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Die
Bezirkshauptmannschaft Wolfsberg hat aufgrund einer Empfehlung des Kuratoriums
für Verkehrssicherheit eine Verordnung erlassen, dass von Lavamünd
bis 2,5 km nach dem Rastplatz Koglereck eine 70
km/h-Beschränkung für Motorräder in Kraft treten soll.
Begründet wird diese Verordnung mit der hohen Unfallrate auf dieser Strecke.
Da in den letzten zwei Jahren praktisch überall
Unfälle passiert sind, gilt die gesamte Straße nach StVO
als eine EINZIGE UNFALLSTELLE!!!
Durch zähe Verhandlungen mit den zuständigen Behörden konnte vorerst
erreicht werden, dass diese Verordnung (gültig ab Mitte Sept. 2000) bis voraussichtlich
Juni 2001 ausgesetzt wurde.
Daher unsere Bitte an alle Biker: HELFT ALLE
MIT, die Unfallzahlen zu senken und wirkt positiv auf alle Biker/innen ein, welche
diese schöne Bikerstrecke als private Rennstrecke missbrauchen!
DANKE!
Hier der MAG-Kärnten-Beitrag von unserem MAGazin, welches an alle Mitglieder
in österreich (dzt. ca. 2.000) versendet wurde. Es kommen in diesem Bericht
absichtlich keine Namen der Verantwortlichen der zuständigen Stellen vor,
damit wir noch einige Optionen für Verhandlungen offen lassen können.
Ansonsten koordiniere ich weitere Maßnahmen oder Aktionen mit Christina
von den MF-St.Paul.
Entstehung einer haarsträubenden und unverständlichen
Sache (Unsache?): B69
Ein Drama in 5 Teilen
SOBOTH-70km/h,
und das nur Zweiradfahrer!!!
Teil
1 (Voller Ambitionen)
Der MF St.Paul im Lavanttal organisierte am 24. März 2000 unter Mitwirkung
von MAG Kärnten eine Info-Veranstaltung zum Thema:"Sicherheitsmaßnahmen
für Motorradfahrer auf der Sobother Bundesstraße". An dieser Veranstaltung
nahmen neben Vertretern von Bezirk, Land, Straßenmeisterei, Exekutive auch
zahlreiche Biker aus der näheren und weiteren Entfernung, sowie betroffene
Anrainer teil. Es war eine durchaus angeregte Diskussion und jeder hatte die Möglichkeit
zu Wort zu kommen.
Die einzelnen Beiträge reichten von
- Land: hohe Unfallzahlen;
- Exekutive: undiszipliniertes und rücksichtsloses
Fahrverhalten Einzelner (auf diese Aussage konnten wir es zumindest reduzieren);
- Straßenmeisterei: Notwendige Ausbesserungsarbeiten
und die Säuberung, nur! wegen der Biker (ausschließlich Straßenmotorräder);
- Anrainer: Kann mit seinem Traktor die
Straße nur sehr abenteuerlich überqueren, trauen sich am Wochenende
nicht auf die Straße wegen der "Wilden".... usw.
Von unserer Seite her wurde entgegnet,
daß sehr wohl einige ganz, ganz wenige von uns, wie oben beschrieben sich
wirklich (habe auch selbst erlebt) so verhalten. Daß jedoch der erheblicher
Großteil von uns sich rücksichtsvoll und überlegt über die
Straßen bewegen - dies wurde auch Goutiert.
Auch, daß sich die Zahl der Zweiradbenuntzer in den letzten Jahren allgemein
stark erhöht hat, und damit auch vermehrt Biker auf der Soboth anzutreffen
sind.
Teil 2 (Die Verwirklichung)
Die Members des MF St.Paul starteten heuer im April eine Bausteinaktion: "Sichere
Soboth".
Am "Koglereck" auf der Soboth wurde eine Tafel angebracht, die den gesamten
Verlauf der Kärntner Seite darstellte mit Bildern von den einzelnen Kurven
und einer Liste.
Auf dieser Liste hatte jeder die Möglichkeit, die seiner Meinung nach gefährlichsten
Kurven mittels Strich zu kennzeichnen. Parallel dazu konnten von "Vroni vom
Koglereck" Bausteine erworben werden. Auf diese Weise kam immerhin ein stattlicher
Betrag von 50.000.-- ATS zusammen.
Nach mehrmaligem Vorsprechen von Christina (MF St.Paul) bei der zuständigen
Stelle im Land Kärnten (Straßenbaureferat) war es geplant, diesen Betrag
für Sicherheitsmaßnahmen zur Verfügung zu stellen und im Rahmen
eines Bikerfestes am 2. September zu überreichen - dieser Termin wurde jedoch
wegen Schlechtwetters auf 16. September verschoben.
Ziel der Aktion war auch, zu zeigen, daß trotz der hohen steuerlichen Belastungen
(NOVA, KFZ-Steuer, etc.) wir Biker bereit sind, uns für unsere Sicherheit
persönlich und finanziell einzusetzen! Danke allen Spendern von überall
(nicht nur Kärntner).
Teil 3 (Der Schock)
In unseren Urlaubsorten(!), Christina & Hans weilten im Süden Europas
und ich im Waldviertel (Millennium Ride MAG-Fest) hörten wir das erste mal
von diesem Vorhaben.
Im ersten Moment meine Vermutung: "ein schlechter Scherz". Doch wieder
zurück ... es ist tatsächlich wahr!
Der Ablauf in Zeitrafferform: Land Kärnten beauftragt den KFV (Kuratorium
für Verkehrssicherheit) Vorschläge für Sicherheitsmaßnahmen
im Zweiradbereich vorzuschlagen; diese holen sich die neuesten ÖSTAT-Daten
von den letzten fünf Jahren und kommen auf die Idee die ganze Soboth auf
Kärntner Seite (ca. 12,5 km) als einzige Unfallstelle NUR von Bikern verursacht
zu bezeichnen! Auf dies folgt, daß der zuständige Bezirkshauptmann
mit Sitz in Wolfsberg, wie er sagt: "nach reiflicher Überlegung und
regen Diskussionen im Amt mit Beteiligten"? (Mein Komment: Ohne Betroffene!)
eine Verordnung herauszugeben: 70 km/h für Zweiräder.
Auftrag erfolgt an Straßenmeisterei die erforderlichen Tafeln "70"
und dem Zusatz: "Gilt für Motorräder" zu bestellen; Verordnung
tritt ab September (genauer weiß ich es nicht) in Kraft.
Teil 4 (Die Hoffnung)
Im Vorfeld zum 16. September fuhr ich mehrere Male die besagte Strecke von km
0 bis km 12,5 und machte mir dabei Notizen für Alternativvorschläge
(insgesamt fuhr ich in diesen Tagen an die 500 km - die Soboth ist von mir ca.
100km entfernt).
Am Veranstaltungstag fand gegen Mittag noch eine Ausfahrt für Historische
Bikes (Oldtimer-Rallye) statt.
Um 15 Uhr sollte die Veranstaltung beginnen; der Bezirkshauptmann war bereits
anwesend, ebenso die Schülergruppe, welche die Aktion Sichere Soboth für
ihre Matura-Projektarbeit mittragen und auch Mitveranstalter sind. Der Herr Landesrat
und die Exekutive haben angekündigt, daß sie sich verspäten werden.
Auf Vorschlag von Herrn Oberst Reiter haben wir uns im Freien gemütlich gemacht,
damit alle anwesenden Biker ebenfalls mitdiskutieren können. Die Diskussion
selbst verlief wohl kontroversiell, jedoch sehr sachlich geführt von Christina,
Uschi und Chicken (MF St.Paul) sorgten für die Weitergabe des Funk-mikros,
und jeder einzelne konnte von allen gehört werden.
Es wurde auch mein Argument erörtert, daß wir Biker durch diese Verordnung
eher gefährdet, als geschützt werden - durch Abdrängen von überholenden
Autos zum Rand, wo die Fahrbahn erfahrungsgemäß (z.B.: angeschwemmter
Splitt, nach einem Regen) nicht die idealste Spur ist - dem wurde auch recht gegeben.
Auch unsere Alternativvorschläge (Teilberiche mit "50"-Ortsdurchfahrt,
und Hofausfahrt) wurden ebenso in Erwägung gezogen wie bewußtseinsbildende
Maßnahmen "Achtung gefährlich Kurve" oder "Langsam"
(Beispiel Sölk-Pass).
Der spätere eingetroffene Herr Landesrat stand uns in unserem Bemühen
um bewußtseinsbildende Maßnahmen ebenfalls wohlwollend gegenüber
und sagte zu, mit dem Bezirkshauptmann zu reden. Und so verblieben wir: wir versuchen
es mit bewußtseinsbildende Maßnahmen und würden danach uns im
Amt nochmals zusammensetzen und darüber reden.
Der Bericht der Exekutive, wonach ihren Erfahrungen nach einige schwarze Schafe
von uns regelrechte Rennen veranstalten und per Handy das OK bekommen, daß
die Strecke nun "Bullen-frei" sei traf mich sehr hart; und die besten
Zeiten werden via Internet veröffentlicht. Angeblich 8 Minuten vom Hüttenwirt
bis Koglereck, das sind immerhin 10,5 km - und sehr kurvenreich, teils mit engen
Kehren!
Meine Meinung: Die Straße ist keine Rennstrecke, die sollen am Ring ihr
Können - oder nicht Können austoben!
Teil 5 (Die schnelle Aktion - und das AUS)
Voller Hoffnung erarbeiteten wir vorerst ein Flugblatt aus, welches an der Strecke
verteilt wurde.
Das Flugblatt (Text: Klaus Schwarz, Christina Leitner, Layout: Herbert Guggi)
seht ihr auf der Startseite dieser Page.
Am 29. September um 9 Uhr früh hatte Christine den Termin mit dem Bezirkshauptmann
verabredet.
Das Gespräch fand in einer gemütlichen morgendlichen Atmosphäre
statt - und wieder wurde in den Raum gestellt, daß ein Entgegenkommen möglich
wäre. Wir gingen sogar soweit, daß wir vorschlugen: "70"
Ja, aber für ALLE!
Aber wieder kamen Einwände, daß wenn eine Verordnung einmal Unterschrieben
wurde und anderen Stellen bereits Aufträge für deren Durchführung
erteilt wurden, es sehr schwer möglich ist diese abzuschwächen-oder
gar zurückzuziehen; denn:
EIN BEAMTER DARF SICH
KEINESFALLS IRREN!
(Für mich, in der Privatwirtschaft
Tätigen Steuerzahler absolut nicht verständlich); er werde nochmals
mit dem zuständigen Sachbearbeiter sprechen und uns in dieser Causa Bescheid
geben.
Anschließend fuhr ich noch zum zuständigen Gendarmerieposten um mich
mit deren Standpunkt zu beschäftigen.
Man berichtete mir, daß bis zu diesem Tag bereits 15 Unfälle mit Zweirädern
auf Kärntner Seite, teils mit schweren Verletzungen zu verzeichnen waren.
Die Argumentation lautete sofort: NUR Zweiräder und auf der ganzen Strecke
zwischen km 0,4 und km 10,2.
Es ist auch klar, daß eine Beschränkung von 70 km/h leichter zu überwachen
und eine Übertretungen einfacher (Abzocke) zu exekutieren sind, als das 100
km/h-Limit, zumal die höchste heuer gemessene Geschwindigkeit von 156! km/h
weit darüberliegt; auch die Mitteilung, daß einige meist schon "Bekannte"
bereits das zu erwartende Strafgeld vorbereitet haben erstaunte mich.
So gesehen, kann ich den Standpunkt der Exekutive verstehen. Aber das eklatante
Fehlverhalten dieser einzelnen schwarzen Schafe sollten nicht als Standard für
alle herangezogen werden - darin waren wir uns einig.
Christina bekam nach einer Woche bescheid vom Bezirkshauptmann - die Katze war
aus dem Sack:
Keine Abschwächung, keine Alternativen Maßnahmen möglich. Das
einzige Zugeständnis, das er auch als Erfolg unserer Intervention hinstellte
war: Befristet für einen Beobachtungszeitraum von einem Jahr!
Jeder von uns weiß wie zweischneidig diese Aussage ist. So eine Sache erst
mal auf dem Weg, ist diese kaum mehr zu bremsen.
Epilog (Die schwachsinnige Vollstreckung in
drei Akten)
Die Tafeln stehen, aber wie!
Von Lavamünd kommend (bergauf) zwischen km 0,2 und km 0,6 (ca.), wo auf die
bereits vorhandene 70er Tafel der Zusatz angebracht wurde; - dies bedeutet: Vorher
"70" für alle, und jetzt 70 für Motorräder und 100 für
Autos!
- Der erste Schwachsinn.
Zwischen km 6,4 und km 6,8 - der Bereich von GH Harrach (unser Alternativvorschlag
hier lautete allgemein 50) wurde eine 70er Tafel ohne Zusatz angebracht, dies
bedeutet 70 für alle und das gilt ab hier bis ca. km 12,5-der Landesgrenze.
- Der zweite Schwachsinn.
Vom Koglereck kommend (bergab) sind nur Tafeln mit Zusatz aufgestellt worden -
wieder 70 für uns und 100 für PKW's!, Das heißt, daß PKW's
im Bereich vom Gasthof Harrach weiterhin 100 km/h fahren dürfen.
- Der dritte Schwachsinn.
Aus Platzgründen folgt ein ausführlicher Kommentar zu diesem Thema in
der nächsten Ausgabe vom MAGazin, zumal Chistina noch voll an der Angelegenheit
dran ist und nicht locker lässt.
Klaus Schwarz, MAG Kärnten
Nachlese Stand Sommer 2003
"Es gab grosse Podiumsdiskussionen
auf der Soboth (Videos vorhanden), auch mit dem späteren Verkehrsminister
Reichold, damals noch Verkehrslandesrat oder so ähnlich. Trotzdem glang es
nicht, das einseitige Speedlimit zu verhindern." (Edwin, MAG)
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