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Positano
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Müde nach einer Tagesleistung von 339 km in großer Hitze fanden wir
eine Unterkunft. Das Nachtquartier war eher alles andere als einladend. Ein großer,
düsterer Schlafsaal mit 10 Betten, die mit stoffbezogenen Raumteilern wie
im Krankenhaus voneinander getrennt waren, der zwar nicht "ausgebucht"
war, wo aber immerhin noch zwei wildfremde Italiener mit uns nächtigten.
Ich hatte Angst, daß sie uns in der Nacht überfallen könnten.
Als mein Mann vom Einkaufen fürs Abendessen zurückkam, hatte er keine
Butter bekommen - nur Wurst, Käse und Brot. Da hätte ich mich am liebsten
auf den Rückweg per Bahn gemacht.
Dazu schildert das Tagebuch die Situation aus der Sicht
von Otto:
"Wir fahren noch bis Amalfi, wo wir auf dem Hauptplatz von einer Schar von
Hendelfängern [Quartiervermittlern] überfallen werden, welche besonders
Lisl missfallen. Ich drehe kurz entschlossen um, die Preise waren wahnsinnig hoch,
und fahre ein Stück zurück und eine Straße den Berg rauf, in der
Hoffnung, dort oben etwas billigeres zu finden. Leider war das nicht der Fall
und die Tränen meiner lieben Gattin erhöhten auch nicht meine Laune.
Also wieder bergab. Es dämmerte schon. In Minori fanden wir in einem unheimlichen,
alten Haus für 1.000 Lire ein fürchterliches, unversperrbares Zimmer.
Ich ging noch etwas einkaufen. Die Leute sprechen hier fürchterlichen Dialekt.
Dann aßen wir noch unser Brot (mit Tränen!!!) und legten uns zur Ruhe.
Vorher genossen wir noch von unserem Balkon das Meer und den Wirbel vor unserem
Haus. Unter uns war der Kasperl geparkt und wir hofften auf ein gutes Wiedersehen.
Dann schlossen wir die müden Augen, hatten aber vorher noch einen Stuhl gegen
die Türe gestellt."
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am Strand
Als wir am nächsten Morgen vor die Türe traten und "Kasperl"
inspizierten, stellten wir fest, daß sie unser Maskottchen, den kleinen
Stoffkasperl, der an ihm angebracht war, gestohlen hatten. Wir trugen es mit Fassung
und waren froh, daß sie den großen "Kasperl" nicht auch
mitgenommen haben.
Daß man den Roller hätte stehlen können, war uns damals nicht
wirklich in den Sinn gekommen. Zu jener Zeit konnte man in Italien sein Fahrzeug
noch ungesichert auf der Straße stehen lassen.
Positano
>>>
Weiterfahrt nach dem schönen, damals noch verträumten Ort Positano,
wo wir für einige Tage ein Quartier bezogen.
Zum Strand ging es ziemlich steil bergab - das Wasser war tiefblau.
Ausflug
nach Capri >>>, wo mir am kleinen Schiff so ein Anflug der Seekrankheit
zukam.
Capri ist wunderschön. Wir haben die Villa von Axel Munthe besucht, sind
zum Monte Tiberius und - nicht zu versäumen - die Einfahrt in die Blaue Grotte.
Ein unvergessliches Erlebnis!
Aus dem Tagebuch:
8. Juni 1956:
"Um 8 Uhr sollte das Boot nach Capri gehen. Wir waren aber schon um 1/2 8
dort und der Bootsbesitzer wollte uns raten, am nächsten Tag zu fahren, weil
für heute schon alle Plätze für Engländer reserviert seien.
Wir warteten aber und wollten mitfahren. Um 8 Uhr fuhr das erste Boot und wir
beide fanden auch noch Platz. Es waren kleine Boote für 25 - 30 Personen.
Kosten: 1.000 Lire pro Person.
Das Schiffchen schwankte ganz schön. Ich gestehe, ich musste kämpfen,
um das magere Frühstück innen zu behalten. Wir fuhren die Küste
der Halbinsel Sorrent entlang, einzelne bewohnte kleine Felsen tauchten aus der
See auf und einer Engländerin wurde ganz übel. Sie vertauschte ihren
Platz im Inneren, wo leider auch wir saßen, gegen einen an der frischen
Luft. Ich hätte auch einen gebraucht.
Als wir gegen die Spitze der Halbinsel kamen, tauchte auch schon Capri auf und
wir streckten unsere Köpfe fast alle in diese Richtung. Mit Ausnahme einiger
englischer Damen, die kein sonderliches Interesse zeigten. Und dann waren wir
dicht dran.
Beim Monte Tiberio vorbei, beim Hafen Marina Grande vorbei, es war die Insel der
Träume! Das Wasser war so blau, wie man sich das Meer vorstellt, am Himmel
stand keine Wolke. Wir hatten Glück an diesem Tag.
Plötzlich sahen wir vor uns eine große Anzahl von Ruderbooten auftauchen
und unser Bootsführer, der vorher Arien aus italienischen Opern laut und
mit Text gesungen hatte, erklärte uns, das sei die Blaue Grotte. Ich schaute,
sah ber nichts. Plötzlich tauchte aus dem Felsen scheinbar ein Boot auf.
Der Eingang war so klein, daß bei hohem Seegang ein Einfahren unmöglich
ist. Wir mussten von unserem Boot auf kleine Ruderboote umsteigen. Dann durften
wir noch 300 Lire pro Person Eintritt bezahlten und dann war es so weit. Wir mussten
uns bücken. Der Bootsmann zog das Boot an einem Drahtseil in das Innere,
da kein Platz zum Rudern war und dann waren wir drinnen, sperrten Mund und Nasenlöcher
auf und staunten. Eine 100 m lange, 50 m breite Grotte, in welche das Licht, zum
größten Teil unter Wasser, nur durch eine Öffnung Eintritt hat.
Der Lichteffekt ist einmalig. Als ob unterirdische blaue Scheinwerfer das Wasser
beleuten, zeigt die Wasseroberfläche ein blau, wie man es nicht beschreiben
kann.
Einmal ruderten wir herum und sahen noch die kleinen Fischerln, welche sich als
schwarze Schatten von dem herrlichen Blau abhoben. Dann waren wir wieder draußen.
Der Bootsmann erließ es meinem Großmut, ihn zu belohnen und angesichts
des einmaligen Erlebnisses waren 300 Lire nicht zu viel.
Unser Boot wurde wieder bestiegen und weiter ging es um die Insel herum. In Marina
Piccola gingen wir an Land. Eine kleine Anlegestelle für Motorboote zwischen
Felsbrocken - hier betraten wir Capri. Zwischen Restaurants ging ein Treppenweg
zu einem kleinen Platz. Hier standen alte Droschken mit noch älteren Droschkengäulen
und deren Kutscher stürzten sich auf uns. Sie wollten uns unbedingt nach
dem Ort Capri führen. Aber wir fürchteten die Ausgabe und gingen den
Treppenweg zu Fuß. Eine halbe Stunde dauerte der Marsch. Er war nicht besonders
schön. weil die Aussicht meistens von Steinwänden links und rechts,
Abgrenzungen von Parks, verstellt war. Von Capri war der Rundblick herrlich. ...
Dann hatte Liesl eine tolle Idee. Sie hatte gehört, daß man von der
Villa Jovis auf dem Monte tiberio die Überreste einer ins Meer versunkenen
Villa sehen könnte. 40 ° im Schatten, aber es war keiner da, so gingen
wir eine Stunde bergauf zum Palast des Tiberio. Beim Eingang saß wie üblich
der staatliche Kartenverkäufer, der auf 1.000 Lire nicht rausgeben konnte.
Das Kleingeld reichte aber nur für eine Karte, also ging es auch so. Auf
dem Monte Tiberio sahen wir die Überreste der Villa, riesengroße Mauerreste,
aber nirgends die in den Fluten versunkene Stadt."
"
Ein Ausflug nach Pompeji durfte auf unserer Tour nicht fehlen. Wir leisteten
uns eine Führung, bei der die Ausgrabungen genau erklärt wurden.
Das Tagebuch berichtet:
10. Tag: Samstag, 9. Juni 1956:
"Um 9 Uhr wurde geöffnet und wir betraten gespannt diesen historischen
Boden. Es war überwältigend. Herrlich erhaltene Villen mit sanitären
Einrichtungen, die oft heute in Häusern fehlen, Brunnen mit Misaikeinlagen,
Freskengemälde, Trittsteine für die Fußgänger, thermophorartige
Behälter für kalte und warme Speisen und tausende andere Einrichtungen
zeigen den Besuchern, daß vor 2.000 Jahren eine Stadt nicht viel anders
ausgesehen hat wie heute. Ein Führer erklärte uns einiges und ein Student
bemühte sich, uns einige Wörter ins Deutsche zu übersetzen. So
manches Dorf wäre froh, wenn es solche schön gepflasterte Dorfstraßen
hätte, wie man sie in Pompei sieht."
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Vesuv voraus!
Otto wollte, daß ich auch einen Rollerführerschein mache. Das war damals
ganz außergewöhnlich für eine Frau. Wir mußten beim Verkehrsamt
eine theoretische Prüfung über Verkehrsregeln absolvieren und bekamen
dann den Führerschein für den Roller bis 125 ccm.
Hier auf dem Foto fahre ich nicht. Ich bin mit dem Roller selbst nur einmal in
Österreich auf einem Ausflug kurz gefahren.
Anschließend
ging es auf den Vesuv >>> hinauf. Glühende Lava gab es keine,
aber ein Führer steckte Papier in ein Loch am Boden und es fing sofort Feuer.
Aus dem Tagebuch:
"Plötzlich, nach kurzer Anfahrt, waren wir in einem Lavafeld drinnen.
Und nach einer kurzen weiteren Fahrt standen wir vor einer Mautstelle. 600 Lire
nahmen sie uns weg und sagten noch, daß das letzte Stück der Straße
schlecht sei und wir vorsichtig fahren sollten. Der Gauner gehört auf den
Galgen! Die Sache war so: 6 km furhen wir auf einer Betonstraße mit ca.
10 % Steigung bergauf. Plötzlich, die Betonstraße sollte eine Linkskurve
machen, war hinter der Kurve nichts wie Lava. Die Straße ging direkt in
ein Lavafeld rein! Hier war die Straße vor 6 Monaten verschüttet worden.
Als Ersatz führte eine aus der Lava geschlagene und mit Lavakies bestreute
Straße weiter, die für uns enbefahrbar war, weil das lockere Material
unter den Rädern wegrutschte. Also stellten wir unseren Roller ab, aßen
noch ein frugales Mittagsmahl, bestehend aus Sardinen, Käse, Salami und Rotwein,
und gingen zu Fuß weiter.
Der Weg zog sich und meine liebe Frau hatte infolge der drohend aussehenden Lavamassen
im Geiste die Hose voll. Nach einer guten halben Stunde kamen wir zum Ende der
provisorischen Straße. Zwei Autos standen einsam und verlassen dort, wie
überhaupt kein toller Betrieb herrschte. Hier saß ein Bursche, vor
dem 20 Stecken in der Lava steckten, die er als Bergstecken an die Besucher verkauft.
Ein Führer ließ sich nicht abwimmeln und ich ließ ihn uns voranschreiten,
in der Absicht, ihn für seine lästige Begleitung dann dementsprechend
zu bezahlen. Dies tat ich dann auch mit 100 Lire und er machte ein saures Gesicht,
weil er selbst vorgeschlagen hatte: Wenn es uns nicht gefallen würde, bräuchten
wir nur 1 Lire bezahlen.
Bei einem vor sechs Monaten gewordenen Krater machten wir Schluß und ersparten
uns den restlichen Aufstieg, da es überall gleich aussah. Heißer Lavasand
und Öffnungen, aus denen es heiß herausströmt, zeigen aber, daß
der Berg nur schlummert.
Eine Abkürzung runter zu unserem Roller war das Blödeste, was wir nehmen
konnten. Der scharfe Lavasand füllte unsere Schuhe und ich hatte Mühe,
die letzten 100 m zu bewältigen. Beim Roller endlich fand die ersehnte Entleerung
statt und dann fühlten wir uns wieder wohler."
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