Wien - Igoumenitsa - Parga

Gegen sieben Uhr brechen wir auf. Obwohl nicht mit Geschwindigkeiten wie mit dem Motorrad unterwegs, kommen wir trotzdem zügig voran. Die Pack ist nicht mehr so schlimm wie in den vergangenen Jahren, denn man hat große Teile bereits für den Verkehr freigegeben. Die Baustelle nervt dadurch weniger. Auch mit dem Wetter haben wir Glück, denn die Sonne scheint und die Fahrt macht Spaß.

In Italien, irgendwo vor Padua fallen uns drei Bäume auf, die man zwischen den beiden Fahrbahnen stehen gelassen hat, ein wohl sehr seltenes Phänomen bei einer Autobahn.

Die Straßenzoll-Eintreiber nehmen uns für die Strecke von der Grenze bis Venedig für den Bus 11,20 Euro ab und für die folgende Strecke bis Ancona 18,30 Euro ab.

Trotz vieler Pausen schaffen wir die Strecke Wien - Ancona an einem Tag und treffen gegen 21:30 Uhr am Hafen ein. Als wir einfahren wollen, wird uns dies verwehrt. Nur jene, deren Schiff bald abfährt, dürfen zu den Pieren einfahren. Also drehen wir um und stellen den Bus erst einmal neben dem Hütterl der Zöllner ab, um uns nach einem geeigneten Abstellplatz für unsere Nachtruhe umzusehen. Der, wo der Bus steht, wäre wohl geeignet, doch sind wir uns unsicher, da hier einige Schilder mit Parkverbot hängen, deren Zusatztext wir, da auf Italienisch, aber nicht verstehen. Also fragt Rudi einen der Herren am Schlagbaum, ob wir dort stehen bleiben dürfen. Der Uniformierte meint, dort nicht, aber so ca. 15 Meter weiter, auf der anderen Seite des kleinen Hauses, das in der Mitte des Platzes steht, ginge es in Ordnung.
So verbringen wir die Nacht ganz in der Nähe der Einfahrt zum Hafen.
Da sich ja Motorrad und Roller im Bauch unseres Busses befinden, schläft Rudi im Führerhaus und Tjaky im Laderaum.

Am nächsten Morgen steht der Einfahrt zum Pier nichts mehr entgegen. Nachdem wir die Formalitäten am Schalter der Anek erledigt haben, haben wir genug Zeit, uns ein bißchen umzusehen und entdecken einige hübsche historische Stadttore und Kanonen.

Während unseres Spazierganges ziehen dunkle Wolken auf, die alsbald Regen ablassen. Wir ziehen uns in den Bus zurück, der sodann von stürmischen Windböen leicht geschaukelt wird.

Als die Fähre mit einiger Verspätung einläuft, starten viele bereits ungeduldig ihre Motoren, nicht bedenkend, dass da zuerst einiges aus dem Bauch des Schiffes rauskommen könnte - und das tut es. Wir - in erster Reihe stehend - sehen gelassen zu und wundern uns einmal mehr, was aus dem riesigen schwimmenden Kasten alles herausfährt.
Relativ stressfrei geht es hinauf aufs "Open Deck", wie "Camping an Bord" bei der Anek genannt wird. Dort weist man uns einen Platz direkt an der Bordwand neben den großen offenen Fenstern zu, durch die es den Regen peitscht und uns jedesmal, wenn wir den Bus verlassen oder besteigen, eine leichte Dusche spendiert wird.

Man bekommt eine Chipkarte, mit der man die Türe zum Campingdeck problemlos öffnen kann. So ist es einem "Camper an Bord" möglich, einerseits die Vorzüge von billigem, im Bus selbst gemachten Kaffee zu genießen und andererseits alles, was das Schiff bietet, ebenfalls in Anspruch nehmen zu können. Abermals verbringen wir die Nacht im Bus schlafend, ohne die Motorräder auszuladen, irgendwo vorne und dazwischen.

Am nächsten Morgen kommen wir fahrplanmäßig in Igoumenitsa an. Die dunkle Gewitterfront, die über Albanien hängt, verfolgt uns zwar, erwischt uns aber nicht, als wir ausladen. Über die E55 streben wir Parga zu, wo wir den Bus erst einmal an der Hauptstraße abstellen, um einen geeigneten Platz in der von engen Gassen geprägten Stadt vorerst zu Fuß auszukundschaften. Wir entscheiden uns für den, den Rudi schon im Frühjahr benutzt hat, den Parkplatz gegenüber von Yannis Taverne. Als wir zum Bus zurückgehen wollen, erwischt uns die Wolke, die uns seit Albanien verfolgt und entlädt wohl alles, was sie in sich trägt, genau über uns. Patschnass retten wir uns in die nächste Taverne, obwohl - viel nässer hätten wir wohl kaum noch werden können. Es ist der erste Regenguss seit drei trockenen Monaten in Parga.

Gerade, als wir durch die enge Kurve rechts in die kleine Verbindungsstraße einbgebogen sind, stellt sich uns ein PKW, besetzt mit einem Fahrer und einer Beifahrerin, entgegen. Da wir keine Lust haben, unsere 6,5 Meter durch das Kurverl zurückzuschieben und es 20 Meter die Straße weiter eine gute Ausweichmöglichkeit gäbe, wir auch annehmen, dass der PKW zurückschiebt, bleiben wir stehen. Doch wir haben die Rechnung ohne der Beifahrerin gemacht. Sie beginnt zu kreischen und zu toben, wiederholt, als sie bemerkt, dass wir ihr griechisches Gezeter nicht verstehen, auf Englisch und prophezeit uns den Weltuntergang nun in dieser Sprache, wenn wir nicht sofort zurückschieben würden und ihr den Weg frei gäben. Uns belustigt die Angelegenheit lediglich. Rudi stellt den Motor ab und wir warten ab.
Der Fahrer des Wagens sitzt statuenartig hinter seinem Lenkrad und bewegt sich lediglich auf Befehl der aufgebrachten Griechin, um per Handy die Polizei zu rufen. Die trifft nach 20 Minuten, in denen inzwischen einige andere, die der Verstopfung der Straße angesichtig wurden, kehrt gemacht und das Weite auf anderer Strecke gesucht haben, ein. Sofort stürzt sich die Furie, welche es tatsächlich durchhielt, in jenen 20 Minuten weiterzukreischen und jedem, der vorbeikam und es hören wollte oder nicht, lautstark die Sache zu schildern, auf die beiden Herren in Uniform. Diese lassen sie wohl fünf Minuten toben, hören sich ruhig ihr Geplärr, das nun tatsächlich noch eine Steigerung erfährt, an und wendet sich dann an uns, um auch unsere Meinung zum Thema des Tages zu hören. Da die beiden astreines Deutsch sprechen, begrüßen wir sie ruhig und freundlich und brauchen gar nicht lange zu erzählen, da geben sie dem Fahrer des PKWs bereits die Anweisung, zurückzuschieben.
Allerdings berücksichtigten sie damit nicht den Beschluss der Beifahrerin, die nun abermals zu toben beginnt und sich strikte weigert, die Anweisung auch nur zu überdenken. So einigen wir uns mit den Hütern der öffentlichen Ordnung, dass wir zurückschieben - aber sehr langsam, um Pepi ja nicht zu beschädigen. Mit vereinten Kräften weisen wir Rudi durch die enge Kurve ein, während sich die leicht erregbare Dame, die sich, gierig darauf weiterzufahren, nun wieder etwas beruhigter in ihre Blechdose zurückgezogen hat.
In sehr entschuldigendem Tonfall wendet sich der eine Polizist an Tjaky: "Wir sind hier nur ein kleiner Ort, die Straßen sind eng und die Leute sehr nervös." Womit er wohl etwas höflich ausdrücken wollte, denn sonst trafen wir keinen Nervösen in ganz Parga.
Also nahmen wir die Kurve in ca. einer Stunde, was bei gütiger Einigung gerade einmal fünf Minuten gedauert hätte.

Als wir unseren vorgesehenen Abstellplatz erreichen, regnet es abermals. Also warten wir ein paar Minuten, bis die Sonne wieder scheint und laden die Einspurigen aus, machen das Bett und begeben uns auf Stadtrundgang.



Alle Texte und Fotos, wenn nicht anders angegeben, © Tatjana Suchovsky und Rudi Benesch.


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von den Betreibern der Bikerwelt, Tjaky und Rudi
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