Verbranntes
Land um Amarinthos (Evia/Euböa)
10 Kilometer von Eretria entfernt hat es gebrannt, erfahren wir. Der Grieche wachelt
mit der Hand in südöstliche Richtung. Also machen wir uns am Vormitag
auf, um die Gegend zu erkunden. Gleich nach Amarinthos, dem Nachbarort von Eretria,
sehen wir den ersten kahlen, grauschwarzen Hügel. Wir halten an und sehen
uns die Fläche näher an.
Hier
lebten und leben wieder Menschen, nicht nur im Prachtbau im Hintergrund, sondern
auch in einer kleinen Welblechhütte hinter dem kleinen ausgebrannten Haus.
Leben am Boden gibt es keines, nicht einmal eine Ameise. Steine sind unter dem
Einfluss der Hitze in ihrer obersten Schicht abgeblättert. Ein Stromkabel
liegt verschmort am Boden. Da und dort findet sich verbrannter Hausrat zwischen
dürren Sträuchern. Wohin der Fuß tritt, Staub und Asche. Auf dem
gesamten Areal gibt jedoch eine Pflanze, die frisch aus dem verkohlten Erdreich
gebrochen ist, neue Hoffnung.
Wir fahren weiter, halten immer wieder an und schauen ... auch die folgenden Hügel
zeigen sich in trostlosem grauschwarz. Da und dort ein abgebrannter Strommast,
sonst nichts. Am Straßenrand ein ausgebrannter PKW. Am Hügel oben eine
grauschwarze Halle, daneben ein weiteres Gebäude, ausgebrannt.
Dann ein Hügel, auf dem Häuser stehen. Als wäre nichts passiert,
blitzen sie frisch gestrichen aus der Landschaft. Doch um sie herum das gleiche
grauschwarze Bild.
Während
ich am Hang fotografiere, bildet sich eine Staubwolke neben einem Haus, die ich
zuerst für aufgewirbelten Bauschutt halte. Doch der Wirbel wird höher
und fängt an, sich hangabwärts zu bewegen. Als die Tauben am ausgebrannten
Dach einer Fabrik die Flucht ergreifen, weiß ich, dass da etwas nicht stimmt.
Die Windhose kommt auf mich zu, wohl fünf Meter im Durchmesser hat sie an
der Stelle, wo sie den Boden berührt. Schutt und Asche wirbelt sie hoch,
auch kleine Zweige. Ich gehe ihr aus dem Weg, doch der Wirbel macht einen Bogen
und kommt hinter mir nach. Nun nehme ich die Beine in die Hand und laufe, so schnell
es geht. Nur knapp fegt die Windhose an mir vorbei, dann zieht sie auf's Meer
zu, genau in die Richtung, wo Rudi neben den Motorrädern steht. Rudi bleibt
stehen, wartet ab. Nur wenige Meter von dem Wirbel entfernt, spürt er nichts
von seinen Kräften.
So plötzlich wie die Windhose aufgetaucht ist, so unspektakulär verschwindet
sie wieder, als sie die See erreicht. In wenigen Sekunden löst sie sich in
nichts auf.
Ich
drehe noch eine Runde über das verbrannte Areal, nehme noch ein paar Bilder
mit und versuche, mich vom Schreck zu erholen. Das mulmige Gefühl, das uns
seit dem ersten Hügel erfasst hat, wurde durch das plötzliche Auftreten
und Verschwinden der Windhose noch verstärkt. Wir haben genug gesehen und
auch genügend Fotos gemacht, um ein Bild dessen wiedergeben zu können,
was man mit Worten nicht beschreiben kann. In der Mittagssonne schwingen wir uns
auf unsere Einspurigen und fahren zurück zum Campingplatz.
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