ischl zu
düsen. Man merkte schon, dass das Ende der Motorradsaison nahte, denn auf
der sonst von Bikern beliebten Strecke waren nur wir unterwegs. Die trockene Straße
ließ es zu, nun den Gashahn durchzudrehen und die Kurvenkombinationen links-rechtsschwingend
durchzuziehen. Im Tal war es windstill und die Sonne ließ hier die Temperaturen
steigen, was unseren teilweise steifen Gliedern gut tat.
Auf
einem kleinen Parkplatz bei Mitterweissenbach wurde eine kurze Rast eingelegt,
um den weiteren Verlauf unserer Tour neu festzulegen. Ein See soll dabei sein
und "auffi auf die Berg solls gehen". Da liegt der Gosausee genau richtig!
Rauf auf den Bock, nach rechts abbiegen und weiter in Richtung Bad Ischl - dann
auf die (B 145) Salzkammergut-Bundesstraße bis Bad Goisern.
Kurz nach Bad Goisern wurde rechts auf die B 166 durch das Gosautal in Richtung
Abtenau abgebogen. Bereits nach einigen Kilometer kamen wir in den schattigen
Teil dieses Tales. Der Gosaubach gab seine Feuchtigkeit preis, was sich auf der
Straße bemerkbar machte. Schön langsam glitten wir durch das feuchte
dunkle Tal, bis es sich endlich bei Klaushof weitete. Nun war auch die Sonne wieder
da und die Strasse trocken.
Bei
Gosau wurde links abgebogen, um auf der Stichstrasse zum Vorderen Gosausee zu
kommen. Endlich konnte man das Fahrgefühl in vollen Zügen genießen.
Oben angekommen konnte man das herrliche Panorama der Dachsteingruppe auf sich
wirken lassen. Der Dachsteingletscher und die herbstliche Natur spiegelte sich
im glasklarem Wasser des Gosausees. Ein kleiner Fußmarsch in der Herbstsonne
entlang des See´s lies unsere kühlen Körper wieder auftauen.
Nach absolvierter Ruhepause schwangen wir uns wieder in den Sattel um in Gosau
links über den Pass Gschütt (17 %, 964 m) in Richtung Rußbach
zu düsen. Herrlich auf dieser breiten Straße dahinzugleiten, den Duft
der Wälder einzusaugen und die herbstliche Landschaft zu genießen.
Kurz vor der Einmündung der Salzburger Dolomitenstrasse wurde rechts auf
eine kleine Seitenstrasse in Richtung Postalm abgebogen (Vorsicht eher verwirrend
beschildert).
Nach
einigen Metern stand ein Bikerehepaar neben dem Weg. Grosse V zum Gruß und
weiter ging`s in Richtung Voglau. Diese teilweise im Schatten gelegene Nebenstrasse
mit seinem Fleckerlteppich und den feuchten Holzbrücken erlaubte meiner Chopper
keine akrobatischen Kurvenlagen. Gemütlich zogen wir dahin, bis wir zur Abzweigung
auf die Postalm kamen. Nun konnte der Tanz, sich stetig nach oben schraubend ,
links-rechtsschwingend beginnen. 3te, 4te, 5te hinaufgeschaltet, vor der Kurve
kurz angebremst, 2 herunter, im Kurvenausgang Gas zum Anschlag durchdrahn und
auffi mit de Geng. Blick in den Seitenspiegel - "He, hinta uns schwingt nu
wer auf einer Enduro mit, mecht der vielleicht fira?" Da keine Anzeichen
von überholen da waren, wurde der Tanz einmal links, dann wieder rechts herum
und das immer wieder praktiziert.
An
der Mautstelle wurde kurz angehalten um den Obolus von ÖS 60.-zu entrichten.
Da es fast keinen Verkehr gab, konnte man so richtig mit Genuss in die Kurven
gehen und der raue Asphalt nahm ganz schön Gummi vom Profil. Oben, in der
Osterhorngruppe gelegenes zweithöchstes Hochplateau Europas (1.150 m), angekommen,
weitete sich, wie in einem Krater gelegen, die schon bräunlich gefärbte
Almlandschaft. Nun war es an der Zeit, uns und der Bergziege die redlich verdiente
Pause zu gönnen. Eine bekannte Bikeralmwirtschaft wurde auserkoren, um den
Staub aus der Kehle zu vertreiben und die Sonnenstrahlen zu genießen.
Alsbald
trafen auch unsere Verfolger - ein Bikerpaar aus der Eferdingergegend - bei der
unter Bikern bekannten "Blonden Hütte" ein und gesellten sich zu
uns. Im Gespräch stellte sich heraus, dass der Stop im Talboden eher als
unfreiwillig zu bezeichnen war. Auf einer feuchten Holzbrücke schmierte das
Vorderrad des "Gatschhupfers" weg und ab ging es in die Botanik. Außer
ein paar Abschürfungen und Prellungen gab es Gott sei Dank keine schwereren
Verletzungen. Nun wurde Benzin geredet und einige Touren ausgetauscht. Eine Gruppe
von alten Puchfahrern (175er SV, 250er SG, 250er SGS) aus Hallein gesellte sich
bald dazu.
Nachdem
genug Energie getankt wurde, setzten wir unsere Fahrt fort. Gemütlich schraubten
wir uns in Serpentinen ins Tal hinab. Bei Weißenbach wurde links auf die
Wolfgangsee-Bundesstraße (B 158) in Richtung St. Gilgen und weiter bis Fuschl
am See gefahren. In Fuschl wurde rechts in Richtung Thalgau abgebogen. Diese wunderbare,
wenig befahrenen Strecke steigt anfangs stetig an bis man die Hochebene erreicht.
Sie führte uns durch dunkelgrüne Nadelwälder, herbstlich gefärbte
Laubwälder und schon abgeerntete Felder. Nach ca. 6 km schlängelt sich
die gut ausgebaute Straße kurvenreich hinunter nach Thalgau, wo wir nach
links in Richtung Eugendorf abbogen.
Da es noch nicht an der Zeit war die kürzeste Verbindung nach Seekirchen
zu nehmen wurde nach Uttendorf links auf die Überführung abgebogen,
um dann über den Eggerberg in Richtung Henndorf am Wallersee zu gelangen.
In Henndorf - bekannt durch den Schriftsteller Carl Zuckmayer - angelangt, wurde
rechts auf die B1 in Richtung Stadtzentrum Neumarkt gebikt. Nachdem wir die Stadtplatz
durchfahren haben, bogen wir links ab um nach Mattsee und weiter über Obertrum
nach Seekirchen - unserem Ausgangspunkt - zu gelangen. Nun, das war für das
Jahr 2001 die letzte Tour, die wir noch so richtig genossen hatten.
Roman Sekot
Fotos: Roman Sekot
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