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Oder:
Willst du dir den Stress wirklich antun???
Zu Lande
- Tote Tiere, manchmal auf Scheckkartenstärke reduziert,
manchmal äußerlich unbeschädigt ins Jenseits befördert, daß
sie sich noch gut für den Präparator eignen würden.
- Bodenmarkierungen. Gewöhnst du dir sofort an, sie
grundsätzlich möglichst nicht zu befahren, hast du das bald intus,
brauchst deine Fahrweise bei Regen, wo sie besonders rutschig sind, nicht umzustellen
und kannst dich auf anderes konzentrieren.
- Spurrillen können unangenehm werden. Besonders
bei Regen, da verschwinden sie unter der Wasseroberfläche (Aquaplaninggefahr!).
- Fahrbahnunebenheiten bewirken unangenehme Schläge
auf die Wirbelsäule. Knieschluß, Hintern etwas aus dem Sattel heben
und drüber!
- Gegenstände auf der Fahrbahn: Dosen, Flaschen,
ja sogar dem Auspuff auf der 2. Spur der Autobahn sind wir schon begegnet. Bei
Tag kannst du solchen Teilen durchaus ausweichen. Bei Nacht - viel Glück!
- Rollsplitt, Ölflecken, Fahrbahnverschmutzungen:
Tempo reduzieren und aufrecht drüberfahren. Liegst du in der Kurve, heißt
es entweder ausweichen und damit die Ideallinie verlassen, oder das Radl aufstellen,
kurz bremsen und die Stelle ohne Schräglage passieren. Beides muß geübt
werden, um es im Notfall zu beherrschen!
- Bitumen nennt man die schwarzen Belagsausbesserungen.
Sie sind - besonders bei Nässe - glatt wie Eis!
- Steinschlag: Bei Fahrten in Tälern jederzeit (speziell
aber an Tagen nach einem Gewitter) mit Steinen auf der Straße, aber
auch durch Steinschlag verursachte Fahrbahnschäden (Schlaglöcher) rechnen.
- Kanaldeckel meiden - besonders bei Nässe!
- Pferde- und andere Äpfel (Obst) zählen genauso
wie Blütenstaub ebenfalls zu den rutischen Gefahrenquellen.
- Laub bewirkt - ebenso wie Schnee - eine Bremsweg-Vervierfachung.
- Eis und Schnee: Auch wenn du nur in der schönen
Jahreszeit unterwegs bist, mußt du damit rechnen, auf Eis und Schnee zu
fahren, wenn du eine hochgelegene Paßstraße bezwingen willst. (Pfingsten
2000: In den Tälern erschlug uns der Sonnenschein, das Grün der jungen
Blätter und der Duft der Blüten - oben am Glockner hing dichter Nebel
und herrschte tiefster Winter mit 2 - 3 m hohen Schneewänden rechts und links
der Fahrbahn.)
- Fräsrillen (wie nennt man diese Dinger wirklich?):
sollen die Straßen griffiger machen, nerven manchen Biker aber ganz schön.
Besonders als Anfänger hast du das Gefühl, daß das Radl ein merkwürdiges
Eigenleben entwickelt und das Hinterrad mit dem Vorderrad nicht harmoniert. Mit
zunehmender Erfahrung wirst du feststellen, daß dein Radl stabiler bleibt,
als du glaubst.
- Schienen. Glatt wenn trocken, noch glatter, wenn naß.
Immer so weit wie möglich im rechten Winkel drüberfahren.
- Tankstellen. Schon mancheiner wollte sich elegant von
der Zapfsäule entfernen - und legte das Radl hin. So schön Benzin im
Tank ist, so schlimm ist es am Boden, wenn es sich mit ein bißchen Wasser
und Öl vermischt.
Zu Lebewesen
- andere Verkehrsteilnehmer mobil:
- Traue keinem, der blinkt. Traue keinem, der nicht blinkt.
- Bedenke an der roten Kreuzung, daß dem Autofahrer vor
dir beim Anfahren sein Vehikel absterben kann. Wenn'st losziehst wie gewohnt,
pickst ihm im Kofferraum!
- Rechne immer mit der Blödheit der anderen.
- Radfahrer und Fahrer von Fahrzeugen mit roten Nummerntaferln
haben kein oder nur sehr geringes Wissen über die Regeln im Straßenverkehr.
Rechne immer damit, daß sie sich in ihrer Unwissenheit nicht den Vorschriften
entsprechend verhalten.
- Speedstick, Kickboard, Cityroller, Rollerboard und wie
sie alle heißen bringen offiziell ein Tempo von 25 km/h auf den Gehsteig
(Insider berichten von bis zu 70 km/h!!! - www.isport.de),
E-Roller gehen bis 45 km/h. Diese Gruppe ist zZ. eine der größten Gefahren
im Stadtverkehr, da hier oft noch der Faktor "Kind" dazukommt. Bei Parkanlagen,
Fußgeherübergängen oder für Fußgeher freigegebene Ampeln
soweit als möglich den Gehsteig einsehen, ob denn da nicht einer oder mehrere
auf ihrem "Spielzeug" heranbrausen.
- Ausparker, Spurwechsler, Pannenstreifenbenutzer und
andere Entscheidungsschnelle stellen, auch wenn sie blinken, eine besondere Gefahr
dar, da du nie weißt, wann sie losfahren - vor oder nach dir.
- Überholende PKWs und andere Biker:
Sie kommen schnell und oft leise daher. Motorradfahrer überholen manchmal
rechts, ganz knapp. Es ist nicht kollegial und in der Straßenverkehrsordnung
nicht vorgesehen - kommt aber vor! PKWs schneiden nach dem Überholvorgang
gerne. Rechne damit!
- andere Verkehrsteilnehmer zu Fuß und zu Pfoten:
- Kinder und alle, die nicht in den Vertrauensgrundsatz fallen.
Lieber einmal "zu viel" bremsen, stehenbleiben und passieren lassen
- dabei den Gegenverkehr beachten! - als daß dir ein Mensch ins Radl rennt.
- Hunde, Katzen, Hasen, Rehe und anderes (noch) lebendes
Getier: Kaum zu glauben, aber schon erlebt, daß einem mitten in Wien eine
Katze vor den Vorderreifen springt. Daß Hundebesitzer ihre Lieblinge nicht
immer an die Leine nehmen oder gar unbeaufsichtigt auf der Straße herumlaufen
lassen, während sie selbst im Wirtshaus zechen, haben wir ebenfalls schon
unfallsmäßig erfahren müssen.
Eher auf der Freilandstraße können dir Wildtiere begegnen. Bedenke,
daß Rehe Rudeltiere sind und dort, wo eines sichtbar wird, meist noch andere
sprungbereit in den Büschen lauern.
In der Luft
- Wind und Windböen sind lästig. Ist der Wind
sehr stark, nimmst du eine gewisse Schräglage ein und hoffst, daß der
Windstoß sanft nachläßt und nicht plötzlich abbricht. Mit
steigender Fahrpraxis macht es später sogar Spaß, mit den Böen
zu spielen.
- Besonders bei stürmischem Wetter weht es Gegenstände
wie Plastikplanen, Papierfetzen oder Kartons durch die Luft, die zwar nicht wirklich
gefährlich sind, aber trotzdem im Auge behalten werden sollten, um ihnen
eventuell auszuweichen.
- Insekten und Steine, die gegen den Helm knallen, können
einen spontan aus träumerischem Fahrtgenuß reißen - und erschrecken.
Ruhig bleiben und sich anschließend nicht zu sehr von den über das
Visier schlierenden Eingeweiden der eben verschiedenen Hummel ablenken lassen.
Nicht während der Fahrt wegwischen - das kann die Sicht noch mehr trüben.
Lieber stehenbleiben und Visier gründlich reinigen.
- Selten aber doch kannst du unter einen Vogelschwarm
geraten. Diese Tierchen tun dir nichts, wenn sie hoch genug fliegen, aber es kann
bei wolkenlosem Himmel plötzlich zu "regnen" beginnen. Weniger
gefährlich, eher mit intensivem Putzen der Lederkluft verbunden.
- Achte auf Vögel über und neben der Fahrbahn.
Wenn sie mit dir kollidieren, kann das böse enden. Kann der Zusammenprall
nicht mehr verhindert werden, übernimm den Vogel möglichst mit der Helmschale.
Schau ihn nicht bis zum letzten Moment an - sonst kracht er dir aufs Visier oder
ins Gesicht!
- Autofahrer werfen glühende Zigarettenstummel aus
dem Fahrzeug. Gegen die kannst du dich nur mit entsprechender Kleidung (Jacke
geschlossen und Handschuhe) schützen.
- Autofahrer putzen an Kreuzungen gerne ihre Windschutzscheiben,
ohne darauf zu achten, ob ein Motorradfahrer hinter ihnen steht. Somancheiner
bekam das scharfe Putzmittel schon in die Augen. Schlimm, wenn du noch
stehst, noch schlimmer, wenn es während der Fahrt bei höherem Tempo
auf Bundesstraße oder Autobahn passiert!
- Donner, Blitz und Regenschauer. Fallen die ersten Regentropfen
vom Himmel, glaube ja nicht, daß das "eh gleich wieder aufhört".
Sofort anhalten und die Regenkombi überstreifen! Später bist du dann
schon naß und dann entwickelt sich unter der Kombi ein saunaähnlicher
Zustand.
- Obst und Tannenzapfen von oben. Mit diesen Gaben der
Natur solltest du immer rechnen, wenn du unter Bäumen durchfährst.
Eine
lange Liste, die sicher nicht vollständig ist. Unzählige Gefahren, die
von allen Seiten über dich herfallen, die deine Konzentration zu 100 % beanspruchen
und deine Reaktionsfähigkeit permanent auf die Probe stellen.
Willst du dir das wirklich antun und auf deinem Zweirad durch die Landschaft
brausen?
Klar!
Die Faszination des Bikens wurde oft abgehandelt und die individuellsten Gründe
gefunden.
Die erste Zeit (die erste Saison) ist hart. Sehnenscheidenentzündig, Schmerzen
in den Händen nach 100 - 130 km; die "Kleinigkeiten", die so passieren
und dir den Schreck durch die Glieder jagen; und das mulmige Gefühl im Magen
vor jedem Fahrtantritt, das jedoch schnell verfliegt, wenn du die ersten paar
Meter gefahren bist.
Entweder du gibt in der ersten Saison auf und sagst: "Das ist nichts für
mich." Dann ist es in Ordnung und besser, als wenn du dich permanent mit
Angst im Bauch unsicher durch den Verkehr quälst.
Oder du hältst durch.
Im Laufe der gefahrenen Kilometer wirst du sicherer.
Dann fängst du an zu genießen.
Und der Virus "Motorrad" hat wieder einmal voll zugeschlagen.
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