Unser nächstes
Etappenziel soll Nafpaktos sein, wo wir am uns bereits bekannten Campingplatz
Platanitis übernachten und am nächsten Morgen auf den Peloponnes übersetzen
wollen.
Die Strecke über Preveza, durch den Aktio (Tunnel), Vonitsa, Paleros, Mitikas,
Astrakos und Etoliko ist uns bereits von unserer Reise
2002 bekannt. Diesmal fliegen die Mehlschwalben hoch und die Schildkröten
bleiben im schattigen Gebüsch versteckt.
Vor
Paleros halten wir an einer kleinen AVIN-Tankstelle. Ups! Die Mehlschwalben fliegen
doch nicht so hoch wie wir dachten! Zwei von ihnen segeln haarscharf an unseren
unbehelmten Köpfen vorbei. Der freundliche Tankwart führt uns in das
kleine Haus. Im Kassenraum, in dem sich auch eine kleine Bar befindet, hängt
eine Uhr an der Wand. Auf ihr nisten - wie er uns erzählt - schon seit vielen
Jahren die Schwalben.
Nach
dem nächsten Tankstop bei Perithori, bei dem wir vom ebenfalls sehr freundlichen
Tankwart einige frisch gepflückte Hülsenfrüchte zum Knabbern bekommen,
ist Rudi plötzlich aus Tjakys Rückspiegel verschwunden. Sie wartet,
dreht nach einiger Zeit um, um ihn zu suchen. Da kommt ihr Rudi entgegen! Also
nochmals wenden! Eine Hausausfahrt bietet sich an, ein bisschen schräg, aber
es sollte gehen. Einschlagen, Kurverl, bremsen - und schon neigt sich die Deauville
und legt sich hin. Tjaky kann gerade noch wegspringen und so vermeiden, dass sich
das bepackte Rad auf ihren Fuß legt. 290 kg kann sie nicht alleine aufheben
und Rudi wartet irgendwo. Also auf die Straße gesprungen und mit den Armen
gewachelt. Sofort bleibt ein dunkler PKW stehen und auch der weiße dahinter.
Die Männer steigen aus, schauen verwirrt. Mit Zeichensprache bittet Tjaky
um Hilfe, die Deauville aufzustellen.
Die
beiden packen zu, die Deauville steht wieder auf zwei Rädern. Kurz geschaut:
der Spiegel hat sich eingeklappt, der Plastik-Sturzbügel hat ein paar Kratzer,
der Koffer auch. Sonst ist optisch alles OK.
Tjaky bedankt sich mit einem herzlichen "Efcharisto" bei den beiden
Helfern und meint, sie können getrost weiterfahren. "You are OK?"
erkundigt sich der eine zweifelnd. - "Yes, sure!"
Irgendwie skeptisch steigen die beiden wieder in ihre Fahrzeuge und fahren ab.
Die Deauville weigert sich kurzfristig anzusprigen, dann nimmt sie wieder den
Betrieb auf. Die ersten Meter fallen schwer, noch dazu, wo der Schalthebel jetzt
etwas weiter innen liegt.
Am nächsten Parkplatz untersuchen wir das Rad genauer. Es hat tatsächlich
nichts Wesentliches abbekommen. Allerdings haben wir daraus gelernt, wie wichtig
gleichmäßiges Packen ist. Links ein bisschen zu schwer, oben um einiges
zu voll - und schon hapert's mit dem Gleichgewicht, selbst in einfachen Situationen.
Also weiter Richtung Nafpaktos.
Als wir am Camping Platanitis ankommen, stehen wir mit langen Gesichtern vor verschlossenem
Tor - dabei sollte er bereits seit 15. 5. geöffnet sein. Da auch der Campingplatz
zwei Kilometer weiter nicht sehr geöffnet aussieht, beschließen wir,
nach Patra überzusetzen und uns am Peloponnes eine nächtliche Bleibe
zu suchen.
Den
Fährenhafen in Andirio zu finden, ist nicht schwer. Wir folgen einerseits
den Schildern "Ferry Boat", andererseits dem Hauptverkehr. Doch wir
haben keine Ahnung, wie die Überfahrt abgewickelt wird. Zuerst warten wir
in der Kolonne, dann schlängeln wir uns vor.
Zwei Fähren liegen mit geöffnetem Heck vor uns. Wir wollen auffahren,
doch der Einweiser verwehrt uns das und schickt uns zur anderen Fähre. Als
wir uns endlich durch die wild wendenden, rückwärts auf die Rampe zurangierenden
Blechkisten zum anderen Schiff durchgeschlängelt haben, dürfen wir nur
noch zusehen, wie es die Klappe schließt und ablegt.
Leicht verwirrt stellen wir unsere Radeln beim Infohüttel ab und erkundigen
uns. Der professionelle Auskunftsgeber rät uns, auf die nächste Fähre
zu warten. Sie kämen alle viertel Stunde. Der Hafenpolizist vor dem Hütterl
meint, wir könnten doch sowieso gleich auf die Fähre, die gerade beladen
wird - eben jene, von der uns der Einweiser weggeschickt hatte - drauffahren.
Gut.
Zweiter Versuch. Tatsächlich - verstehe einer die griechischen Fähreneinweiser
- lässt er uns nun auffahren und die Räder seitlich mit der Nase zur
Klappe aufstellen. Dann wird das Deck mit PKWs zugerammelt. Zum Schluss dürfen
noch ein paar Motorräder und Mofas drauf, die jedoch im Gegensatz zu allen
anderen Fahrzeugen mit dem Heck zur Abfahrt stehen.
Die Klappe wird geschlossen. Wir legen ab. Während der viertelstündigen
Überfahrt gehen zwei Burschen durch und kassieren den Fahrpreis ab: 2,10
Euro pro Motorrad.
Auf der peloponnesischen Seite sollen die Motorräder rückwärts
die Rampe runterschieben. Einem wird vom fachkundigen Personal geholfen, andere
wenden mühsam und fahren normal ab. Wir stehen bereits in Fahrtrichtung und
haben es einfach.
Da wir am erstbesten Campingplatz nächtigen wollen, verlassen wir Patra über
die alte Bundesstraße, die wir intuitiv finden, indem wir uns immer links
halten und den Schildern nach Athen folgen.
Zwar wurde uns geraten, die sog. Autobahn zu nehmen, da die alte Bundesstraße
nicht so gut wäre. Uns gefällt das kurvige, gar nicht so schlechte Straßerl,
welches uns durch viele kleine Ortschaften führt, das aber sicher nicht für
schnelles Weiterkommen geeignet ist.
Zurück nur Herbergssuche! Beim ersten Schild einer Campingplatz-Ankündigung
wurde wohl vergessen, es abzunehmen, denn ihm folgt kein weiteres. Das nächste
schickt uns über ein steiles Seitenwegerl einen Hügel hinab. Von einem
Campingplatz keine Spur! Also wieder hinauf auf die Bundesstraße. Beim dritten
Schild kurz vor Egio passt alles: Platz vorhanden, Tor offen, wir dürfen
bleiben.
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