Wie so oft kommt es anders als man denkt! Wir finden heraus, dass Emiliano, der
ehemalige Koch von "Rudi's" in Parga nun in Ioannina im Hotel Epirus
Palace tätig ist. Wir beschließen, ihn zu besuchen und fahren über
Igoumenitsa nach Ioannina. Die kurvenreiche Bergstrecke wurde teilweise neu überarbeitet
und bietet nun herrlichen Fahrgenuss - speziell auch weil Pfingstferien sind und
deshalb nur wenige LKWs unterwegs sind.
In Ioannina fahren wir durch. Diese Stadt haben wir bereits auf unserer Tour
1999 näher kennengelernt.
HOTEL EPIRUS PALACE*****
Das
Hotel liegt ca. 6 km südlich von Ioannina an der Hauptstraße (E 951)
nach Arta. Hat man die edel-dezente (fast unauffällige) Einfahrt passiert,
bietet sich ein großer Parkplatz an, um das Fahrzeug abzustellen. Wir parken
unsere Radeln in der Nähe der Rezeption, wo wir ein vollschattiges Plätzchen
für sie finden.
In der riesigen Rezeptionshalle, in der die Farbe Braun mit Gold harmoniert, dominieren
phantasievoll gestaltete Sitzgruppenelemente. Das Ambiente erinnert an Schloß
Schönbrunn und die Kaiserzeit. Die Rezeption versteckt sich dezent im Hintergrund.
Trotz
unserer insektenleichenverschmutzten Lederkleidung werden wir, nachdem wir die
Treppe zum säulengerahmten Portal erklommen haben, freundlich von dem Mann
an der Rezeption empfangen. Wir erkundigen uns nach Emiliano. Ja, er arbeitet
tatsächlich dort, wird aber erst gegen 20 Uhr eintreffen. Schade! Wir hinterlassen
ihm Grüße auf einem Bikerwelt-Karterl und erkundigen uns weiter, ob
wir hier einen Kaffee bekämen. "At the bar by the swimming-pool",
antwortet uns der Rezeptionist.
Natürlich richten sich alle Augen der anwesenden (sonnen)badenden oder relaxenden
Hotelgäste auf uns, als wir in voller Montur zuerst durch die kleine Parkanlage,
dann durch die Reihen der Liegen und Tische zur Bar stiefeln, wo unser Wunsch
nach zwei Kaffee Frappé sofort erfüllt wird.
Wir nehmen an der Bar Platz und sehen uns ein bisschen um. Der Name des Hotels
passt genau: ein Palast. Strahlendes Weiß dominiert am Pool: die Stoffdekoration,
die sich über den antik anmutenden riesigen Milchglas-Kronleuchtern unter
dem Sonnendach drappiert; die Vorhänge, die leicht im Wind wehend die Zugänge
zum Pool-Gelände abschließen; die Liegen und Sitzgarnituren, die zum
Verweilen einladen.
Die nur einstöckigen, ebenfalls weißen Gebäude spiegeln sich im
Pool wieder. Die Szenerie erinnert auch hier an ein Schloss aus der Kaiserzeit
Wiens, nur daß die Kutschen, die hier um die Ecke kommen, von weitaus mehr
PS bewegt werden als die vom alten Franz-Joseph.
Nur mühsam lösen wir uns aus der luxuriösen Hotelanlage, die wir
gut und gerne in Nizza oder Monte Carlo erwartet hätten, nicht aber außerhalb
einer Stadt mitten in Griechenland. Hier könnte man es zweifellos einige
Tage aushalten!
Vom
märchenhaften Hotel geht es weiter in Richtung Arta auf einer Straße,
die genau für unsere Tourenräder geschaffen wurde (oder die Radln für
solche Straßen?). Sie führt flach in großzügigen Kurven
durch die Bergzüge des Mt. Tomaros, welches mit seinen grünen, oft sogar
bewaldeten Hängen eine wohltuende Abwechslung fürs Auge bietet und ein
ganz neues Fahrgefühl vermittelt. Eine Straße die sich z.T. mitten
durch schattigen Wald windet, ist in Griechenland, wo es kaum natürliche
schattige Plätze entlang einer Route gibt, eine echte Rarität!
Gegen
Arta zu treten die Hügel auseinander, die Sonne knallt uns wieder auf die
Helme. Es ist Pfingstsonntag in Griechenland (eine Woche später als in Österreich
oder Deutschland). Die Polizei ist am Fahrbahnrand präsent und beobachtet
jene, die in den Ortschaften plötzlich nicht schneller als 50 km/h fahren.
An einem guten Platz zum Fotografieren stehen sie ebenfalls, was uns nicht daran
hindert, dort ebenfalls anzuhalten.
Wir kommen mit den Hütern der öffentlichen Ordnung ins Gespräch.
Zwei von ihnen sprechen ausgezeichnet Deutsch. Sie bestätigen uns, was wir
bereits von anderen gehört haben: Die Helmpflicht wird exekutiert. Wer keinen
trägt, wird mit bis zu 75,- Euro Geldbuße bestraft. Wenn sie ganz hart
durchgreifen, muss man sich - sofern man den Helm nicht mit hat - erst einen besorgen,
bevor die Weiterfahrt erlaubt wird. Auch bei Alkohol und Drogen am Steuer greifen
sie zur Zeit hart durch.
Als wir uns von den Herren der Exekutive verabschieden, ruft uns einer ein herzliches
"Pfiat di!" nach.
Das letzte Stück der Strecke (Arta - Parga) kennen wir bereits von unserer
Tour
2001.
Nachmittags kommen wir nach heißen 285 km in Parga an. Es ist Mitte Juni
und bereits normal, dass das Thermometer unter Tags auf 36° C klettert. Es
wird Zeit, dass wir in die Heimat zurückkehren, denn für Biker wie wir,
die immer in Leder fahren, wird es auf Griechenlands Straßen langsam zu
heiß.
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