

In einer Zeit, in der die EU bestrebt ist, die Gleichstellung von Mann und Frau zu
forcieren, bleibt von emanzipierten Freebikerinnen der Ruf nach Frauen-Clubs und
die Frage nach mit Memberinnen besetzten MCs nicht aus.
Zücken wir also den Taschenrechner:
Von den ca. 300.000 österreichischen MotorradfahrerInnen sind ca. 40.000
Frauen. 6 % der 300.000 MotorradfahrerInnen sind in einer Motorrad fahrenden Vereinigung.
Theorietisch müssten das also 2.400 Frauen sein.
Diese dividieren wir durch 9, kommen auf jedes Bundesland rd. 266 Frauen in MRCs.
Ziehen wir von den ca. 1.000 in Österreich bestehenden Motorrad fahrenden
Vereinigungen ca. 150 MCs ab, kommen - rein rechnerisch - auf jede "andere
Vereinigung" rd. 3 selbstfahrende Frauen.
Frauen kommen nach den Erzählungen, die wir gehört haben, hauptsächlich
über ihren Mann oder Freund zum Motorrad, zuerst meist mit- und später
selbstfahrend. Also: Wenn schon in einem Club, dann in jenem, in dem auch der
Partner fährt.
Uns
sind gerade drei Frauen-Clubs in Österreich bekannt (sollte es noch andere
geben, schickt uns bitte ein Mail!):
Die "Ladies of Harley" (eine Untergruppe der HOG), die "Speed Cats
Vorarlberg" und die "Housedragons"
aus Wien.
MCs sind im Gegensatz zu "allem anderen" reine Männersache - das
war schon so, lange bevor die EU beschloss, dass künftig auch Männer
Windeln wechseln und den Haushalt machen sollen.
Noch um 1900 verweigerte man(n) den Frauen das Wahlreicht - unvorstellbar, dass
eine Frau eine Stimme haben könnte! Genau so unvorstellbar ist für die
ÖBU sowie für viele MCs in unseren Tagen ein Frauen-MC. Nehmen wir -
natürlich rein fiktiv - an, einige Damen, die die bereits angesprochene Lebensideologie
in ihren Herzen tragen, würden es tatsächlich schaffen, als Anwärter
für einen Frauen-MC akzeptiert zu werden. Dann müssten sie als emanzipierte
Frauen neben Power-Job, Familienmanagement, Aufzucht des Nachwuchses und effizienter
Haushaltsführung auch noch Motorrad fahren und gewillt sein, in all das ein
zeitaufwendiges Leben als MC-Memberinnen zu integrieren, ein Clubhaus zu schaffen
und zu erhalten, einander mehrmals in der Woche zu treffen und andere MCs zu besuchen
bzw. Besuche zu empfangen.
Die optimale Frauen-MC-Frau müsste also Single und kinderlos sein, gut verdienen,
sehr selbständig und technisch sowie handwerklich versiert sein oder einen
Partner haben, der sämtliche häusliche Arbeiten zu ihrer Zufriedenheit
erledigt, sich um die Kinder kümmert und nichts dagegen hat, dass er sein
Weibchen kaum mehr zu Gesicht bekommt.
Mag
sein, dass es unter den ca. 40.000 Motorradfahrerinnen in Österreich eine
Handvoll davon gibt, nur sind die höchstwahrscheinlich regional so weit verstreut,
dass das mit dem "mehrmals in der Woche treffen" wieder nicht hinhaut.
Also packe ich den Taschenrechner wieder weg und erkenne mit Stolz, dass ich als
selbstfahrende Szene-Motorradfahrerin zur Minderheit einer Minderheit in einer
Minderheit gehöre und mich als Pionierin im 21. Jahrhundert betrachten kann,
wie es die selbstfahrenden Frauen immer schon waren, seit 1885 Gottlieb Daimler
das erste Motorrad aus der Werkstatt schob. Und daran werden so schnell weder
gleichberechtigende EU-Richtilinien noch die Emanzipationsbewegung etwas ändern.

© Tatjana Suchovsky 2005
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