5.4.2005,
Hotel Marriott, Wien
"ÄKVÖ"
steht für "Ärztliche Kraftfahrvereinigung Österreichs".
Diese ist seit 1952 Zweigverein des ÖAMTCs und hat sich zum Ziel gesetzt,
"die Verwendung des Kraftfahrzeuges für den Arzt im Berufsleben wie
auch in der Freizeit möglichst vorteilhaft, problemlos und ökonomisch
zu gestalten." Weiters will sie "in kontunierlicher Forschungsarbeit
auf dem Gebiet der Verkehrsmedizin" tätig sein und lud zu den Vorträgen
hochkarätiger Experten.
Den durch die Worte "Faszination" und "Freiheit" für
einen Motorradfahrer positiv belegten Titel der Veranstaltung übertünchten
jedoch die sehr eindrucksvoll präsentierten Tatsachen, mit denen Unfall-
und Neurochiruren besonders in den Frühjahrs- und Sommermonaten konfrontiert
sind. Für sie hat Motorrad fahren nichts Faszinierendes. Die Arbeit mit den
Unfallopfern brachte sie sogar soweit, selbst das Motorrad fahren aufzugeben bzw.
es ihren Kindern zu verbieten.
Während
festgestellt wurde, dass die größte Gruppe der Anwärter auf eine
Hirnverletzung zwischen 20 - 29 Jahre alt ist, ist der typische Motorrad-Unfalllenker
zwischen 20 und 24 Jahre alt, ziemlich gleich gefährdet mit der Gruppe der
40 - 44jährigen, die jedoch wiederum die Schutzkleidung salonfähig gemacht
haben.
Darüber freuen sich die Unfallchirurgen und empfehlen, am Helm nicht zu sparen.
Teure Helme schützen unsere sensiblen Gehirnwindungen tatsächlich besser.
Auch der Rückenprotektor bringt einiges. Bedauert wurde, dass gute Motorradstiefel
an letzter Stelle der Ausrüstungsgegenstände-Anschaffungsliste stehen,
denn sie schützen nicht nur, wenn das Motorrad aufs Bein fällt, sondern
auch bei Unfällen, wo sich der Motorradfahrer vom Fahrzeug trennen kann.
Autobahnen und Schnellstraßen erscheinen lt. Statistik ziemlich sicher für
Motorradfahrer: Mit nur 3 % ist ihr Unfallgeschehen im sog. "Hochrangigen
Netz" deutlich unterrepräsentiert (insg. 7 %). Auf Landstraßen,
die von Motorradfahrern wesentlich lieber befahren werden, ist hingegen Vorsicht
geboten. Dort liegen Motorradunfälle über dem Gesamtschnitt (59 %).
Nach
so vielen Berichten und Statistiken über Motorrad-Unfälle - übrigens:
70 - 80 % schwer verunfallter Motorradfahrer steigen wieder auf - kam doch noch
ein Beitrag zur Faszination, zum Gefühl der Überlegenheit, zum Erfolgserlebnis,
zur Risikobereitschaft, ja sogar zum Heldentum von Mag. Praschl, dem es mit Bikers
Project im Jahr 2004 immerhin gelungen ist, 7 gefährliche Leitschienen in
Niederösterreich durch einen zusätzlichen Unterfahrschutz zu entschärfen.
Für 2005 ist eine Aufklärungscampagne i.B.a. die sog. "Kuhfänger",
die für Motorradfahrer und Fußvolk so gefährlichen dicken Stoßstangen
auf Vans, geplant.
Erwähnt wurde auch, dass nur 10 % der Motorräder zu laut sind, was angesichts
der unzähligen Motorrad-(Nacht)-Fahrverbote zu denken gibt.
Jeder
3. Motorradunfall ist ein Alleinunfall. Leider wurde einmal mehr nicht hinterfragt,
was der tatsächliche Auslöser dafür gewesen sein könnte (Übelkeit,
Kreislaufstörung, Sekundenschlaf, rutschige Fahrbahn, Schneiden durch unbekanntes
anderes Fahrzeug, Wildwechsel, Kollision mit Vogel, technisches Gebrechen - um
nur einige anzubieten). Man gibt global der "überhöhten Geschwindigkeit"
die Schuld, was wohl genauso 100%ig zutrifft, wie die Tatsache, dass jeder Mensch
durch Herzstillstand stirbt.
Positiv zu vermerken ist, dass, wenn entlang einzelner Straßenabschnitte
oder im Bereich eindeutig abgegrenzter Straßenstellen Häufungen gleichartiger
Motorradunfälle auftreten, man an oberer Stelle doch bereit ist, im Zuge
des "Unfallhäufungsstellen-Managements" die Frage zu klären,
welche Faktoren im Straßenraum für die Unfallhäufungen verantwortlich
sein könnten.
Ein wohltuender Lichtblick waren die Antworten der Experten auf eine Publikumsfrage
zum Thema "Alkohol und Motorrad" - da waren sie sich einig: Die diesbezüglichen
Delikte kommen so selten vor, dass sie statistisch in den Promille-Bereich fallen. |