Nach einem angesichts der hohen Preise spartanischen Mittagsessen schwenken wir
in Sparta rechts in eine Seitenstraße ein und fahren die 6 Kilometer nach
Mistras, wo wir stehenbleiben und bei einer Zigarette die Burg betrachten, die
hoch oben auf einem Hügel thront.
Dereinst im 13. Jhdt. stritten sich fränkische Ritter und Byzanz um die Herrschaft
über den Peloponnes. Dem Fürsten Guillaume II. de Villehardouin von
Archaia gelang die Eroberung von Lakonien, welches er durch den Bau von drei Burgen
abzusichern versuchte: Geraki, Monemvassia und Mystra. Kurz danach geriet er aber
in byzantinische Gefangenschaft und musste sich durch die Herausgabe der Festungen
freikaufen.
Nun
hatten die Byzantiner die Hand drauf. Während es im Rest des Landes wild
zuging, lebten die Menschen in Mystra in Frieden und wirtschaftlichem Aufschwung.
Sie handelten mit Woll- und Lederwaren aus eigener Erzeugung sowie mit dem Orient
über den Landweg. Die Bevölkerung wuchs in dieser Zeit auf mehrere tausend
Einwohner an. Die Stadt wurde, besonders Ende 13./Anfang 14. Jhdt. ausgebaut,
wobei viele neue Kirchen und Klöster entstanden. Später entwickelte
sie sich zu einem Zentrum von Wissenschaft und Philosophie.
1460 wurde Mystra von den Türken eingenommen. Sie setzten zwar einige kleine
Moscheen ins Stadtbild, doch die zahlreichen Kirchen ließen sie bis auf
zwei, die sie zu moslemischen Gotteshäusern adaptierten, unangetastet. Wieder
blühte Mistras bis ins 18. Jhdt. hinein auf.
Im
russisch-türkischen Krieg besetzte 1770 ein Expeditions-Corps des Zaren die
Burg und verwüstete sie. Nach ihm kamen türkisch-albanische Truppen
und erledigten den Rest. Sie zerstörten die Klöster und massakrierten
den Großteil der Bevölkerung. Schließlich wurde Mistras 1824
im griechischen Befreiungskrieg von den Armeen Ibrahim Paschas in Brand gesteckt
und die Bevölkerung vertrieben. Die folgende bayerisch-wittelsbachische Administration
hatte kein Interese an den Trümmern orthodoxer Klöster und gründete
neben den Ruinen des antiken Sparta die neue Stadt Sparti. Dort siedelten auch
jene wenigen, die in Mistras überlebt hatten. Seitdem verfällt die Stadt
auf dem Berg.
Angesichts der drückenden Hitze verzichten wir darauf, sie zu erklimmen und
kehren nach Githio zu unserem Zelt zurück, wo wir die Motorräder soweit
bepacken, dass für den nächsten Morgen nur noch Zelt und Schlafsäcke
übrig bleiben.
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