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EIN NEUER CLUB ENTSTEHT
Peppi hat in diesem Sommer außer dem Fritzl noch zwei Kumpels gefunden,
den Kurtl und den Eddi, mit denen er oft zusammen fährt, mit denen er sich
gut versteht und mit denen er sich regelmäßig in der Stammkneipe trifft.
An so einem Abend zu später Stunde beschließen sie, einen Club zu gründen.
"Einen MC?" fragt Peppi skeptisch. Er hat sich auf den Festln schon
schlau gemacht. Ein MC muss für gewöhnlich mindestens sechs Mann hoch
sein, er muss bei den anderen MCs bekannt und akzeptiert sein, sie immer wieder
besuchen, eine Probezeit durchmachen und gewisse Regeln einhalten. Die Clubabende
müssen verpflichtend besucht werden und zu bestimmten Terminen müssen
die Member ohne Frauen erscheinen. Und ein MC muss ein eigenes Clubhaus haben.
Mit Treffen in der Stammkneipe läuft da nix.
Besonders das mit dem Clubhaus stößt dem Peppi sauer auf, denn um so
etwas auf die Beine zu stellen, muss ein passendes Haus gefunden werden, es muss
her- und eingerichtet werden und dafür geht eine Menge Zeit und Geld drauf.
Seine karge Freizeit nutzt Peppi lieber zum Motorrad fahren und das wenige Geld,
das ihm bleibt, lässt er lieber in Form von Sprit in den Tank seines Radels
rinnen.
Und das mit den Frauen stört ihn natürlich auch.
"Nein", meint Fritzl, der sich in der Szene ganz gut auskennt. "Eine
MFG oder einen BSt. So etwas braucht man nicht einmal bei der Vereinspolizei melden."
- "Was ist denn so schlimm an der Vereinspolizei?" erkundigt sich Kurtl.
- "Da brauchst einen Präsidenten, einen Vice, einen Kassier, einen Schriftführer,
einen Kassier-Stellver
" - "So viele sind wir ja gar nicht",
wirft der dicke Eddi ein. - "Außerdem", fährt Fritzl unbeirrt
fort, "musst den ganzen Papierkram machen und ein Kassabücherl führen.
Da müssen wir Sitzungen machen, einer muss Protokoll führen und und
und." - "Das ist nix!" lehnt Kurtl entschieden ab. "Da kommt
man ja nicht mehr zum Fahren!" -
"Eben", grinst Fritzl. "Aber einen Namen brauch ma!"
Ui, der Abend wird
lang. Er dauert, bis die Sonne aufgeht. Aber dann haben sie ihn, den Namen: die
"MFG Rolling Bisons".
"Aber wenn's die schon gibt?" schießt es Peppi ein. "Oder
so was ähnliches. Ich will nicht so heißen wie wer anderer!" -
"Stimmt", bestätigt ihn Fritzl. "Wenn die Scheiße bauen,
glaubt man vielleicht, wir waren's." - "Oder umgekehrt", grinst
Eddi. "Aber ich glaub', das wär auch nicht optimal!"
Sie beschließen, der Sache nachzugehen. Peppi im Internet und Fritzl
würde ein paar Bekannte aus der Szene anrufen.
Am nächsten Abend - Ort: Stammkneipe - sind die Gesichter lang.
"Da gibt's den Black Bisons MC", berichtet Peppi, "und einen ganzen
Haufen, der bereits rollt." Fritzl bestätigt das.
Also wird es wieder eine lange Nacht. Nun besser informiert, einigen sie sich
nach Stunden und unzähligen Bieren auf "MFG Speichendreher".
"Und wie erfahren wir, ob es die wirklich noch nicht gibt?" fragt Peppi
in die Runde.
Fritzl weiß die Lösung: "Zuerst ruf ich einen von der ÖBU
an - die wissen das sicher, und wenn die nix dagegen haben, melden wir es in einer
Biker-Zeitschrift. Von mir die Handynummer dazu und vom Peppi die Email, dann
passt es." -
"Was passt da?" will Kurtl wissen. Im Knieschleifen ist er Meister,
nur im Denken ein bisserl schwach.
Fritz erklärt es ihm ganz langsam: "Wenn was nicht passt
"
- "Ich hab geglaubt, es passt", unterbricht ihn Kurtl. - "Wenn
jemand etwas dagegen hat oder den Namen gibt es schon, kann er anrufen oder mailen
und es sagen. Und wenn sich keiner rührt, dann passt es." - "Ach
so", brummt Kurtl. "Kann ich jetzt nach Haus? Mir fallen schon die Augen
zu."
"Nein!" ruft Eddi ganz fipprig. "Wir brauchen noch eine Zeichnung,
ein Logo
ein Patch!" - "Stimmt", meint Fritzl und wirft
einen zweifelnden Blick auf Kurtl, der, den Kopf auf den Armen und die Arme am
Tisch, bereits sanft entschlummert ist.
Am nächsten
Abend kommen sie alle zum Eddi, denn der hat eine Freundin, die Elfi, die super
zeichnen kann. Die Vier haben schon eine Vorstellung, aber so ganz einfach umzusetzen
ist sie nicht. Die Zeichnung darf nicht zu kompliziert sein und muss in klaren
Farben gestaltet werden, dann geht es leichter bei der Aufnäherproduktion.
Es soll ganz klein gut ausschauen (für die Website und das Briefpapier),
aber auch in groß, wegen der T-Shirts, die sie sich machen lassen wollen.
Aber die Elfi, die schafft das.
"Und was machen wir jetzt damit?" fragt der Kurtl, hebt den Zettel hoch
und schaut die Zeichnung begeistert an. - "Das kopieren wir in Farbe und
geben es dazu in der Zeitschrift", erklärt Fritzl. - "Und wenn
keiner was dagegen hat, lassen wir uns schöne Aufnäher machen!"
freut sich Eddi mit glänzenden Augen. - "Aber keine großen für
den Rücken, gelle?" fragt Peppi vorsichtig. "Sonst hat vielleicht
ein MC was dagegen." - "Kleine", bestätigt Fritzl. "Die
können sich die anderen Biker dann auch auf ihre Kutten nähen."
Eine Runde Bier muss her, dann wird auf das schöne Logo und die Elfi angestoßen.
"Ich werd's aber noch ein paar Leuten aus der Szene zeigen", meint Fritzl.
"Kann nix schaden."
Sie tun wie beschlossen. Fritzl zeigt's her und dann schicken sie alles an
die Redaktion. Nervös erwarten sie die nächste Ausgabe der Zeitschrift.
Ihre MFG-Gründung steht drinnen, samt Telefon, Email und Zeichnung:
Wir,
die MFG Speichendreher aus dem Raum Kleinbiberfeld geben nach Rücksprache
mit den umliegenden MCs unsere Gründung bekannt. Gleichzeitig stellen wir
unser Patch vor, das wir auf der Vorderseite unserer Kutten tragen wollen. Das
Tragen eines Rückencolours wird nicht angestrebt. Eventuelle Einwände
gegen Namen und Patch bitte an Fritzl: 0664/12345678 oder Peppi peppi.strohberger@abc.at. |
Noch spannender werden die 14 Tage danach, die sie als Einspruchsfrist gesetzt haben. Aber keiner ruft an. Keiner mailt.
Die neue MFG Spreichendreher ist somit akzeptiert. Die Feier lässt den Abend
wieder sehr, sehr lang werden - und die Elfi ist mit dabei!
(Noch mehr zur
Club- und MC-Gründung auf www.biker.at.
Weitere Kapitel bereits in Arbeit.)

© Tatjana Suchovsky 2005
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