| Trotz des
insgesamt erfreulichen Unfallrückgangs sieht das KfV akuten
Handlungsbedarf in den lange bekannten Problembereichen
„Erfreulich ist, dass die Gesamtzahl der Unfälle mit
Personenschäden im Vergleich zum ersten Halbjahr 2007 von 19.102
auf 17.953 zurückgegangen ist“, kommentiert Dr. Othmar
Thann, Direktor des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KfV),
die Unfallbilanz von Jänner bis Juni 2008. „Wirklich
aussagekräftig sind die Zahlen erst am Jahresende, aber es
stechen bereits jetzt wieder bestimmte Aspekte hervor, für
die das KfV schon länger Lösungen fordert.“ Keine
positive Bewegung gab es im ersten Halbjahr bei den Unfällen
mit Fußgängern (Jän-Juni 2007: 2.000, Jän-Juni
2008: 2.016), die Zahl der getöteten Fußgänger ist
leider leicht gestiegen (Jän-Juni 2007: 41, Jän-Juni 2008:
46). Der Zebrastreifen hat sich dabei wieder als heißes Pflaster
erwiesen. Unbedingter Handlungsbedarf besteht auch weiterhin bei
den 15-jährigen Mopedlenkern und den Motorrad-Wiedereinsteigern.
Generell fordert Thann, dass sich alle Verantwortlichen an einen
Tisch setzen, und sich in einem weiteren Verkehrssicherheitsprogramm
für die Jahre 2010 bis 2020 noch stärker auf Lösungen
für die Unfallvermeidung fokussieren, da die Anzahl der Verkehrsunfälle
über die Jahre gesehen relativ unbeweglich ist. „Auch
eine Verletzung bei einem Verkehrsunfall kann das ganze restliche
Leben beeinflussen“, sagt Thann.
Wenig Schutz am Schutzweg
„Aus unseren Untersuchungen wissen wir, dass gerade in punkto
Zebrastreifen die Rechte und Pflichten den einzelnen Verkehrsteilnehmern
nicht ganz klar sind und die Begegnung zwischen den unterschiedlichen
Gruppen daher oft zum Machtkampf wird“, sagt Thann. Daher
fordert das KfV, schon bei der Verkehrserziehung mit der Bewusstseinsbildung
stärker anzusetzen und Kindern zu vermitteln, dem Gegenüber
vor dem Queren der Straße eindeutige Signale zu geben. Auch
die schwammigen gesetzlichen Formulierungen zum prinzipiellen Vorrang
des Fußgängers auf ungeregelten Zebrastreifen müssten
laut Thann neu überdacht und präzisiert werden.
Moped 15: Das lange Warten auf Maßnahmen
2002 gab es 232 Unfälle mit 15-jährigen Mopedlenkern.
Nach dem schrittweisen Wegfall der gesetzlichen Restriktionen ist
diese Zahl kontinuierlich hochgeschnellt und so wurden 2007 insgesamt
1.577 Unfälle mit 15-jährigen Mopedlenkern verzeichnet,
sieben Jugendliche starben dabei, 1.495 wurden verletzt. Von Jänner
bis Juni 2008 gab es 727 Unfälle mit 15-jährigen Mopedlenkern,
im Vergleichszeitraum 2007 waren es 728 – also kein Grund
zum Jubeln. „Wir können froh sein, wenn wir am Jahresende
nicht wieder einen Anstieg verzeichnen, aber das bleibt abzuwarten“,
konstatiert Thann. Daher fordert das KfV einmal mehr eine Mehrphasenausbildung
für 15-jährige Mopedlenker, so wie es in jenem Vorschlag
beschrieben ist, der dem BMVIT seit Längerem vorliegt.
Motorrad: Immer wieder positive Schwankungen, aber kein
positiver Trend
Auch den Rückgang bei den Motorradunfällen (Jän-Juni 2007: 1.617,
Jän-Juni 2008: 1.352) hält Thann nur für bedingt erfreulich. „Seit
Jahren bewegen sich die Unfallzahlen bei den Motorradlenkern nur in bestimmten
Schwankungsbreiten, wirklich vom Fleck – im Sinne einer Verbesserung –
kommen sie aber nicht“, gibt Thann zu bedenken. Nach wie vor sind Lenker
zwischen 35 und 49 Jahren am häufigsten in Motorradunfälle involviert,
weil diese Generation auf der Suche nach einem neuen Lebensgefühl abseits
der täglichen Routine ist. Das Motorrad ist dafür das geeignete Mittel
zum Zweck, aber leider vergessen viele, dass ein erfahrener Autofahrer nicht gleichzeitig
ein geschickter Motorradfahrer ist. „Maßnahmen sollten an den drei
Hebeln Infrastruktur, Fahrzeug und Mensch ansetzen“, sagt Thann in diesem
Zusammenhang. Gefährliche Motorradstrecken sollten mittels Road Safety Inspection
überprüft und gegebenenfalls entschärft werden, um zu „Forgiving
Roadsides“ zu werden. Aus fahrzeugtechnischer Sicht sollte auf gesamteuropäischer
Ebene ABS forciert werden. Angesichts der manchmal jahrzehntelangen Fahrpausen
plädiert das KfV bei Wiedereinsteigern für eine Mehrphasenausbildung,
die deutlich macht, dass sich die Anforderungen des Motorradfahrens wesentlich
von jenen des Autofahrens unterscheiden. „Es geht nicht darum, das Erlebnis
beim Motorradfahren zu schmälern, sondern das Erlebnis in so sichere Bahnen
wie möglich zu lenken“, schließt Thann.
Wien, 9. September 2008, Text: Kuratorium für Verkehrssicherheit, Foto:
Tjaky
Die Arge2Rad informiert
Es
ist der Arge 2Rad ein Anliegen, ihnen die Daten der soeben veröffentlichten
Unfallbilanz aus einer anderen Sicht nahe zu bringen, als sie es vielleicht bereits
gelesen haben. In aller Kürze, um sie nicht zu langweilen, in aller Härte,
um nichts zu verschönen. Ohne Interpretationen unsereseits.
Es handelt sich immer um den Vergleichszeitraum Jänner bis Juli 2007 zu
2008, weil nur dieser Vergleich relevant ist:
Moped:
Tote:
Altersklasse 15: 33% weniger Tote, 2 statt 3 toten 15jährigen
Altersklasse 15-19: Ein Toter weniger im Jahre 2008 (3 Tote 2007 zu 4 Toten
2008, das entspricht einem Rückgang vom 25%!)
Alle Altersklassen im Bereich Moped: 12 Tote 2007 zu 7 Toten 2008!!!!!!!!!
Das ist fast eine Halbierung der toten Mopedisten!!!!!!!!!
Verletzte:
15jährige leichter Anstieg von 653 auf 672 Personen = + 3%
15 bis 19jährige leichter Rückgang von 1750 zu 1632 Personen = -5%
Alle Altersklassen: 2326 im Jahre 2007 zu 2120 im Jahre 2008: Gesamtrückgang
von fast 10%!!!!!!!!!!!
Motorrad:
45 Tote 2007 zu 37 Toten 2008: Ein Rückgang von fast 20%!
1.401 Verletzte 2007 zu 1.151 Verletzten 2008: Ein Rückgang von mehr als
20%!!!!!!!!!!
Dazu erlauben wir uns, die Zulassungszahlen in Relation zu stellen:
Moped: Gesamtmarkt Jänner bis Juli (alle motorisierten
Zweiräder): 39.355 (ist ein Plus von fast 2% zum Vorjahr = 38.606 Einheiten
2007)
Zweirad bis 50 ccm: 22.153 zu 22.027 im Jahre 2007, macht
ein Plus von 0,56%
125er: 4.835 Einheiten 2008 zu 4.033 im Jahre 2007, macht
ein Plus von fast 20%
Motorrad über 50 ccm: 2008: 17.202 Einheiten zu 16.579
in Jahre 2007, gibt ein Plus von 3,76%
Text: Karin Munk, Generalsekretariat Arge 2Rad
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