Aus
Wien hinauszukommen ist besonders im Sommer 2002 ein Graus, denn der Stau, verursacht
durch die 7,5 km lange Baustelle auf der Südautobahn, reicht an schönen
Tagen oft bis auf die Tangente zurück. Wacker kämpfen wir uns durch
die etwas weniger verstopfte Bundesstraße, um hinter Traiskirchen auf die
Autobahn aufzufahren, denn unsere Tour beginnt diesmal in Zöbern.
Noch in der Autobahnabfahrt Zöbern sollte man den Geschwindigkeitsrausch
blitzartig ablegen, denn die Strecke beginnt gleich mit ein paar überraschend
schönen U-Kurverln.
In Zöbern lechtzen wir nach Erfrischung und fallen genau ins richtige Lokal,
in den Gasthof Gansterer, wo uns der fröhliche Wirt mit einem "Herzschrittmacher"
(= starker Kaffee) labt.
Hunger
haben wir wegen der großen Hitze kaum, also begnügen wir uns mit Toast
und Eis, doch was auf den Tellern an uns vorbeigetragen wird, sieht gut und reichlich
aus. Obwohl es in der Gaststube sehr voll ist, findet der Wirt doch Zeit, um sich
ein bißchen zu uns zu setzen und Informationen auszutauschen.
Nach der Pause befinden wir uns auf einem frisch asphaltierten Waldstraßerl,
welches den Zöbernbach entlangführt. Wir halten uns immer nach den Schildern,
die nach Kirchberg (i.d. Buckl. Welt) zeigen.
In
Kirchberg biegen wir nach dem Bach links nach Stang ab, denn die Karte verspricht
Kurven. Zuerst ist jedoch das I dran, eine lange, fast völlig gerade Gerade,
hügelauf, hügelab. Stang hält mehr, als die Karte verspricht. Gleich
nach der Ortseinfahrt eine scharfe, enge Rechtskurve, die das malerische Dörfchen,
in dem es nach Pferdemist und frischem Heu duftet, eröffnet.
Nach Stang kommen wir durch einen herrlichen, schattigen Märchenwald, den
zu durchfahren an diesem heißen Tag ein Genuß ist. An der nächsten
Kreuzung biegen wir nicht nach Hollenthon ab, sondern fahren geradeaus weiter.
Kurven wechseln sich nun mit naturbelassenen Dörfern ab. Es wundert uns,
daß uns nur selten andere Biker begegnen.
Nach
Hochwolkersdorf schwenken wir Richtung Forchtenstein ab. Bisher hatten wir herrlichen
Fahrbahnbelag und so soll es auch bis Mattersburg bleiben. Sanft windet sich die
Straße durch den Wald zur Rosalienkapelle hoch, wo wir eine kurze Rast am
Parkplatz zur Linken einlegen. Hier begegnen uns bereits mehrere Einspurige -
auch Fahrradfahrer, die gedankenverloren die Landschaft genießen. Da sich
hinter uns eine große, dunkle Gewitterwolke zusammenbraut, beschließen
wir, die Tour abzubrechen und uns auf den Heimweg zu machen.
Bald
darauf sind wir in Forchtenstein,
wo hoch über dem Ort die gleichnamige Burg
thront. Hier streckt wieder der Tourismus seine Klauen nach uns aus, die Serpentinen
führen an Häuserzeilen entlang und unten im Ort ist der Gendarmerist
am Straßenrand nicht aus Pappe.
In Mattersburg schwenken wir auf die Autobahn, in der Gewißheit, daß
unser kurzer Ausflug in die Bucklige Welt sicher nicht der letzte gewesen ist.
WAR ER AUCH NICHT!
Eine Woche später sind wir wieder in Forchtenstein, wo wir beschließen
zu frühstücken.
2002: "Esterhazy-Jause ... Kaffe und Kuchen" steht auf der Tafel um
3,75 €. Der Kaffe ist gut, die Obsttorte, etwas kleiner als ein Knoppers,
auch. Nur: Kleiner dürfte sie wirklich nicht mehr sein!
2005: NEUÜBERNAHME DES CAFEHAUSES in der Burg:
Die Speisekarte wurde erweitert, die Preise sind Ok, das Service freundlich, sehr
bemüht und besonders die Kuchen-Portionen sind aufs Dreifache angewachsen.
Ein
wenig gestärkt (vom Zucker im Kaffee) lassen wir uns die Kurverln runter,
biegen an der Kreuzung rechts ab und fahren ein bißchen der Nase nach. Schleinz,
dann links nach Walpersbach, weiter nach Erlach. Dort biegen wir wieder links
ab, um in die Hügelwelt einzudringen. Die Strecke geht in unberührter
Landschaft wunderschön dahin, abwechslungsreich durch Wälder und an
Feldern vorbei. Kurz vor Bromberg überraschend ganz enge Kehren, auf die
man in der Buckligen Welt immer gefaßt sein muß. Ebenso wie auf Straßenverschmutzungen
oder Schotter. Kurz vor Bromberg beginnt eine 30er-Zone und das Warnschild "Schotter"
verheißt nichts Gutes. Tatsächlich ist der Fahrspaß bis zur Abzweigung
nach Schlattental durch kleinste schwarze Steinchen auf der Fahrbahn getrübt.
(Stand August 2002)
Nach
Bromberg machen wir Zigarettenpause. In unserer Nähe machen zwei Ein-PSige
Rast, die eben noch die Straße entlang getrabt kamen. Man muß hier
wirklich auf alles gefaßt sein.
In Hollenthon biegen wir Richtung Geretschlag ab. Die Kreuzung kennen wir schon.
Rechts liegt der Märchenwald und den geben wir uns noch einmal in die andere
Richtung. An der Kreuzung nach Lembach überlegen wir angesichts der dunklen
Wolken, die sich zusammenbrauen, wie wir nach Hause fahren. Also ab nach Kirchschlag
- hinter dem die Sonne wieder durch die Wolken bricht!
An
der Straßengabelung hinter Unterhaus folgen wir der breiteren Straße
nach Krumbach und weiter nach Edlitz. Bestialischer Hunger macht sich bemerkbar.
Wir schwenken auf den Parkplatz des Gasthof Pichler in Petersbaumgarten ein. Es
ist ein "richtiges" ländliches Wirtshaus. Die Scholle mit gem.
Salat ist gut und reichlich und Rudis schmackhaftes Schwammerlgulasch einmal etwas
ganz anderes. Durchaus zu empfehlen, wenn man es einfach mag. (Mittwoch geschlossen.)
Als
wir uns wieder auf die Räder schwingen wollen, entdecken wir mitten auf der
großen Wiese neben dem Haus einen Storch, der uns gelassen beobachtet.
Über die B54 machen wir uns an Seebenstein vorbei nun endgültig auf
den Heimweg. Diese wunderschöne Tour in der Buckligen Welt wird sicher noch
eine Fortsetzung finden.
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