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Wissenschaftliche Untersuchungen unserer Tage zur "Angst im Tunnel" sind reine Grundlagenforschung. Zu wenig ist bislang bekannt, was sich im Gehirn abspielt, wenn ein KFZ-Lenker in die abgedunkelte Röhre fährt.
Was sich im Internet und in den Medien zum Thema Tunnelangst findet, reicht von
der philosphisch-freudschen Spaß-Theorie, daß da etwas bei der Geburt
nicht gestimmt hätte, bis zur simplen Meinung: "Alles nur Einbildung."
Ich, Tjaky, litt seit ich Motorrad fahre, unter den Tunnelfahrten. Es nützte
nichts, daß Rudi mich ins "Schlepptau" nahm, ich also in angemessenem
Abstand seinem Rücklicht folgen sollte. Auch der Instruktor beim Sicherheitstraining
wußte keine wirkliche Lösung für das Problem. Oft wird psychologische
Hilfe (brieftaschenschmälernd, versteht sich) angeboten.
Meine Angst ging so weit, daß ich, als mir im Tunnel das Visier beschlug,
nicht fähig war, die Hand vom Lenker zu lösen, um es zu öffnen.
Es wurde dunkler und dunkler. Ich wußte, der Tunnel macht eine Kurve ...
aber wohin? Was tun? Anhalten? Auch nicht das Wahre!
In meinem Helm war es stockfinster. Zur Angst kam die Panik. Irgendwie schaffte
ich es dann doch, das Visier aufzureißen und den Tunnel zu überleben.
Von diesem Tag an habe ich mir angewöhnt, das Visir weit vor dem Tunnel
zu öffnen.
Meine schlichte Philosophie zur Tunnelangst: Der Mensch ist einfach nicht dazu
geschaffen, sich wie eine Ameise unterirdisch zu bewegen. Er lebt seiner Natur
nach auf der Erdoberfläche.
Dann kam diese Tour, bei der alles paßte. Das tolle Wetter, meine gute Laune,
ein schnurrendes Radl, eine phantastische Landschaft. An solchen Tagen zieht ein
Orchester in mein Hirn ein, spielt auf und ich singe lautsark mit. (Hört
ja keiner!) Und plötzlich waren wir durch durch den Tunnel! Ich hatte ihn
gar nicht richtig bemerkt.
Ich vermute, daß meine Angst aus einer Über-Konzentration entstand,
beflissentlich auf alles zu achten, was im Tunnel gefährlich und wichtig
werden könnte. Dadurch war mein Gehirn überlastet, da es auf Dinge aufzupassen
versuchte, die gar nicht vorhanden oder überflüssig waren.
KONZENTRATION AUS WISSENSCHAFTLICHER SICHT
Das Auge schickt die Information ins Gehirn. Dort warten bereits die Synapsen,
jene unzähligen winzigen Schaltstellen, die die Nervenbahnen miteinander
verbinden. Wenn die optimale Adrenalinmenge zufließt, arbeiten sie optimal.
Durch Nervosität, Aufregung oder Leistungsdruck steigt der Adrenalinspiegel,
was die Synapsen veranlaßt zu blockieren und gespeicherte Daten, Informationen
und Bilder nicht oder nur unvollständig weiterzuleiten. Wir kennen das gefürchtete
Resultat dieses Vorgangs besser unter der Bezeichnung "Blackout".
Angebot und Nachfrage bestimmen den Konzentrationspegel. "Erst wenn dem regen
Geist Informationen in einem Maße angeboten werden, die ihn in seiner Aufnahmefähigkeit
auslasten - nicht überlasten -, wird er gefesselt, er bleibt bei der Sache
und nimmt mehr auf. ... Aufnahmefähigkeit und Aufnahmegeschwindigkeit des
Gehirns gilt es also auszulasten. Eine Unterbelastung führt zur Unkonzentriertheit
mit allen bösen Folgen, eine Überbelastung verhindert das Verstehen
[und verursacht Fehler]." (Ernst Ott)
Die mächtigste Konzentrationsbeeinträchtigung von allen: Der Druck!
Der Gedanke, etwas tun zu müssen, was wir nicht tun wollen, löst eine
Welle negativer Gefühle und Gedanken aus. Konzentration bedeutet zielgerichtete
geistige Energie. Wenn du gestresst, müde, in schlechter körperlicher
Verfassung oder krank bist, hast du einfach nicht genug Energie, um dich zu konzentrieren
und aufmerksam zu bleiben.
Sam Horn rät, wie auch Wolfgang Schömbs bei der Druckbekämpfung,
zu Selbstgesprächen. [Offensichtlich sind wir selbst der einzige Mensch,
mit dem wir uns nie richtig unterhalten!]
Was auch immer es ausmachte - der Plan funktioniert noch immer: Vor einem Tunnel
Visier auf und lautstark ein Liedchen angestimmt.
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