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Nach
deinem ersten Motorrad bist du auf alle Fälle klüger, denn dann weißt
du bereits, was du wirklich willst. Für die Auswahl deines ersten sind ein
paar grundsätzliche Überlegungen wichtig, damit du - neben dem optischen
Genuß - auch eine Menge Fahrspaß hast.
Die hier gegebenen Tipps sind sicher nicht auf jedes Motorrad anwendbar. Sie sollen
lediglich eine Richtlinie darstellen, was bei der Auswahl eines Modells zu beachten
ist, wenn du damit Touren fahren willst. (Ring- und Motocrossfahren sind hier
nicht berücksichtigt.)
Sportlich - Tourer - Chopper - Enduro
Am sportlich gestylten Motorrad liegst du am Tank, die Beine sind ziemlich angewinkelt.
Für längere Strecken bei höherer Geschwindigkeit ist das eine ungeeignete
Körperhaltung.
Der Tourer bietet dir den besten Komfort. Neben einer leicht vorgeneigten, aber
doch schon sehr aufrechten Haltung ist auch die Beinstellung bequemer.
Der Chopper bietet eher bequeme "Lehnstuhlhaltung", wobei von "bequem"
nur bei kurzen Strecken die Rede sein kann. Die vorgestreckten Beine können
u.U. auf längeren Strecken einschlafen.
Auf einer "Touren-Enduro" läßt sich eine bequeme Sitzhaltung
einnehmen, während eine echte Offroad-Enduro keinerlei Komfort für längere
Strecken bietet.
Längeres Probesitzen ist wichtig, besonders dann, wenn du vor hast, auch
einmal 500 km am Stück zurückzulegen. Nimm dir Zeit!
Kommen die Beine bequem auf den Boden? Sitzt du angenehm im Sattel?
Solltest du vor haben, jemand am Sozius mitzunehmen, probiere auch diesen Sitz
aus. Auf manchen Motorrädern ist die Sattel-Fußraster-Entfernung gerade
für einen Schimpansen geeignet.
Koffer oder Netz?
Auf einem Sportler Koffer anbringen zu wollen, ist oft ein Ding der Unmöglichkeit.
Willst du mit einem derartigen Motorrad etwas befördern, kannst du es in
eine Tasche packen und mit einem (im Handel erhältlichen Netz) festspannen.
Der Nachteil: Das Gepäck ist unversperrt, du darfst das Radl keine Sekunde
aus den Augen lassen.
Bei einem Touren-Motorrad ist die Montage eines Kofferträgers meist kein
Problem.
Für Chopper gibt es ein großes Sortiment an Taschen, doch sind diese
meist aus Leder und somit nicht 100%ig wasserdicht.
Für Touren geeignete Enduros bringen auch die Bereitschaft mit, sich Koffer
aufladen zu lassen.
Ein Offroad-Gerät verweigert total.
Seitenständer und Hauptständer
Manche Motorräder haben nur einen Seitenständer. Es gibt (gar nicht
so teure) Motorradheber oder Montageständer, um zB. leichter die Kette zu
schmieren oder etwas zu reparieren. Dazu, das Radl auf der Straße damit
stehen zu lassen oder zum Mitnehmen sind diese Geräte aber nicht geeignet.
Mit einem Hauptständer steht das Motorrad sicherer, die Stoßdämpfer
werden entlastet und die Wartung ist einfacher.
Zubehör und Ersatzteile
Bevor du den Kauf abschließt, starte einen Testanruf beim Zubehörhändler
und erkundige dich, ob du für dieses Modell zB. einen Kofferträger,
ein anderes Windshield, einen neuen Sattel, einen Auspuff (oder irgend etwas anderes)
bekommen könntest, wie lange die Lieferzeit ist und wie viel das Teil kostet.
Der Verkäufer des Motorrades kann schwören, was er will - manchmal stellt
sich in der Praxis heraus, daß Zubehör nur sehr schwer oder gar nicht
zu bekommen ist, besonders, wenn das Modell älter ist oder in einer geringen
Auflage produziert wurde.
Plastik oder Naked?
Verschalungsteile sind sehr teuer. Sie bei jedem kleinen Schaden nachzukaufen,
geht ganz schön ins Geld. Man kann sie aber auch mit einem 2-Komponenten-Kleber
in Kombination mit einem Verstärkungsgitter kleben. Viel Plastik bedeutet
u.U. viel kleben. Fällt das Motorrad um, ist schnell ein Teil gebrochen.
Bei älteren Gebrauchtmodellen kann durch diverse Erlebnisse der Vorbesitzer
die Verschalung verzogen sein. Es reißen Teile. Die gehören dann schnell
geklebt, bevor sie ganz brechen.
Hast du Lust zu Bastelarbeiten? Wenn nicht, suche dir ein Motorrad ohne viel Plastik!
Putzen ... putzen ... putzen ...
Weiße Felgen und viel Chrom = viel putzen. Überlege vor dem Kauf, ob
du auf Dauer die Zeit dazu hast und immer wieder den inneren Schweinehund überwinden
kannst, nach jeder Tour zumindest kurz über das Radl drüberzupolieren.
Von Zeit zu Zeit mußt du bei viel Chrom und hellen Farben auch einen Intensiv-Putztag
einplanen.
Natürlich kann man weiße Felgen auch umfärben - allerdings ist
auch das mit Arbeit verbunden.
Reichweite und Motorleistung
Manche Motorräder (wie zB. die kleine TZR 125) sind für die Rennstrecke
gebaut, also für kurze Höchstleistungen über ein paar Kilometer.
(Als Anfängerfahrzeug ist die TZR, ein wendiger 2-Takter, für die erste
Saison durchaus geeignet.) Ein derartiger Motor braucht alle 60 - 100 km eine
ausgiebige Ruhepause und spielt nicht mit, wenn man von ihm verlangt, an einem
Tag von Wien nach Triest und dann durch Griechenland zu fahren.
Motorbremse
Zweitakter sind interessante Fahrgeräte, haben aber den Nachteil, daß
sie keine Motorbremse haben. Längere Strecken bergab fahren, ist ziemlich
schwierig, da nur mit den Bremsen gebremst werden kann, und bei älteren Modellen
zusätzlich Schmiergas gegeben werden muß.
Neu oder gebraucht?
Beim Kauf einer Gebrauchten mußt du die Kosten für Sevice (soferne
der Verkäufer nicht ein kürzlich durchgeführtes belegen kann),
Besserungen (zB. Sattel frisch überziehen lassen, Kofferträger nachrüsten,
neue Reifen oder Antriebssatz) zum Verkaufspreis dazurechnen.
Weniger seelisch schmerzhaft ist es, wenn dir eine Gebrauchte umfällt.
Bei Neufahrzeugen kommt zur anfänglichen Unsicherheit auch noch die Angst
um die unzerkratzte Außenhaut dazu.
In beiden Fällen ist ausgiebiges Probesitzen wichtig. Bei Neufahrzeugen im
Schauraum kann es sein, daß du problemlos mit den Füßen Bodenkontakt
hast, wird das Motorrad ausgeliefert, paßt das Größenverhältnis
plötzlich nicht mehr - du sitzt zu hoch. Ausstellungsfahrzeuge sind manchmal
noch nicht fahrtauglich gemacht, die Reifen beinhalten weniger Luft, als sie sollen.
Das Radl tiefer zu legen ist oft mühsam und mit hohen Kosten verbunden. Eine
zusätzliche dicke Sohle auf den Stiefeln und eine Schicht Schaumgummi aus
dem Sattel entfernt, gleicht das Manko wieder aus.
Kaufvertrag
Ein Kaufvertrag ist in gedruckter Form beim ÖAMTC erhältlich, du kannst
ihn aber auch hier downloaden.
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Oft - und so auch bei mir selbst - trifft beim Motorrad der altbewährte
Spruch zu:
Das erste für den Feind,
das zweite für den Freund,
das dritte für sich selbst.
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