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PIONIERE DER SCHOTTERSTRASSE

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1956: Pioniere der Schotterstraße - 4. Teil
Als die 125 ccm noch 5 PS hatten


Aus dem Tagebuch:
"Nun fuhren wir in Richtung Neapel weiter. Auf einer fürchterlichen Straße, deren Zustand sich nicht beschreiben lässt, fuhren wir durch die Vorstädte von Neapel. Autos parkten in der Mitte, an der Seite, die Schienen standen oft 10 cm aus dem Niveau raus und Löcher gab es mehr wie Straße."

Der Verkehr in <<< Neapel war zur damaligen Zeit schon verheerend. Niemand hielt sich an eine Straßenverkehrsordnung, sodaß wir schleunigst das Weite suchten.




Sorrent >>>

Über Sorrent kehrten wir wieder nach Positano zurück.


<<< Gaeta

Nun ging es wieder Richtung Norden nach Rom. Dort haben wir in einem Hotel übernachtet. Zuerst mußten wir allerdings langwierig die Preisfrage klären, weil es Differenzen zwischen der mündlichen und der im Zimmer angegebenen Preisliste gab.


Fünf Tage waren wir in Rom. Mein Mann steuerte den Roller und ich gab ihm die Richtung an.
Wir haben aber alles besichtigt, was es nur anzusehen gab. Das Capitol hat mich so begeistert, daß ich heute immer noch wehmütig werde, wenn ich es im Fernsehen betrachten kann.

Vorsorglich habe ich mich aber schon für Kirchenbesuche vorbereitet und keine lange Hose sondern einen Rock angezogen. Wegen der großen Hitze war es auch vorteilhafter.

Der Petersplatz mit dem großen Dom ist schon imposant. Wir haben auch das Innere besucht, wo man beim Eingang den Fotoapparat abgeben mußte. Man sollte ja Ansichtskarten kaufen! Zur Sixtinischen Kapelle wollten wir auch. Mein Mann schickte mich zur Torwache, der Schweizer Garde, und ich bemühte mich mit meinen Italienisch-Kenntnissen herauszubekommen, wann geöffnet wird. Aber die Herren der Schweizer Garde sprechen doch ein so gutes Deutsch!!!

Das von Mussolini erbaute Foro Italico mit den Sportstätten und dem Stadion haben wir auch besucht. Der große Platz davor ist mit kleinen Mosaiksteinchen belegt, von dem sich die Touristen gerne ein kleines Steinchen als Souvenir mitgenommen haben.

Fontana di Trevi mußte man doch auch sehen und eine Münze in den Brunnen werfen.

Die ganze Stadt konnten wir mit dem Roller besichtigen und schöne Gärten bewundern.

Livorno vvv

Wir haben uns zum Mittagessen immer selbst versorgt, weil mein Mann das Gasthausessen nicht mag. Also ein Doserl Erbsen, Butter, Brot, eine Eierspeis von vier Eiern auf einem Benzinkocher zubereitet, schmeckte uns köstlich. Auch die Wurst ist in Italien sehr gut.

Oft haben wir, wo es schön war, Halt gemacht und am Straßenrand, an einem Bach oder am Strand unseren Kocher aufgebaut. (Heute wäre so etwas undenkbar!)

In Pisa suchten wir ein nettes Plätzchen zum Mittagessen und wir mußten einen Bach überqueren. In der einen Hand das Sackerl mit dem Mittagessen, in der anderen den Kocher - über glitschige Steine - plumps rutschte ich aus und saß mit meinem dicken Schnürlsamthosenhintern im Naß.
Auf dem Platz vor dem Schiefen Turm habe ich mich auf einen Stein gelehnt und versucht, die Hose wieder durch Sonneneinwirkung zu trocknen.

Der Schiefe Turm glänzt in so herrlichem Weiß, daß einem die Augen weh tun, wenn man ihn betrachtet.


""

Dann ging es weiter nach Florenz >>>:
Von dieser Stadt waren wir auch sehr beeindruckt. Vor allem der wunderschöne Adonis von Michelangelo hatte es mir angetan.

Dort habe ich mir die ersten Paar Schuhe zugelegt. Was hatten wir doch bei uns in Wien für klobige Schuhe zu kaufen bekommen und dort fand man die zartesten Exemplare - ist doch Italien für seine Mode bekannt.



<<< Florenz

Und modisch gekleidet war ich auch auf unseren Touren: Während der Fahrt mit Schnürlsamthose und Windjacke, bei unseren Stadtspaziergängen entweder mit weißer Bluse und dem dunklen, weiten Rock oder, wie hier, im duftigen unzerknitterbaren leichten Sommerkleid, natürlich mit "Pettycoat" (Unterrock), wie es damals modern war. Auch Otto hatte neben seiner Tourenkleidung noch eine schöne Hose und eine Kurze mit.

Genua >>> : Wieder zwei Tage Aufenthalt. Der Hafen mit den großen Schiffen war sehr beeindruckend.

Wir haben den Friedhof besucht, wo die Toten in den Berg geschoben werden, davor an der Wand ist die Gedenktafel an den Toten angebracht.

Genua ein Dorado zum Schuhe einkaufen!!! Es wurden immer mehr! Aber da hieß es mich schon vorzubereiten, die insgesamt   e l f   Paar Schuhe in unserem Gepäck zusätzlich zu verstauen. Kein leichtes Unterfangen. Alleine der Gedanke, wie wir damit unbemerkt die Grenze überqueren sollten, ließ mir das Herz klopfen! Immerhin handelte es sich bei dieser Aktion um heftigen Schmuggel.


<<< Am Po

Damals gab es noch keine Autobahnen (gerade einmal ein paar in Deutschland von Hitler erbaut). In Italien waren die Straßen meistens sehr gut - in Norditalien weniger, wie zum Beispiel hier in der Po-Ebene, wo wir viel Staub geschluckt haben. In Süditalien war der Verkehr überhaupt nicht arg. Stau war damals noch ein Fremdwort! Man konnte wunderschön vorankommen.


Schöne Weiterfahrt nach Milano >>>.
Dort waren wir von den bizarren tausenden Türmchen am Dom und dem herrlichen Ausblick über die Stadt begeistert.


Otto am Balkon der Julia in Verona. Am Como-See haben wir auch Station gemacht. Dort habe ich eine kleine italienische Espresso-Kaffee-Kanne gekauft, die ich heute noch in Verwendung habe.

Ein Abstecher nach <<< Verona ließ uns den Balkon der Julia bestaunen. Von dort oben soll sie mit ihrem Romeo geflirtet haben.
Sehr beeindruckt hat uns auch der bunte Marktplatz. Opernaufführung haben wir keine besucht.


Fotos: © Otto Suchovsky



© Copyright by Tatjana Suchovsky & Rudi Benesch
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