Bevor wir losfahren, packen wir um. So ein Hoppala wie am Vortag soll nicht mehr
passieren!
Um schneller vorwärts zu kommen, fahren wir bei der nächsten Gelegenheit
auf die "Autobahn" auf. Die Abzweigung nach Nafplio ist gut ausgeschildert.
Nach einigen Kilometern geht es von der Schnellstraße ab und über kleine
Bundesstraßerl weiter ins Land hinein. Die kurvenreiche, oft uneinsichtige
Strecke, die mit der Querung einer Bahnlinie beginnt, fahren wir sehr vorsichtig,
denn aufgrund der üppig-grünen Vegetation ist jederzeit mit Schaf- und
Ziegenherden zu rechnen.
Was uns vor den Vorderreifen hüpft, ist jedoch kein Tier, sondern ein leuchtjackenbekleideter
Polizist, der uns zu seinem Kollegen an den Straßenrand winkt. Wir sind
uns keiner Schuld bewusst. Zu schnell waren wir auf keinen Fall. Helm, ja sogar
Lederkluft und Stiefel tragen wir!
Die beiden begutäugeln uns und unsere Motorräder.
"Where do you come from?" will der eine von Tjaky wissen. - "Austria!"
"You are a woman???" fragt er erstaunt. - "Yes!" antwortet
Tjaky und muss unter'm Helm von einem Ohrwaschl zum anderen grinsen.
Das genügt ihnen. Sie erlauben uns weiterzufahren.
Obwohl in Griechenland die Zahl der stärkeren Motorräder im Steigen
begriffen ist und man - im Gegensatz zu früheren Jahren - immer mehr stärker-PSige
in protektorengeschütztem Leder oder Goretex sieht, sind weibliche Selbstfahrerinnen
immer noch sehr selten und werden dementsprechend bestaunt und bewundert.
Das enge Straßerl wandelt sich plötzlich in eine überbreite, gar
nicht dem Verkehrsaufkommen angepasste Fahrfläche, auf der wir meist ganz
alleine auf dem Asphalt zügig weiterkommen. Um zu tanken müssen wir
rechts abbiegen und in den Ort fahren. Man empfängt uns an der kleinen Tankstation
freundlich, freut sich, dass wir noch eine Weile sitzenbleiben, etwas trinken
und zu plaudern versuchen. Ein 71jähriger Grieche schaut sich unsere Motorräder
ganz genau an und schreibt dann auf einen Zettel die ccm auf, die er auch treffend
errät.
Als
wir versuchen, mit einem Taschentuch die ärgsten Insektenleichen zu entfernen,
springt der Tankwart - bewaffnet mit Fensterreiniger und Küchenrolle - herbei
und putzt so inbrünstig Windshielder und Scheinwerfer, dass wir schon glauben,
er würde gar nicht mehr aufhören! Er betrachtet das Service als selbstverständlich
und will nicht einmal ein Trinkgeld annehmen!
Einmal mehr erfahren wir, dass das Tanken in Griechenland an kleinen Tankstellen
weitaus interessanter ist!
Weiter geht's nach Nafplio, wo uns der Verkehrstrubel überfällt - also
schnell links abgebogen! Bald darauf sind wir in Tolo, wo wir ein paar Radfahrer
nach einem Campingplatz fragen. Sie raten uns zum Kastraki, den wir bald über
ein kurzes Schotterstraßerl erreicht haben.
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