Ein
herrlicher Juni-Tag lockt. Wir nehmen uns vor, in Ungarn zu Mittag zu essen und
dann eine kleine Runde in der burgenländische Ebene zu drehen. Von Wien begeben
wir uns auf direktem Wege nach Eisenstadt und von dort über den Grenzübergang
Klingenbach über Sopron
nach Fertöboz, wo wir unser nettes Lokal, das "Czardas",
anstreben (siehe Nö-Bgld. 4. Tour).
Wie immer schmeckt das Mittagessen vorzüglich und der Kellner begnügt
sich mit so wenig Geld, daß uns noch genug im Börserl bleibt, um tanken
zu können.
Danach
fahren wir die Straße retour bis zur Abzweigung links nach Kophaza. Gleich
danach versperrt uns der Grenzübergang Deutschkreutz den Weg. Der Zöllner
ist nett - den Selbstmörder auf Tjakys Motorrad brauchen wir nicht zu verzollen.
Nach Deutschkreuz ist
die Straße ein Fleckerlteppich, was sich aber bald zum Besseren wendet.
In Horitschon
schwenken wir links nach Oberpullendorf
ab, später schlagen wir die Straße nach Oberwart ein. Unsere Stimmung
hebt sich. Die Landschaft um uns hügelt sich sanft, die langgezogenen, meist
gleichmäßigen Kurven eignen sich auch wegen dem schwachen Verkehrsaufkommen
gut zum Aufreißen. Immer wieder schweben über unseren Helmen die Geier
... äh ... die Störche, manchmal weiter entfernt, manchmal begleiten
sie uns ein Stück ein paar Meter über unseren Köpfen fliegend.
Auf
einem Parkplatz rechter Hand der Straße durch's Günser Gebirge bremsen
wir uns ein.
Zuerst genießen wir den Blick auf das südburgenländische und oststeirische
Hügelland sowie auf die Burg
Bernstein, die zu einem Schloßhotel mit Restaurantbetrieb ausgebaut
wurde. Sie ist die älteste Wehranlage des Burgenlandes. Man kann sie auch
besichtigen.
Wo
Biker halten, kommen Biker dazu. Bald haben sich ein paar Grüppchen eingefunden.
Einer erzählt uns vom Geschriebenstein, dem höchsten Berg im Burgenland,
und rät uns, dessen kurvenreiche Strecke über mehrere Kilometer in den
Rückweg einzubauen.
Weiter geht's teilweise durch kühle, würzig riechende Wälder, teilweise
an Feldern vorbei, nach Oberwart,
wo wir uns schon mitten in den Ausläufern der Voralpen befinden. So flach,
wie es einem die Karte vorgaukeln will, ist es dort gar nicht! Wir sind begeistert
vom schönen Asphalt, den breiten Straßen, den weit gezogenen Kurven
und den übersichtlichen, langen Geraden dazwischen, wo man wieder einmal
ausprobieren kann, ob sich der Gasgriff noch ruckfrei drehen läßt.
Vor Großpetersdorf
fehlt auf einem langen Stück die Straße und wurde durch groben Schotter
ersetzt (Stand 24. 6. 2001). Sie verdeutlicht uns die Arbeitsweise der burgenländischen
Straßenbauarbeiter. Wir reiten vorsichtig drüber hinweg und sind froh,
daß das noch längere Stück vor Rechnitz nur mit einer 50er-Beschränkung
belegt und der neue Asphalt schon fertig ist.
Rechnitz
durchfahren wir geradeaus (die kleinen Kurven nehmen wir natürlich mit).
Nach dem Ortsschild beginnen die Kurven des Geschriebensteins,
der mit seinen 884 m mächtig aus der Landschaft ragt. Oben halten wir am
Parkplatz und sehen uns ein bißchen um.
Unübersehbar
präsentiert sich das "Landesehrenmal des Österreichischen Kameradschaftsbundes,
Landesverband Burgenland". Es ist interessant, die Tafeln zu lesen. Auf dieser
Gedenkstätte haben sich die verschiedensten burgenländischen Vereine,
Organisationen und staatlichen Berufsgruppen zum gemeinsamen Gedenken an ihre
Toten vereint. Der Platz strahlt jedoch nicht die wie sonst an solchen Orten übliche
triste Kerzerl-Kranz-Stimmung aus, sondern könnte genauso eine Ausstellung
sein, die in einheitlicher Gestaltung Gedenksprüche zeigt.

Wir
könnten auch noch zur Aussichtswarte hinaufsteigen, einem Grenzturm, durch
dessen Mitte die Staatsgrenze zwischen Österreich und Ungarn verläuft.
Wir verzichten jedoch angesichts des fortgeschrittenen Nachmittags darauf und
nehmen die angenehm schattige Abfahrt in Angriff. Wie immer ist die kurvenreiche
Strecke viel zu kurz!
In Lockenhaus
beginnt der Heimweg. Bei der Zigarettenpause in Oberpullendorf beschließen
wir, noch irgendwo auf der Strecke einen Kaffee zu trinken. In Neutal verschlägt
es uns auf die Schnellstraße. Aus dem Kaffee wird nichts, denn auf der ganzen
Strecke kommt kein Rasthaus, nicht einmal eine Tankstelle in Sicht. Genervt verlassen
wir bei Ebreichsdorf die Autobahn, laben uns an einer Tankstelle, um dann über
Grammatneusiedl und Schwadorf den Sonntagsstau vor Wien zu umgehen.
Als "kleine Runde" geplant, nahm die Tour doch größere Ausmaße
an. Die Möglichkeit zur zügigen Fahrweise verlockte zu "mehr".
Die meisten Ortskerne bekommt man nur zu Gesicht, wenn man von der Umfahrungsstraße
abschwenkt. Dafür wird man aber nicht durch Tempobeschränkungen gelähmt.
Außer auf der erwähnten Schnellstraße/Autobahn nach Wien ist
die gesamte Strecke gut mit Tankstellen bestückt.
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