Viele von Euch waren sicher schon dort: im "Excalibur", dem Zollfrei-Einkaufsmarkt
kurz nach dem Grenzübergang Haugsdorf. Manche haben schon davon gehört
oder den bunten Prospekt im Werbematerial an der Wohnungstüre gefunden. So
auch wir. Und um der Sache auf den Grund zu gehen, fuhren wir hin.
Die Strecke ist nicht anspruchsvoll und zügig zu fahren. Der Fahrbahnbelag
ist durchgehend völlig in Ordnung. Über die A22 bis Stockerau, die B303
nach Norden bis Richtung Haugsdorf.
Auf der ziemlich geradlinig geführten Straße geht es hügelauf
und hügelab. Hinter Haugsdorf überrascht eine U-förmige Kurve, auf die
Warnschilder intensiv hinweisen. Sie ist nicht zu unterschätzen!
Nach
dem Grenzübergang: Stau! Die Excalibur-City liegt links der Straße.
Uns wurde geraten, die doppelte Sperrlinie nicht zu überfahren, da es dort
Personen gibt, die dann einen Obulus abkassieren. Besser bis zur Spedition weiterfahren
und dann umkehren.
Die Entscheidung sperrlinienwidrig abzubiegen, bleibt jedem selbst überlassen.
Nach viel Nervenkitzel im Stau (LKWs fahren auf der Gegenfahrbahn einfach an der
Kolonne vorbei) gelangen wir endlich zum Excalibur-Parkplatz, wo sich auch die
Tankstelle befindet. Über 98-oktaniges Super verfügt diese allerdings
nicht!
Interessant
die Ausstellung exquisiter 4-Rad-Fahrzeuge. Vom Formel-1-Rennwagen bis zum Oldtimer
ziehen sich die Raritäten quer durch Modelle und Jahrzehnte.
Unsere Begeisterung beim Rundgang durch das Mini-Einkaufszentrum mit Trachten,
Papershop, Jeans- und Geschenk-Boutique, Frisör- und Massage-Salon, Optiker
und Juwelier hält sich in Grenzen. Das Dirndl und die Krachlederne sind nicht
unser Fall und der Porzellanleopard hätte nur deformiert in das Top-Case
gepaßt. Mit Brillen sind wir bestens versorgt und auf Massage oder Frisör
sind wir nicht eingestellt.
In
dieser eigenen kleinen Welt ist auch die Architektur eine eigenwillige. Abgesehen
vom airbrush-gestylten Flugzeug, welches einfach so dasteht, durften sich die
Architekten auslassen wie sonst nur im Wiener Wurstelprater. Die Fassaden der
Gebäude sind streng auf den Inhalt abgestimmt. Modern, rusikal, kitschig.
In die letzte Kategorie paßt wohl das Burgrestaurant, welches eher wie ein
Kirmes-Fahrgeschäft aussieht. Das Essen ist jedoch vorzüglich, die Bedienung
trotz großem Streß immer noch freundlich und die Preise genial!
In diesem Gebäude findet man auch preisgünstige alkoholische Getränke
und Zigaretten. Zollfrei versteht sich - aber viel mitnehmen darf (und kann) man
(am Motorrad) ja doch nicht. Bezahlen darf man überall in öS.
Auf der Rückseite der Excalibur-City befindet sich der Eingang zum Supermarkt
und zum Kleidergeschäft. Das Warenangebot offeriert nichts Außergewöhnliches.
Die Mode hat man bei uns bereits vorigen Sommer im Abverkauf der Kundschaft aufgedrängt.
Die Lebensmittel bekommt man hierzulande zum selben Preis in billig-Supermärkten.
Sehr preisgünstig sind allerdings antialkoholische Getränke, doch der
6er Tray 2-Liter-Cola paßte einfach nicht mehr zu den Scherben des Leoparden
ins Top-Case hinein. Mit 10 Paar Socken als glorreiche Ausbeute treten wir den
Rückweg an.
Kurz vor Haugsdorf biegen wir rechts in die Straße nach Retz
ein. Dort fällt sofort der Haberfelderturm auf, benannt nach dem Stadtrichter
Wenzl Haberfelder 1453-60. Dieser kreisrunde Turm war der stärkste der 4
Ecktürme und ist bis heute in voller Größe erhalten geblieben.
Auch eine Windmühle aus dem 19. Jhdt. thront über der Stadt. Wer sich
nicht nur für Geschichte interessiert, sondern auch für Wein ist in
Retz am richtigen Platz. Neben den Hauptsorten "Grüner Veltliner", "Welschriesling",
"Weißburgunder", "Rheinriesling" und den Rotweinen "Blauer Portugieser",
"Zweigelt" und "Blauburgunder" findet man, wenn man Glück hat, auch Weinraritäten
wie "Neuburger", "Gelber Muskateller", "Traminer", "St. Laurent" und "Cabernet".
Im
Retzer Erlebniskeller, einem unterirdischen Labyrinth (21 km lang und bis zu 30
m tief) kann man bei Führungen (März - Dezember täglich, Jänner
und Februar gegen Voranmeldung) einiges über Wein erfahren und erkosten.
Das Retzer Land gilt als die niederschlagsärmste und sonnenreichste Region
Österreichs, was den Weinbau begünstigt. Wohl mit ein Grund, warum der
malerische Stadtkern und die idyllische Weinlandschaft die Kulisse der Fernsehserie
"Julia - eine ungewöhnliche Frau" mit Christiane Hörbiger bildet.
Genug von Excalibur, Wein und Geschichte. Irgendwie verschlägt es uns von
Retz über eine nette Bundesstraße wieder auf die B303, die wir, weil
sie so angenehm zu fahren ist, auch für die Rückfahrt nach Wien benutzen.
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