
Die
Urlaubstage gehen zu Ende. Am 16. 6. bauen wir unser Zelt ab, begeben uns auf
Verabschiedungstour durch Parga und nutzen die kühleren Spätnachmittagsstunden,
um nach Igoumenitsa zu fahren. Dort nisten wir uns für eine Nacht im Hotel
Oskar ein, welches ziemlich nahe dem neuen Hafen liegt und über einen Privatparkplatz
verfügt, auf dem wir unsere Motorräder abstellen können.
Auch in Igoumenitsa
arbeitet man an einer neuen Kanalisation. An der Hafenpromenade gibt es viele
Lokale, das Internetcafe vor Vorjahr gibt es immer noch. Wir surfen ein bißchen,
während um uns höllischer Lärm herrscht. Europacup ist angesagt
und wird von dem eher jüngeren Publikum höchst emotional über den
XXL-Fernseher verfolgt.
Am nächsten morgen fahren wir auf den Riesenparkplatz des neuen Hafens auf.
Die Tickets müssen wir im Büro der Anek Lines bestätigen lassen,
erfahren wir von anderen Reisenden. Also wieder aufgesessen, die Straße
ein Stück zurück zum Office, Karten registrieren lassen und retour zum
Parkplatz.
Später erfahren wir, dass die Anek Lines direkt im Hafengebäude ebenfalls
ein Büro haben und wir uns den langen Weg hätten sparen können.
Naja, wieder was gelernt!

Kurz
vor dem italinischen Grenzgebäude fahren wir rechts in den kleinen Parkplatz
ein und frühstücken in der kleinen Bar. Der Kaffee und die mit Vanillecreme
gefüllten Kipferln sind dort wesentlich besser und preisgünstiger als
auf der Fähre.
Die Fahrt durch Slowenien geht wie immer zügig - stets kurz unterbrochen
durch die Mautstellen. Wir genießen noch etwas die große Bikerfreiheit
und schwelgen während der letzten Kilometer im fremden Land in Erinnerungen
an die Toleranz und Vernunft der griechischen Bürokratie und Exekutive.
Beim Grenzübertritt nach Österreich werden wir jäh aus unseren
Träumen gerissen. Der Beamte kritisiert das Fähnchen auf der Antenne
von Rudis Motorrad. "Das ist die Fahne des Bundespräsidenten. Sie verstoßen
gegen das Fahnengesetz, wenn Sie sie auf dem Fahrzeug montieren. Sie müssen
sie abnehmen!"
Rudi will sie gleich demoniteren. "Nein - auf dem nächsten Parkplatz",
meint der Zöllner.
Österreich
hat uns voll und ganz wieder. In Gralla machen wir Rast, verstecken, was nicht
uns gehört sondern dem Staatsoberhaupt, im Topcase und überlegen, ob
wir dem Herrn Klestil das Fahnderl per Post zurückschicken müssen ...
wenn's doch seines ist.
Nach Gralla beginnt es zu gewittern. Wir glauben auch, ein paar Hagelkörner
auf unseren Helmen gehört zu haben. Das Unwetter hält bis Zöbern
an. Wir machen Pause im Oldtimer (Zöbern), parken gleich am Busparkplatz,
weil wir, tropfnass wie wir sind, keine Lust haben, einen regulären Platz
zu suchen. Im Lokal ist eine Umfrage im Gang. Da wird gefragt nach Service, Familien-,
Senioren- und Kinderfreundlichkeit der Raststätte ... Uns fällt auf:
keine einzige Frage betrifft Motorradfahrer. Und sehr motorradfahrerfreundlich
ist der Laden - besonders bei Regenwetter - nicht. Gerade die klammen Hände
kann man sich am Kaffeehäferl wärmen.
Rudi zieht sein Lederjackerl wieder an, das ein Lackerl am Boden hinterlassen
hat. Tjaky hat die Handschuhe über dem Aschenbecher ausgewunden und ist ebenfalls
abfahrtsbereit. Wir nehmen noch ein paar Servietten mit, um die Sättel trocken
zu wischen ... ein überdachter Abstellplatz wäre wirklich ein Hit!
Egal, die letzten Kilometer durch Niederösterreich begrüßt uns
ein laues Herbstlüftchen und trocknet unsere Kluft wieder ein bißchen
auf.
Kalt ist es hier ...
Und wir fragen uns immer wieder, ob sich der Bundespräsident das ramponierte
Fähnchen wirklich auf seine Staatslimousine montieren will? Immerhin ...
Auslandserfahrung hätte es schon ...

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