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Hätte
die FEMA nicht ein Wörtchen in der EU mitzureden, würde es um die Motorradfahrer
in Eurpa schlechter bestellt sein. Diskutiert werden zZ das Fahren mit Abblendlicht
bei Tag für alle Fahrzeuge, Abgaswerte und Geräuschpegel, "Intelligente
Geschwindigkeitsanpassung" (ISA) und die Entschärfung von gefährlichen
Leitschienen.
Abblendlicht bei Tag
In Österreich ist es für den Motorradfahrer Pflicht, auch bei Tag das
Abblendlicht einzuschalten, um besser gesehen zu werden. Nun sollen plötzlich
alle Fahrzeuge in den EU-Ländern am Tag mit Licht fahren, wobei die Motorräder
im Lichtermeer untergehen würden und es mit ihrem bisherigen Vorteil vorbei
wäre.
Die FEMA erhob Einspruch gegen diese Regelung und lieferte Studien, die zeigten,
daß das Fahren mit Abblendlicht bei Tag keine positiven Auswirkungen auf
die Reduzierung von Unfallzahlen hat. Leider wurden diese Studien im Europäischen
Parlament nicht in jenem Ausmaß beim Gesetzgebungsprozeß berücksichtigt,
wie es sich die FEMA und ihre 500.000 Mitglieder gewünscht hätten. Nun
geht der Kampf weiter. Die FEMA wird sich gemeinsam mit den Vertretern anderer
gefährdeter Verkehrsteilnehmer mit dem Europäischen Parlament treffen
sowie Einspruch bei den Regierungen der einzelnen Staaten erheben.
Lärm und Abgase
Fahrzeuge verursachen Lärm und verpesten die Luft. Auch in diesem Punkt will
die EU regelnd eingreifen. Ins Auge gefaßt wird, daß bei allen Fahrzeugen
- also auch bei PKWs - eine Geräuschmessung durchgeführt werden soll.
Hier tendieren die EU-Väter dazu, diese eher mit leichtem Gas als mit Vollgas
durchführen zu lassen.
Autoreifen verursachen Lärm - Motorradreifen nicht. Wenn die Diskussion auf
Motorrad-Lärm kommt, kann dieses Problem also ausgeschlossen werden. Die
weitere Senkung von Geräuschgrenzwerten wird Thema eines europäischen
Antrages sein, der 2003 veröffentlicht werden soll.
Bernd Lange, Rapporteur des Europäischen Parlaments, hatte im Juni 2001 bereits
zugestimmt, sich für den weltweiten Motorrad-Test-Zyklus (WMTC) als Grundlage
für Abgasgrenzwertmessungen bei Motorrädern ab Bj. 2006 auszusprechen.
Die europäische Motorradindustrie (ACEM) fordert jedoch den "angepaßten
europäischen Auto-Testzyklus", denn mit der gegenwärtig zur Verfügung
stehenden Technik sei es angeblich nicht möglich, diverse Entwicklungsprobleme
zu lösen. Und dieser "angepaßte Auto-Test" sollte doch schnell
beschlossen werden, damit sie mit der Entwicklung neuer Motorräder beginnen
könnten. In diesem Punkt herrscht nun völlige Uneinigkeit zwischen FEMA,
ACEM und EU, wobei für November und Dezember 2001 bereits Entscheidungen
für die neue Gesetzgebung in der EU anstehen.
Intelligente Geschwindigkeitsanpassung (ISA)
Was klug klingt, kann für den Motorradfahrer katastrophale Folgen haben und
wird von der FEMA strikte abgelehnt: die totale Geschwindigkeitskontrolle durch
die Technik, die dem Fahrer die Kontrolle über sein Fahrzeug entzieht.
"Geschwindigkeitsbegrenzer" regulieren auf eine bestimmte Endgeschwindigkeit,
lassen dem Fahrer jedoch die Möglichkeit, seinen Fahrstil anzupassen. ISA-Systeme
regeln die Geschwindigkeit eines Fahrzeugs bei örtlichen Geschwindigkeitsbegrenzungen
durch Fremdeinwirkung. Und diese ISA-Systeme will die EU einführen! Da wird
die FEMA wohl noch somanchen harten Kampf auszufechten haben, um das zu verhindern.
Leitschienen
Die FEMA wurde von der Europäischen Kommission für den 3. Straßensicherheits-Aktionsplan
zu Rate gezogen. Dieser soll von 2002 - 2010 die Sicherheit auf europäischen
Straßen erhöhen. Im 2. Aktionsplan (1997 - 2001) lag der Schwerpunkt
darauf, Leitplanken für Motorradfahrer sicherer zu machen.
Im
Abschlußbericht des FEMA-Projektes "Leitplanken und Motorradfahrer"
werden Alternativen zu den vorhandenen Vorrichtungen vorgeschlagen. Erstmals wurden
in Deutschland auch Crash-Tests mit Dumies durchgeführt. Immerhin erklärten
sich die Kommissionsmitglieder bereit, "daß ein Punkt zur Notwendigkeit,
die Sicherheit von Leitplanken zu verbessern, in das EU-Straßensicherheitsprogramm
2002 - 2010 aufgenommen werden würde".
Das Institut für Zweiradsicherheit
(IFZ) in Essen hat festgestellt, daß 60,9 % der Motorradfahrer schwer
verletzt oder getötet werden, wenn sie von Straßen abkommen, die mit
Leitplanken versehen sind. Fehlen diese, reduziert sich der Anteil auf 37,4 %.
In Deutschland ist man nun dabei, eine neue Richtlinie auszuarbeiten, welche die
EU-Normen von 1998 bezüglich der Leitschienen berücksichtigt.
Unser Resumée:
Positiv, daß dieses Problem endlich beachtet und gesetzlich geregelt
wird.
Negativ, daß bis zum endgültigen Austausch bestehender Leitplanken
in Europa, behindert durch fehlende Finanzierung, wohl noch Jahrzehnte vergehen
und noch unzählige Motorradfahrer dadurch schwer verletzt werden oder tödlich
verunglücken.
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