Wir
bemühen uns, zeitig in die Sättel zu steigen, denn um sich das alte
Theater anzusehen, sollte man möglichst früh - es öffnet um 8 Uhr
- dort sein und nicht warten, bis es von Touristen überlaufen ist.
Kurvig liegt die Straße von Nafplio nach Epidaurus in der flachen Landschaft.
Vor uns drei Reisebusse und zwei PKWs. Plötzlich Stau, stop and go auf der
Landstraße. Auslöser: eine große Schafherde samt Schäfer,
welche unseren gesamten Fahrstreifen einnehmen. Die Busse müssen rüber
auf die Gegenfahrbahn, der Gegenverkehr wartet geduldig, bis alle ihren Weg gefunden
haben.
Auf
dem riesigen Parkplatz bekommen unsere Räder und Rudi, der die Stanabegehung
wieder einmal verweigert, ein schattiges Plätzchen. 6,- Euro Eintritt - einen
Flyer gibt es auf Anfrage gratis.
Zuerst will ich zum Theater. Ich bin wieder einmal froh über die Motorradstiefel,
denn die Steinstufen, die den Hügel hinaufführen, wurden von Millionen
von Besucherschuhen glattgeschliffen. Drei Schritte noch, dann liegt es vor mir:
mächtig, imposant und antik, 14.000 Menschen fassend.
Ich erklimme es auf der schattigen Seite und lasse mich oben in der letzten Reihe
nieder. Weit unter mir im Kreis der ca. 50 m² großen Bühne stellt
sich ein Mann auf den die Menschen magisch anziehenden Mittelpunkt und trägt
ein deutsches Gedicht vor. Nach ihm rezitiert ein anderer auf Altgriechisch, der
Lokalität angepasst. Man versteht tatsächlich jedes Wort. Danach geht
er durch die Arena. Der Sand knirscht unter seinen Sandalen. Auch das ist deutlich
zu hören.
Im
Juli und August finden abends ab 21 Uhr im Rahmen des Theaterfestivals Aufführungen
statt. Einen Folder darüber erhält man gratis an der Kassa. Die Veranstaltungen
sollen dermaßen beeindruckend sein, daß sogar die Griechen, die solchen
Events normalerweise recht "gemütlich" beiwohnen, andächtigst
lauschen.
Zutiefst beeindruckt über Architektur und Akustik mache ich mich an den Abstieg
über aalglatte Stufen, rutsche aus, fange mich aber gerade noch an den Sitzbänken.
Aufpassen!!!
Einst
war dieser Ort Heil- und Kultstätte. Auf dem Weg zu den restlichen Ausgrabungen,
der angenehmer Weise über Erdboden führt, schicke ich ein schnelles
Gebet zum Heilgott Asklepios - der Typ mit der Schlange -, er möge doch so
lieb sein und meinen leichten Schnupfen verschwinden lassen. Noch deutlich zu
erkennen ist das Stadion mit seiner Laufbahn und den Resten der Sitzreihen. Um
etwas aus den restlichen Trümmerfeldern visualisieren zu können, benötigt
man entweder sehr viel Phantasie oder ein enormes Hintergrundwissen.

Viel interessanter
ist der Versuch, einen der Tempel wiedererstehen zu lassen. Noch un- oder schon
teilbearbeitete Steinblöcke liegen herum. Fachkundige sind dabei, aus ihnen
Säulen zu formen, nicht mit Hammer und Meißel wie anno dazumal, sondern
mit modernen elektrischen Geräten.


Die Besichtigung
des Museums erspare ich mir und kehre durch ein Hintertürl ("No exit")
zu Rudi zurück, der inzwischen mit einem deutschen Motorradpärchen Erfahrungen
ausgetauscht hat.
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