Das kurze Stück bis Patra nehmen wir die alte Bundesstraße. Sie schlängelt
sich sanft durch die Landschaft und bringt uns in die große Stadt, deren
Verkehrsaufkommen nach den vielen Fahrten oft ganz alleine auf der Straße
absolute Konzentration erfordert. Eigentlich könnten wir den braunen Schildern
"By-Pass Patra" folgen, doch wir suchen jene blauen "Ferry-Boat"-Tafeln,
die es auf der peloponnesischen Seite aber nicht gibt. So durchqueren wir die
Stadt, landen auf der Schnellstraße nach Athen (was auch kein Fehler ist),
fahren die erste Abfahrt, beschildert mit "Rio" ab und genießen
- WOW! - für einige Sekunden den phantastischen Panoramablick über die
neuen Brückenpfeiler und den alten Fährenhafen.
Dann
gilt es, unter den unzähligen angelegten Schiffen jenes zu finden, das als
nächstes abfährt. Vor einer der Fähren rangieren PKWs. Die muss
es sein! Wir wollen auffahren. Wieder das - uns nun schon bekannte - Spiel: Motorräder
zum Schluss! Da die Fähre noch freie Plätze hat, müssen wir so
lange in der Sonnenglut warten, bis sich der griechische Einweiser genügend
Blechkisten herangewinkt hat, um sein Schiffchen voll zu haben.
Endlich dürfen wir rauf. Rudi will mit der Pan beinhart auf der Rampe wenden,
was dem Einweiser wiederum gar nicht passt. Die beiden beginnen zu streiten -
Rudi auf Deutsch, der Einweiser auf Griechisch. Nur gut, dass die beiden einander
nicht verstehen! Rudi setzt schließlich seinen Willen durch, steht in Pole-Position
und mit der Nase zur Ausfahrt.
Tjaky will nicht streiten, parkt die Deauville mit dem Heck zur Rampe und wartet
gemütlich ab, wie sich die Sachlage entwickeln würde.
Als
sich am anderen Ufer die Rampe öffnet, ist Rudi als erster draußen.
Tjaky ist nun mit wenden dran, rollt ein kleines Stück zurück, da regt
sich eine alte Griechin auf, die vorbei will. Sie meint, sie könnte die fast
300 kg schwere Deauville am Topcase ein bisschen zur Seite drücken, um durchzukommen.
Doch Tjaky hält dagegen - lässt sich von der Alten doch nicht das Radl
umschmeißen! Kleiner Kampf, Tjaky gewinnt, die Frau quetscht sich unter
lautstarkem Protest durch.
Im Griechenland kommt es immer wieder zu solchen Konfrontationen, da die breite
Bevölkerung nicht mit dem Handling schwerer Motorräder vertraut ist.
Die meisten wissen nicht, wie viele Kilo ein solches haben kann und glauben, man
kann damit genauso einfach rangieren wie mit einem ihrer Mopeds.
Tjaky konzentriert sich wieder auf das Wendemanöver. Überraschung! Das
Fährenpersonal sperrt die Weiterfahrt für alle anderen Fahrzeuge an
Deck und die Deauville kann vorsichtig um die Kurve geführt und an Land gefahren
werden. Manchmal sind die Dinge in Griechenland ganz einfach ... Manchmal!
Gegen 11 Uhr beginnen wir, die uns bereits von unserer Reise
2002 bekannte Strecke von Andirio über Amfilochia und Preveza nach Parga
unter die Reifen zu nehmen. In Amfilochia machen wir Mittagspause wie gehabt.
Die Kurven zwischen Amfilochia und Preveza genießen wir diesmal ohne Gewitter,
Hunde und Schildkröten.
Um
zum Aktio (Tunnel) zu gelangen oder abzufahren, muss man nicht mehr durch Preveza.
Die große Straße (E 55) ist angeschlossen.
Es ist Pfingsten in Griechenland und deshalb sind viele Einheimische auf Kurzurlaub
im Land unterwegs. Auf den Straßen sehen wir vermehrt Polizei patroullieren.
Ohne weiteren Vorfall kommen wir am Parga-Camping an, wo wir unser Zelt aufbauen
und die letzten Tage unseres Urlaubs in Ruhe und ohne einen Kilometer im Sattel
verbringen wollen.
Nicht nur auf den verstärkten Einsatz der Exekutive hat Pfingsten seine Auswirkungen,
sondern auch auf das Leben in Parga. Zum ersten Mal erleben wir in dem Ort einen
Vorgeschmack auf die Hauptsaison. Sogar tagsüber herrscht Gedränge auf
der Promenade, denn viele Griechen machen hier Kurzurlaub. Abends sind die Restaurants
und Tavernen voll. Wir sind froh, als es am Pfingstmontag wieder ruhiger wird.
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