Patras
- Stilida (Herbst 2005)
In
der Meinung, der Weg zur Brücke auf das Festland wäre beschildert, haben
wir es bei der Reiseplanung unterlassen, diesbezüglich nachzurecherchieren,
was sich nun als Fehler herausstellt. Wir folgen den Schildern "By-pass",
was allerdings nur so lange richtig ist, bis wir rechts ab in eine kleinere Seitenstraße
geleitet werden. Später, bei Tageslicht, wissen wir, dass man diesen Schildern
zwar erst einmal folgen kann, jedoch nur so lange, bis man sich auf der großen
Straße nach Athen befindet. Dort nicht rechts abbiegen, sondern der etwas
ansteigenden Hauptstraße folgen, rauf auf die Autobahn, gleich die erste
Abfahrt (endlich mit "Bridge" gekennzeichnet) wieder runter und dann
dem Hauptstraßenverlauf folgen.

Eine
Überfahrt über die neue Brücke, die Patras und das Festland verbindet,
lohnt sich. 1,60 Euro für ein Motorrad ist am festlandseitigen Teil der Brücke
zu begleichen (Stand 2005). Da es über die ziemlich windige Brücke immer
geradeaus geht und wir um diese Zeit die einzigen unterwegs sind, darf der Blick
ruhig öfters nach oben schweifen und sich in der gigantischen Seilkonstruktion
verlieren.
Exkurs:
Der Weg zur Bridge vom Festland
Auch auf dem Festland gibt es keine einheitlichen, konkreten Hinweise auf den
Weg zur "Bridge". Aber es gibt Schilder, denen man folgen kann:


Die Zufahrt zur Mautstelle:

* - * - * - * - * - *
In Nafpaktos an
der Hafenpromenade bekommen wir von einer freundlichen Kellnerin, die gerade das
Laub zwischen den Tischen zusammenkehrt, Kaffee, obwohl das Lokal noch geschlossen
hat.
Gut gestärkt nehmen wir die uns bereits gut
bekannte Küstenstraße nach Itea in Angriff. Auf den ca. 100 km
ist (noch) nichts los und wir können die sanften, breiten Kurven in morgendlicher
Kühle so richtig genießen.
In Itea ist Boxenstopp angesagt. Während dem zweiten Frühstück
an der kleinen Tankstelle beobachten wir argwöhnisch die tiefdunkelgraue
Wolke, die vor der Stadt über dem Meer hängt und sich langsam um sich
selbst dreht. Sie bleibt jedoch, wo sie ist und das freut uns, denn unser Weg
führt uns in die Berge.
Wir folgen zuerst den Wegweisern nach Delfi, halten uns aber schon bald nach links
nach Lamia. Die auf der Karte relativ harmlos aussehende Strecke entpuppt sich
ab Amfissa als schöne Bergstraße mit vielen Kurven und sehr breit ausgebauten
Kehren, die wir anfangs auch voll genießen können. In den Berggipfeln
hängen aber plötzlich dicke Regenwolken, die uns nicht von ihrem feuchten
Inhalt verschont lassen. Also reduzieren wir - in Erinnerung an unseren Sturz
nach einem Regen auf unserer zweiten GR-Reise - das Tempo auf 40 - 50 km/h, lassen
an günstigen Stellen die Brummis vorbei und zuckeln ganz behutsam die Kurven
bergab.
Auf den Parkbuchten haben tatsächlich einige PKWs und LKWs angehalten und
warten den Guss ab. Es ist auch für Zweispurige sehr gefährlich in Griechenland,
auf nassen Straßen zu fahren.
Nach Bralos wird die Straße breiter, sodass wir nach griechischem Straßenverkehrs-Usus
den Pannenstreifen für unsere Fahrt im Schneckentempo benutzen können.
Das Wetter beruhigt sich auch nicht in der Ebene. Nach einem gewagten Linksabbiege-Manöver
auf der ampellosen Einmündung in die Küsten-Schnellstraße geht
es an Lamia vorbei weiter nach Stylida, wo ca. 3 km nach der Stadt der Camping
Paras liegt, den wir jedoch dort liegen lassen und weiter zum 500 m entfernten
Camping Interstation fahren, was sich als die richtige Entscheidung herausstellen
sollte.
Am Camping Paras ist lt. Info anderer Camper im September nichts mehr los. Zwar
war das Tor vor der etwas abschüssigen Einfahrt geöffnet, aber lt. Internet
ist er ab Ende August geschlossen.
Camping
Interstation hat eine ganz flache Einfahrt und der Hauptweg ist betoniert.
Er ist ganzjährig geöffnet; das Restaurant und der Mini-Market sind
jedoch ab Mitte September geschlossen. Für Selbstversorger ist also ein Besuch
des Lidl-Supermarktes in Stylida angesagt. Für die Genügsameren bietet
die Tankstelle gegenüber dem Camping Interstation ein kleines Sortiment all
jener Dinge, die man zum Leben braucht.
Am C. Interstation gibt es einen langen Strand und es soll dort - ähnlich
wie in Kamena Vourla - gesundheitsförderndes Wasser geben.
Aber
zurück zu unserer Ankunft ...
Als wir am Campingplatz ankommen, steht die Polizei vor dem Tor. Die Herren der
griechischen Exekutive beachten uns nur bedingt und wollen lediglich wissen, aus
welchem Land wir kommen, dann dürfen wir einfahren. Im Laufe der nächsten
Stunden vermehren sich die Männer in Blau und etwas besser adjustiert in
Schwarz. Am späteren Nachmittag ziehen ca. 50 Demonstranten vor dem Tor des
Campingplatzes auf. Es soll sich um Neo-Nazis handeln, die auf dem Camping Interstation
ein Treffen veranstalten wollten, und denen der Eintritt verwehrt wurde. Dagegen
protestieren sie nun. Die Situation ist gespannt.

Wir, die Touristen vom Campingplatz, dürfen nicht fotografieren. Die Demonstranten fragen erst gar nicht nach und tun es. Die Polizisten lassen sie gewähren. Also schießen auch wir kurz aus der Deckung heraus.

Angesichts des Polizeiaufgebotes im Verhältnis 1 : 1 sehen die Demonstranten die Aussichtslosigkeit ihrer Forderung ein und ziehen nach einigen Liedern und Parolen wieder ab.

Die Polizei hingegen
bleibt, patroulliert in unregelnmäßigen Abständen über den
Campingplatz und repräsentiert Anwesenheit. Auch während der Nacht.
Am nächsten Vormittag besuchen wir die Taverna der Tankstelle. Dort haben
ca. 30 Mann bei Kaffee Frappée Beobachtungsposten bezogen. Der Rest der
halben Hundertschaft wacht auf der Rasenfläche zwischen Rezeption und Tor.
Während
der Zeit, die wir uns am Camping Interstation aufgehalten haben, war dieser wohl
der sicherste in ganz Griechenland.
Aufpassen muss
man, wenn man den Platz in Richtung Lamia (also links abbiegend) verlassen will.
Dabei würde man eine doppelte Sperrlinie übefahren, was die des öfteren
dort lauernden Polizisten dazu bringt, einen Obulus zu verlangen. Also im Bedarfsfall
zuerst rechts abbiegen und über den nächsten Parkplatz umkehren; stehen
sie auch dort, weiter bis zum Hotel. Auch wir durften den Umweg über den
Hotelparkplatz machen, als wir den Camping Interstation wieder verließen.
Alle Texte und Fotos, wenn nicht anders angegeben, © Tatjana Suchovsky und Rudi Benesch.
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