Bei
bestem Bikerwetter brechen wir um 7 Uhr in Wien auf, verlassen in Spielfeld Österreich,
um zügig über die ausgezeichneten Autobahnen Sloweniens dem Süden
zuzustreben. Nur das kleine Stück bei Trojane ist noch Bundesstraße.
An diesem Autobahnabschnitt wird noch eifrig gebaut. Spätestens um 18 Uhr
müssen wir im Hafen von Triest sein, denn um 19 Uhr legt die Fähre ab.
Bereits kurz vor 14 Uhr treffen wir an der slowenisch-italienischen Grenze ein.
Angesichts der frühen Stunde gönnen wir uns dort einen Kaffee, bevor
wir uns in den Megatrubel des Triester Stadtverkehrs werfen.
Zu
unserer Überraschung sind die Straßen der sonst so belebten Hafenstadt
fast menschen- und fahrzeugfrei. Siesta in der Großstadt! Problemlos erreichen
wir das Hafenbecken der Anek Line.
Seelisch eingestellt auf stundenlange Warterei in Gluthitze erleben wir gleich
die nächste Überraschung: Unsere Fähre, die Sophokles V, liegt
bereits an der Mole und wir dürfen auffahren. Diesmal brauchen wir nicht
in den 1. Stock zu fahren. Unseren braven Reittieren wird ein guter Platz nahe
der Ausfahrt am Heck zugewiesen.
Hatten
wir im Vorjahr eine leichte Verbesserung der Serviceleistungen der Anek feststellen
können, sticht diesmal wieder Negatives ins Auge: kein Orangensaft zur Begrüßung,
kein Klopapier bis zum nächsten Morgen, lediglich eine Liege an Deck, eine
Klospülung und ein Toilettenschloss kaputt sowie viele demolierte Bänke
an Deck, so dass wir gut schauen müssen, bevor wir auf einer unsere Schlafsäcke
aufbreiten.
Man muss der Anek aber zugestehen, dass sie nicht an allem Schuld ist. Die demolierten
Dinge sind ja auf jene Touristen zurückzuführen, die auf die Schiffseinrichtung
nicht aufpassen. Die Saison ist jung - bei den Griechen ist es üblich, nicht
vor Saisonbeginn die Sachen in Schuss zu bringen, sondern erst während dieser.
(Bei der Rückfahrt waren alle Bänke in Ordnung gebracht - und schon
wieder eine ganz frisch ruiniert.)
All das kann uns allerdings die gute Laune und den tiefen Schlaf nicht rauben.
Pünktlich treffen wir am nächsten Tag um 19 Uhr in Igoumenitsa ein.
In unseren nahen Zukunftsvisionen sehen wir uns bereits um 20 Uhr 50 km weiter
in Parga vor dem aufgebauten Zelt stehen - befinden wir uns doch mit unseren Motorrädern
in Pole-Position an der Heckklappe.
Diese
wird auch abgelassen, doch anstatt dass sich der LKW vor uns ins Freie begibt,
schiebt er noch ein Stück vor und versperrt uns vollends den Weg aus dem
heiß-stickigen Abgas-Mief. Damit nicht genug, setzt draußen auf der
Rampe ein Truck auf. Es dauert, bis er wieder frei ist.
Eingesperrt in unserer Ecke erreichen uns kaum Informationen, was los ist. Wir
merken nur, dass der Verkehr auf der Rampe nicht in Fluss kommt. Einige Autos
werden eingeladen, hinaus fährt nichts mehr.
Plötzlich beginnen die Motoren zu summen und die Rampe geht hoch! Haben die
auf uns hinter'm LKW vergessen? Wir finden uns bereits damit ab, in Patra auszusteigen,
da erfahren wir, dass das neu gebaute Hafenbecken zu tief für eine nur leicht
beladene Sophokles ist und die LKWs reihenweise auf einer nicht vollständig
aufliegenden Rampe aufsitzen. Wir müssen in ein anderes Hafenbecken fahren.
Dort wird ausgeladen.
Nun
sind wir heilfroh, nicht als erste rausgefahren zu sein, denn die Bodenfreiheit
unserer Straßenräder ist sicher geringer als die der LKWs.
Der Umweg kostet uns eine Stunde, die wir im stickigen Bauch des Schiffes verbringen
müssen. Endlich im Freien, nützen wir die letzten Strahlen der untergehenden
Sonne, um die 50 km nach Parga zurückzulegen.
Ein kühlender Guss aus einer kleinen Regenwolke bremst abermals unser Fortkommen.
Doch Griechenlands frühlingserwachende Natur entschädigt uns, indem
sie uns würzig frische Luft in unsere abgasschweren Lungen pumpt.
Gegen 22 Uhr haben wir es geschafft: unser Zelt steht, die Schlafsäcke sind
ausgerollt und wir bereit, endlich in den Ort zu gehen, um zu erfahren, was es
in Parga Neues gibt.
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