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PEPPIS
WOCHENENDEN
Am nächsten
Bikerfest, das Peppi besucht, ist er mutiger. Er hat schon gemerkt, dass die,
die in Gruppen beieinanderstehen und wo MC hinten draufsteht, nicht sonderlich
erpicht auf die Gesellschaft eines Frischlings wie ihn sind.
Aber
es gibt auf solchen Treffen ja auch noch viele andere Clubs und Freebiker, mit
denen man am besten dort ins Gespräch kommt, wo die Motorräder parken.
Gemeinsames Bewundern und Nase rümpfen verbindet - doch sollte man mit dem
Ausstallieren vorsichtig sein: Der, mit dem man gerade plaudert, könnte der
Besitzer des kritisierten Radels sein!
Die "Altspatzen"
merken natürlich alle gleich, dass Peppi ein Neuling ist, sowohl was die
Szene als auch das Motorrad fahren angeht. Sie ziehen ihn manchmal ganz schön
auf, wenn er etwas fragt. Aber er macht sich nichts draus, lacht mit und bekommt
dann immer auch eine "g'scheite" Antwort.
Wenn Peppi
einen Tipp bekommt, was seine Fahrtechnik betrifft, hockt er sich gleich am nächsten
Tag auf's Radl und probiert es aus. Das hilft ihm viel, seinen Fahrstil zu verbessern.
Er kommt aber auch bald drauf, dass nicht alle Tipps wirklich g'scheit sind.
"Wo 70
km/h angeschrieben sind, musst du auch 70 km/h fahren, sonst behinderst den Verkehr",
meint einer. - "Das kann's aber nicht sein", denkt sich Peppi, "dass
ich wegen den anderen eine Kurve in einem Tempo fahren muss, mit dem ich noch
nicht zurecht komme und die Feldfurchen glatt radiere." Womit er völlig
Recht hat.
Oder ein anderer:
"Wenn du mit Halbschalenhelm fährst, dann kannst du an der Stärke,
wie dir die Fliegen ins Gesicht klatschen, spüren, wie schnell du fährst.
Im Vollvisierhelm hast keinen Bezug zur Umwelt!" - "Wozu habe ich denn
einen Tacho?" denkt sich Peppi, sagt laut "Aha!" und fährt
weiter mit Vollvisierhelm, weil er sich mit dem sicherer fühlt.
Auf seinem
vierten Bikerfest hat Peppi das erste persönliche Highlight in seinem Szene-Leben.
"Hallo!" ruft da einer zu ihm hinüber, stürzt auf ihn zu und
drückt ihm freundschaftlich die Hand. "So sieht man sich wieder! Du
warst doch auch bei den Fliegenbeißern ihrem Festl!"
Peppi war - und ist ganz stolz, dass sich der bärige Biker an ihn erinnert.
Und das passiert ihm im Laufe des Sommers immer öfter. Manchmal fragt er
auch die Clubs, mit denen er sich gut versteht, so beiläufig, welche Feste
sie in nächster Zeit ansteuern - und fährt dann auch hin. Wenn man schon
jemanden auf einem Festl kennt, ist es gleich viel lustiger.

Irgendwann im Juli
passiert es. Peppi ist gerade am Parkplatz vom Bikerfest aus dem Sattel gestiegen,
da bleibt einer vor seinem, ganz und gar nicht interessanten Radl (findet er,
der Peppi) stehen und mustert es mit kritischem Blick.
"Die Gab'l, die g'hört tiefer", stellt er fest. - "Glaubst?"
fragt der Peppi. - "Jo. Wegen dem hohen Schwerpunkt lenkst schwerer in der
Kurve. Wennst den Lenker um einen halben oder einen Zentimeter runtersetzt, kommst
leichter in die Schräglage."
Peppis Gesichtsausdruck ist ein einziges Fragezeichen.
"Hast Zeit?" fragt der Typ, sichtlich ein Freebiker. "Dauert nur
ein paar Minuten. Man kann's auch wieder rückgängig machen wenn's dir
nicht taugt."
Das mit dem "rückgängig" beruhigt den Peppi ungemein. Bevor
er etwas sagen kann, schiebt der andere das Motorrad hinüber in die Scheune,
die - zu Peppis größtem Erstaunen - eine voll ausgestattete Werkstatt
beherbergt.
"Ich mach schnell was", ruft der Gabel-Kritiker einem der Gastgeber
zu, der gerade etwas an seinem Bike schraubt. "Derf i eh, gö?"
- "Jo, Fritzl, geht scho!" sagt der.
Fritzl bockt
das Radl auf, löst die Lenker-Befestigungsschrauben und klopft den Lenker
rechts und links gleichmäßig hinunter. Dann misst er den Abstand mit
der Schublere nach. "Gleichmäßig 0,9", stellt er fest und
schraubt die Schrauben wieder fest.
"So, jetzt fahrst a Runde. Wennst bei einer Tankstelle vorbeikommst, gibst
ihr vorne und hinten um 0,3 mehr als im Bücherl steht, dann geht's noch besser",
rät Fritzl - "Luft rein
", murmelt Peppi, und: "...
um 0,3 mehr ...", damit er es ja nicht vergisst.
Tatsächlich,
Fritzl hat Recht! Besonders durch die engen Kurven geht sie jetzt viel leichter.
An einer Tankstelle gibt er ihr noch Luft. Auch das macht sich bei der Rückfahrt
positiv bemerkbar.
Zurück
am Platz sucht der Peppi den Fritzl und findet ihn an der Bar.
"Und?" fragt der. - "Super!" grinst Peppi. "Dein nächstes
Bier geht auf mich!"
Der Fritzl
ist ein ganz klasser Typ, der auch noch haargenau das gleiche Motorrad besitzt
wie der Peppi. Sie verstehen sich auf Anhieb. Er bietet dem Peppi sogar an, mit
ihm zu fahren und ihm ein paar Tricks beizubringen.
"Einen Wheely?" fragt Peppi mit leuchtenden Augen. - "Den üben
wir dann, wenn'st die Kurven g'scheit dapackst", grinst der Fritzl, nimmt
ihn bei der nächsten Tour ins Schlepptau und zeigt ihm erst einmal die richtige
Blicktechnik und eine bessere Kurvenlinie.
Peppi ist begeistert.
Meistens treffen sie einander, der Fritzl und er, am Samstag bei einem Bikerfest
und machen am Sonntag eine gemeinsame Tour. Der Fritzl hat sehr viel Geduld mit
dem Peppi - muss er auch, denn was lernt man schon viel in der Fahrschule in den
paar Stunden? Und der Peppi ist glücklich, weil er schon ein bisschen besser
fahren kann und jemanden gefunden hat, der ihm das Motorrad erklärt.

©
Tatjana Suchovsky 2005
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