Als
sich im Herbst 2002 erstmals Personen aus den verschiedensten Teilbereichen des
Themas Motorrad zusammenfanden, begegneten viele einander abwartend distanziert.
War es doch bislang undenkbar, dass sich Importeure für die Probleme der Hells
Angels interessierten oder die "Bikerwelt" mit der ÖBU zusammenarbeitete. Das
änderte sich schnell nach den ersten Treffen, als sich herauskristallisierte,
dass grundsätzlich alle Fraktionen an einer schnellen Verbesserung der Situation
für Motorradfahrer in Österreich interessiert waren.
Da erfuhren zB. MAG und Importeure, dass beide - unabhängig voneinander - seit
geraumer Zeit mit denselben Anliegen Gesetzesänderungen zu erwirken versuchen.
Es wurden flexible Arbeitskreise gebildet, die einander bei ihren Tätigkeiten
unterstützen, indem sie Informationen und Erfahrungen austauschen, ja sogar Vorsprachen
bei Ämtern und Behörden inzwischen fallweise gemeinsam erledigen.
Die
Diskussionen in der Plattform Motorrad drehen sich längst nicht mehr nur um die
acht Anliegen, die sie sich als ihr erstes Projekt vorgenommen hatte. Bald stellte
sich heraus, dass es in Österreich noch viel mehr gibt, was nach Verbesserung
schreit - wie zB. die neuen, angeblich motorradfreundlicheren Leitplanken, die
nun zum Einsatz kommen sollen. Es handelt sich um doppelte Leitschienen mit einer
kleineren unteren Schiene, welche allerdings nicht weniger gefährlich sind als
die alten. Hier herrscht Handlungsbedarf!
Ein weiteres vorrangiges Bestreben der Plattform ist es nach ihrer ersten Präsentation
am "Aktionstag Motorrad" (10. Mai 2003), ihren Bekanntheitsgrad bei den Motorradfahrern
zu steigern, wobei dies nicht durch Tafeln oder aufwändig graphisch gestaltetes
Werbematerial im Hochglanzlook sein soll, sondern ressourcenschonend in einfacher
Art, möglichst im persönlichen Kontakt. Dazu wurde auf der Website www.plattformmotorrad.at
ein Formular eingerichtet, über welches man direkt mit den Arbeitskreisen in Verbindung
treten kann. Auch bei der Bike 2004 wird die Plattform vertreten sein.
Betrachtet man auf der Website der Plattform die Tortengraphik, findet man einige
Segmente noch nicht mit kompetenten Köpfen bestückt. Auch in diesem Punkt werden
nun intensiv Kontakte geknüpft und Bemühungen gesetzt, fachkundige VertreterInnen
in die Plattform einzugliedern, um so verstärkt die Anliegen der Motorradfahrer
in Österreich zu vertreten.
Ein neues Betätigungsfeld tat sich auf, als Medien bei Recherchen über das Thema
Motorrad an die Plattform herantraten. Es wurde eine verstärkte Pressearbeit ins
Programm der neuen Lobby aufgenommen, mit dem Angebot, fachkundig recherchiertes
Material zur Verfügung zu stellen und dem Versuch, die alten Klischeevorstellungen
aus den Köpfen der berichtenden Zunft zu verbannen und durch fundierte Informationen
zu ersetzen.
Dass eine
starke Lobby Unglaubliches erreichen kann, zeigte sich kürzlich in der Schweiz.
"Vision
Zero" - das Bestreben, die Unfallzahlen in diesem Land mit unakzeptablen Verordnungen
und Gesetzen auf Null zu senken - wurde durch die Initiative von Motorradfahrern,
welche mit einer Demo von 35.000 Motorradfahrern abgeschlossen wurde, vom Schweizer
Parlament "zurück an den Start" geschickt. Dieses Beispiel bestärkt die Mitglieder
der Plattform Motorrad in ihrer Arbeit und motiviert sie, ihre Aktivitäten fortzusetzen.
(Stand September 2003)
Foto
Demo Bern, 17. Mai 2003: Bruno Heuberger.