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Immer
wieder hören wir von dem unguten Gefühl bei dem Gedanken, eine Fahrt
mit dem Motorrad zu machen, das sich kurz vor dem Aufsteigen noch verstärkt.
Bei den meisten verschwindet es nach den ersten gefahrenen Metern - auch mir geht
es so - und dann frage ich mich: "Wozu die Grübelei? Ist doch eh alles
leiwand!"
Geht es dir auch so? (Diese Frage wird eher von Frauen mit "Ja" beantwortet
als von Männern.) Wenn "Ja", dann solltest du nach der Ursache
forschen! Hast du sie gefunden, kannst du auch etwas dagegen tun. Dazu ein paar
Anregungen.
Angst vor dem eigenen Hoppala (z.B.
umfallen)
Warum
fällt ein/e Motorradfahrer/in um? Zu wenig Kraft, um die 320 kg daran
zu hindern, sich hinzulegen; das Handling "im Stand" klappt nicht
so richtig; Unsicherheit besonders beim langsamen Anfahren; schlecht
gepackt; Stress beim Losfahren ... und ... und ... und
Tu was!
Kraft läßt sich aufbauen - sei es ganz nobel im Fitness-Studio oder
auf dem heimatlichen Wohnzimmerteppich. Beansprucht werden beim Motorradfahren
so ziemlich alle Muskeln (in haarigen Situation sogar der Darmschließmuskel).
Arme und Beine sind klar. Auf Hals- und Nackenmuskulatur sowie auf Schulter- und
Rückenmuskeln wird oft vergessen.
Tu was!
Besseres Handling und mehr Sicherheit beim langsamen Anfahren erreichst du durch
Übung. Übe, so oft es geht: alleine, mit geduldigen Freunden oder bei
Fahrsicherheitstrainings.
Tu was!
Scheue dich nicht davor, in einer schwierigen Situation einen anderen (Motorradfahrer)
zu bitten, dir zu helfen oder dich abzusichern. Sage ihm auch genau, wie
er dich unterstützen soll. Alleine die Tatsache, dass jemand im Not- bzw.
Kippfall zupacken könnte oder dich beim Ausparken gegen den fließenden
Verkehr absichert, beruhigt.
Rudi und ich unterstützen einander des öfteren, besonders dann, wenn
wir auf muggeligem Naturboden parken oder schwer bepackt durch Griechenland reisen.
Es ist absolut keine Schande, sich helfen zu lassen und allemal besser als umzufallen.
Unsicherheit und Stress beim Losfahren sind starke Bündnispartner in Sachen
Hoppala. (Ein guter Freund der beiden ist die Müdigkeit.)
Sei es in der Gruppe oder alleine: Lass dich nie drängen! Fahre nie Motorrad
unter Zeitdruck! Mach ausreichend Pausen und erhole dich! (Motorrad fahren ist
viermal so anstrengend wie Auto fahren!)
Ich gestehe: Mich nervt es, wenn Rudi bereits mit laufendem Motor abflugbereit
an der Parkplatzausfahrt steht und mich im Rückspiegel beobachtet, während
ich mir, gerade einmal behelmt aber nicht einmal noch aufgestiegen, die Brille
auf die Nase fummle.
Alleine geht es besser. In Ruhe das Motorradfahrer-Anzieh-Ritual durchführen,
ein paar nette Worte zum Reittier, Grundsätzliches überprüfen (Rückspiegelstellung,
Tankinhalt etc.), Radl konzentriert vom Hauptständer schaukeln, Joker, starten,
Licht an - noch ein letzter Blick über die Armaturen und dann losgeprötelt.
Tu was!
Um Stress zu vermeiden, genügt oft schon ein klärendes Gespräch
mit dem oder den Fahrkollegen (z. B. könnt ihr vereinbaren, dass der/die
erst dann anstarten, wenn du ihm bzw. ihnen ein Zeichen gibst, dass du abfahrbereit
bist).
Anders beim Einparken, wenn durch deine Rangiermanöver Autofahrer anhalten
müssen, weil du ihre Fahrspur blockierst. Der Typ in der Dose hat keine Ahnung,
wie schwer es sein kann, wenn du, den Wocheneinkauf in den drei Koffern verstaut,
höchst behutsam versuchst, die nun 350 kg retour zu schieben, wo dir - im
Gegensatz zu ihm - der mittlere Rückspiegel fehlt und eine 180°-Wendung
des Kopfes nicht möglich ist. Die Situation verschärft sich, wenn du
unter deinen Sohlen Rollsplitt fühlst, die Fahrbahn schräg abfällt
und der Sprit im Tank wieder einmal genau auf jenem Pegel steht, bei dem die schwankende
Antriebsflüssigkeit dem Radl eine interessante Eigendynamik verpasst.
Nun beginnt der Unwissende auch noch zu fuchteln, zu schimpfen und hektisch zu
hupen, auf dass du endlich den Retourgang einlegen mögest oder - noch besser
- die spontane Auflösung in Luftpartikel durchziehst.
Tu was!
Lass dich ja nicht aus der Ruhe bringen! Lächle ihm freundlich zu, fluche
in deinen Helm hinein oder stimme ein fröhliches Lied an - was auch immer!
Aber streite nicht mit ihm und denke stets daran: Wenn du in der Hektik nicht
aufpasst und umfällst, hast du den Schaden - denn der Nervtöter gibt
Gas und verflüchtigt sich!
Angst vor technischem Versagen des Motorrades
Als mir das Kupplungseil bei meiner relativ neuen Deauville - stehend und wartend,
dass der Kreisverkehr frei wird - riss, überlegte ich, was wohl passiert
wäre, wenn mir das auf der Autobahn bei höherem Tempo geschehen wäre.
Eine
halbe Stunde nach der provisorischen Reparatur verabschiedete sich die Tachowelle.
Mein Vertrauen in die Technik war nach diesen Ereignissen zutiefst erschüttert.
Was passiert noch alles? Reifenplatzer? Elektrik tot? Motorschaden?
Tu was!
Beschäftige dich mit deinem einspurigen Untersatz! Dein Leben - oder auch
das erfolgreiche Ende einer Tour - hängt davon ab. Investiere Zeit, lies
die Betriebsanleitung oder das Reparaturhandbuch und lass dir von einer Person
deines Vertrauens erklären, worauf du schauen musst: Reifen, Züge, Hydraulik,
Bremsen, Körperflüssigkeiten, Kette ... und ... und ... und ... Wo befinden
sich bei deinem Radl die Sicherungen? Hast du Ersatz mit? Was können die
Gründe sein, wenn ein Teil den Geist aufgibt?
Je vertrauter du mit den einzelnen Komponenten deines Gefährtes bist, umso
eher erkennst du sich anbahnende Schäden. Hast du niemanden, der dir die
Technik kompetent erklärt, schau dich nach einem Motorrad-Klub in deiner
Umgebung um. Manche haben sich auf Technik und Schrauberei spezialisiert, verfügen
über eine gut ausgestattete Werkstatt und geben ihre Erfahrungen gerne an
Einsteiger weiter (z.B. "moto bike club austria", Schwechat/Nö).
Angst vor einem durch andere verschuldeten
Unfall
Zwei Gründe sind hier meist die Ursache: ein mieses Erlebnis oder alte
übernommene Denkmuster. Lösungsansätze greifen hier in den psychologischen
Bereich über, deshalb von mir nur einige Denkanstöße.
Ein bösartiges Erlebnis, ein Unfall oder eine Situation, die dir vor Schreck
das Blut in den Adern gefrieren ließ, verankert sich im Unterbewußtsein,
welches sich ja alles merkt und dem Bewußtsein zum Eigenschutz vor denselben
bösen Erfahrungen in der gleichen oder einer ähnlichen Situation einen
Riegel vorschiebt.
Als mir ein 2-1/2-jähriges Kind ins Motorrad lief (dem Kind und mir ist nichts
passiert - lediglich die Verschalung hatte ein riesen Loch), brauchte ich über
ein Jahr, um nicht mehr hinter jedem parkenden PKW (besonders den roten) ein startbereites
Kleinkind zu vermuten.
Nach einem Unfall oder einer lebensgefährlichen Situation braucht es seine
Zeit, bis man das Vertrauen zu anderen Verkehrsteilnehmern wieder aufbaut.
Tu was!
In dieser Zeit: mit Freunden darüber reden (hat mir sehr geholfen!), ev.
sogar professionelle Hilfe (Psychologe, Seminar, Esoterik-Gruppe - was eben auf
deiner Linie liegt) in Anspruch nehmen.
Und: Aufsteigen und fahren! Vorsichtig und so, dass du dich einigermaßen
sicher fühlst. Falsch: Nicht Motorrad fahren und darauf warten, dass die
Angst nachläßt - dann besteht die Gefahr, dass du nie wieder im Sattel
sitzt!
Der Bammel vor dem Motorradfahren wird somancheinem bereits in der Kindheit von
besorgten Eltern, Verwandten, Bekannten - unterstützt von der Sensationsberichterstattung
der Medien - ganz unbewußt eingepflanzt.
"Motorradfahrer = Organspender!" - "Motorrad fahren ist gefährlich!"
- "Seit 40 Jahren mit dem Motorrad unterwegs - und da lebst du noch???"
Mein Vater verbot mir strikte, auf einem einspurig motorisierten Fahrzeug auch
nur mitzufahren - den B-Schein sah er dagegen als zweite Geburtsurkunde an. Auch
in mir steckt tief verwurzelt das Gedankenmuster meiner Eltern und die angstmachende
Propaganda der Medien. Klar ist Motorradfahren nicht ungefährlich - wenn
ich mir jedoch die TV-Sendung "Notruf" ansehe und gezeigt wird, wo überall
Gefahren lauern, wird die Angst meines Vaters, die er an mich weitergegeben hat,
etwas entkräftet.
Tief verwurzelte Verhaltensmuster abzulegen, ist eine komplizierte, individuelle
und langwierige Sache. Sollte ich dafür eine allgemein gültige Lösung
finden, werde ich hier darüber berichten.
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