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Imposant, der Konvoy von wild aussehenden Bikern auf schwer bepackten Tourenmaschinen, der für die paar Augenblicke, in denen er vorbeibrummt, alle Aufmerksamkeit auf sich zieht.
In deiner Vorstellung siehst du dich im Pulk mitfahren. Doch das ist gar nicht
so einfach wie es aussieht.
Abgesehen von der fahrtechinschen Harmonie und der Art des mobilen Untersatzes
gibt es bei der Rudelbildung noch menschliche Aspekte und Vorlieben zu beachten.
Kein Wunder, dass somanche motorradfahrende Gemeinschaft bestimmte Ansprüche
an neue Mitglieder/Mitfahrer stellt - sei es die Motorradmarke, -art oder -stärke,
die Fahrerfahrung oder das Verhalten in der Gruppe - und einige Clubs dem Neuen
sogar eine Probezeit auferlegen.
Bevor du spontan und euphorisch zustimmst, dich einer bestehenden Einheit von
Bikern zu einer längeren Reise anzuschließen, solltest du bei gemeinsamen
Ein- oder Mehrtagestouren ausprobieren, ob ihr zusammenpasst.
Tourenplanung
Entweder gibt es einen erfahrenen Roadmaster, der die Strecke
plant, oder man setzt sich zusammen und tüftelt gemeinsam. Schon erlebt:
Unterwegs wollen plötzlich welche spontan die vereinbarte Route ändern
und beim Ampelstop im Verkehrsgewühl einer Stadt eine neue Strecke festlegen.
"Ziehet hin in Frieden", kann man dann nur sagen - doch dem Zusammenhalt
in der Gruppe wird das nicht förderlich sein. Routenänderungen können
unterwegs durchaus notwendig sein, aber bitte gemeinsam, in Ruhe und an einem
Platz, wo alle über die Änderung informiert werden.
Optimales Tempo, Pausen
Das Tempo, in dem die Landschaft durchkreuzt wird, ist wohl
der Hauptfaktor einer harmonischen Gruppe, ebenso das Pausenverhalten. Dem einen
genügt zur Erholung ein schneller Kaffee aus dem Automaten einer Tankstelle,
der andere braucht gepflegtes Bier und Schnitzel im Restaurant. Pausen, wann -
wo - wie, können im Vorfeld abgesprochen werden. Das angeschlagene Tempo
nicht. Was der eine als "gemütliche Fahrweise" empfindet, ist für
einen anderen eine Hetzjagt, bei der ihm die Schweißperlen waagrecht von
der Stirn spritzen würden, ware da nicht der Helm ...
Akzeptanz der Regeln "Fahren in
der Gruppe"
In vielen Motorrad fahrenden Vereinigungen gelten strenge Regeln
beim Fahren in der Gruppe, seien es die allgemein gültigen oder aus Erfahrung
selbst erstellte. Schließt du dich anderen an, erkundige dich, ob es solche
Regeln gibt und beobachte das Fahrverhalten der anderen. Wird versetzt gefahren,
stört der, der beide Motorradstreifen pendelnder Weise für sich beansprucht,
nicht nur das schöne Bild, sondern ist auch eine permanente Gefahrenquelle.
Auch das grundlose Wechseln der Position in der Gruppe (Überholen) gilt bei
manchen als Todsünde.
Abendgestaltung
Für den einen ist ein Abend nur dann gemütlich, wenn
er bei viel starkprozentigem Alkohol im noblen Ambiente eines mehrsternigen Gasthofes
stattfindet, ein anderer zieht den Benzinplauder im Gemeinschaftsraum einer kleinen
Privatpension vor, für den dritten zählt nur das Grillwürstel über
dem Lagerfeuer und die Nächtigung im Schlafsack unter freiem Himmel als das
einzig Wahre. Unterschiedliche Geldbörsenstärken und grundsätzliche
Einstellungen zum Bikerleben können ganz böse Unruhe in eine sonst harmonische
Gruppe bringen!
"Persönlichkeiten"
Da kann die Toleranzschwelle noch so hoch liegen - entpuppt
sich einer in der Gruppe als Dauerg'schicht'lerzähler, der keinen anderen
mehr zu Wort kommen läßt, oder wird ein sonst sehr vernünftiger
Mensch nach dem dritten Viertel zum ordinären Stänkerer, ist es mit
dem abendlichen Frieden vorbei. Dann heißt es: erdulden oder dem Typen die
Meinung sagen. Beides ist unangenehm - besonders dann, wenn man sich bereits im
dreiwöchigen Urlaub auf der Insel befindet.
Alter, Bildungs- und anderer Hunger
Ein 18jähriger, der gerade die Länder und Frauen dieser
Welt erforschen will, hat andere Interessen als ein Tourenfahrer, der schon seine
Pension im Reichweite fühlt und mit Ehefrau Sozia unterwegs ist. Während
die einen bei jedem Museum am Straßenrand freudig aufjubeln, will der andere
dem ausschweifenden Nachtleben bis zum Sonnenaufgang fröhnen und schlussendlich
auch nicht alleine ins Bett gehen. Zu dieser Thematik gehört ebenfalls dezent
vorgefühlt, wie es in einer Gruppe zugeht, bevor man sich ihr anschließt.
Für Motorradfahrer gilt somit dasselbe wie für eine
Ehe: Prüfe, wer sich (ewig?) bindet. Sollte es dir in einer Gruppe nicht
gefallen, suche dir eine andere. Es gibt genug, die zur Auswahl stehen. Verdrück
dich aber nicht im morgendlichen Frühnebel - alles schon erlebt -, sondern
verabschiede dich in Freundschaft.
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