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Die Fahrzeuge sind bunt gemischt und jede Motorradgattung ist vertreten, vom "Stoppelhopser" bis zum "fahrenden Wohnzimmer". Bei der Verteilung und dem Aufkleben der Vignetten wird klar, dass es weiter weg gehen muss, den es handelt sich um ungarische Autobahnvignetten, die hier Verwendung finden. Knapp nach 4 Uhr Morgens, also eigentlich noch mitten in der Nacht, macht sich die "Karawane"
auf den Weg. Da mittlerweile einige der Bei/Fahrer/Innen charakteristische gelbe
Warnjacken tragen, liegt die Vermutung nahe, dass es sich um einen Ausflug der
TOY-RUN-Crew handeln könnte.
Doch
wohin geht die Reise? Bisher waren die "Gelbjacken" doch nur in Österreich
unterwegs, um Kinder zu beschenken. Einer muss es genau wissen, denn er fährt
vorne weg und das ist der Autor dieser Geschichte. Das Licht von 35 Scheinwerfern
durchschneidet die Finsternis, als sich die Kolonne auf der Autobahn Richtung
Osten bewegt. Auf der Autobahn? Welcher Motorradfahrer fährt freiwillig auf
der Autobahn? Einer, der weiß, dass jede Minute zählt, weil die Strecke
lang ist. Diese Strecke ist wirklich lang, denn der Konvoi will heute noch das
800 km entfernte Sibiu im Herzen Transsilvaniens erreichen. Kein leichtes Unterfangen
mit einer so großen Gruppe, noch dazu, wo die Teilnehmer bunt zusammengewürfelt
sind und nur zu ca. 50% durch "Gelbjacken" gestellt werden.
Bei
Nickelsdorf erfolgt der erste technische Halt. Der morgendliche Kaffee verlässt
die Körper und wer noch keinen "A-Aufkleber" hat, besorgt ihn hier.
Rasch wird aber wieder Fahrt aufgenommen und die ungarische Tiefebene durcheilt.
Ohne Zwischenfälle wird der erste Tankstopp nach ca. 190 km absolviert und
manch einer ist überrascht, wie wenig sein Motorrad bei Tempo 110 verbraucht.
Es ist keine Zeit lange zu verweilen und die Gruppe fährt der aufgehenden
Sonne entgegen. Schals werden durch Sonnenbrillen ersetzt und das Wetter zeigt
sich ebenso strahlend, wie die Mienen der Teilnehmer der Fahrt.

Nach
einem weiteren Tankstopp trifft die Gruppe an der ungarisch/rumänischen Grenze
auf weitere Biker/Innen, die schon am Vortag losgefahren sind und so wächst
die Zahl der Fahrzeuge auf 45 an. Bei weiterhin strahlendem Sonnenschein werden
die Kilometer "gefressen", als gäbe es kein Morgen. Die Gruppe
ist homogen, auch, wenn man einander teilweise erst seit ein paar Stunden kennt.
Das Mittagessen wird bei einer bekannten Fastfood-Kette eingenommen (man traut
dem fremdländischen Angebot eben noch nicht so ganz) und in der Abenddämmerung
wird die Ortschaft Christian erreicht, wo uns eine Abordnung der Crazy Biker aus
Sibiu und Bärbel Schöffnagel, der österreichische Sozialattachee
an der Botschaft in Bukarest, selbst begeisterte Motorradfahrerin und treue Teilnehmerin
der TOY-RUN, empfangen.

Trotz
der langen Fahrt (14 Stunden Reisezeit) sind alle noch frisch und guter Dinge.
Na, ja, nicht ganz alle, denn das erste Hoppala passiert: Einer fällt, fast
im Stand mit dem Motorrad um und seine Beifahrerin stürzt so unglücklich,
dass am nächsten Tag ein Ellenbogenbruch diagnostiziert und ein Gips angelegt
wird. Die Gruppe wird ins Zentrum von Hermannstadt geführt, die Motorräder
werden im Innenhof des historischen Museums der Stadt geparkt, das Abendessen
wird eingenommen, die Zimmer werden bezogen und Benzingespräche füllen
den Abend und teilweise die Nacht aus.
Am
8.9. um 9 Uhr Morgens wird jener Teil der Gruppe, der sich für einen Ausflug
entschieden hat, von Andy, dem Präsidenten der Crazy Biker abgeholt und es
geht auf wunderschönen Straßen in die Karpaten. Nach einem Fotostop
erwischt es aber auch den Verfasser dieser Zeilen und er hat innigeren Kontakt
zu rumänischem Asphalt, als ihm lieb ist. Die Fahrt wird angesichts (scheinbar)
leichter Blessuren fortgesetzt. Am Nachmittag teilt sich die Gruppe. Ein Teil
besichtigt Schloss Bran, der andere fährt zurück nach Sibiu und trifft
auf der Fahrt eine weitere Gruppe aus Wien, die wie vereinbart angekommen ist.
Am Nachmittag verweigert ein Motorrad den Dienst doch die Crazy Biker sind zur
Stelle und helfen, wo sie können. Der Tag klingt mit lokalen Köstlichkeiten
und weiteren Benzingesprächen aus.



Der
9.9. bringt am Morgen bereits die erste Überraschung. Während ein Teil
Sibiu unter kundiger Führung besichtigt und ein anderer Schäßburg,
eines der vielen, garantiert echten Draculaschlösser besucht, mache ich einen
Ausflug ins örtliche Krankenhaus. Dort wird ein Bruch des rechten Daumens
diagnostiziert und ein Gips angelegt. Ein weiterer Teilnehmer kommt zu Sturz,
hat aber diesmal wirklich nur leichtere Blessuren und im Innenhof des Museums
sind nunmehr 2 Motorräder mit "Kampfspuren" zu besichtigen. Der
Abend verläuft wieder wie üblich, doch die Stimmung ist angesichts dreier
Verletzter etwas getrübt.
 
Am 10.9. ist der Tag, für den eigentlich alle hierher gekommen sind. Der
Tag der von den Crazy Bikern veranstalteten ersten rumänischen TOY-RUN und
jetzt ist jedem klar, warum sich 70 Personen auf den weiten Weg gemacht haben.
Bereits in der Früh werden die Packtaschen, Seesäcke und Hartschalenkoffer
geleert und ein Berg an Spielsachen, Sportbekleidung und, und, und wird verpackt
und in einen bereitstehenden PKW verladen.
Im
Zentrum Sibius reihen sich die Österreicher, deren Anwesenheit sich in der
Stadt bereits herumgesprochen hat, unter die übrigen Teilnehmer. Nach einer
kurzen Begrüßungsansprache geht es auf herrlichen Strecken nach Medias
in ein Kinderheim. Dort steht ein Fußballturnier, ein gemeinsames Mittagessen
mit den Kindern, Motorradfahren unter polizeilicher Aufsicht mit den Heimkindern
und schließlich die Übergabe der Spendensumme in Höhe von 1.727 Euro am Programm. Die Geschenke werden ausgeladen. Eine
derartige Menge hat wohl noch kein rumänisches Kind gesehen. Die Sonne nähert
sich dem Horizont, als der Konvoi das Heim wieder verlässt und ohne Zwischenfall
zurück nach Sibiu geführt wird. Am Startplatz der ersten rumänischen
TOY-RUN wird in einem großen Zelt wieder bis spät in die Nacht geplaudert
und die Crazy Biker werden zur TOY-RUN 2006 nach Wien eingeladen.
 
 
Am
11.9. heißt es Abschied nehmen. In den 4 vergangenen Tagen wurden bestehende
Freundschaften gefestigt, neue Freundschaften geschlossen und der Zusammenhalt
unter Motorradfahrern/Innen eindrucksvoll demonstriert, auch über Landesgrenzen
hinweg. Hier zerfällt der große Konvoi endgültig in Kleingruppen
die sich auf den Weg nach Hause machen. Teils wieder in einem eintägigen
"Gewaltritt", teils auf einer mehrtägigen Besichtigungstour, teils
im Mitauto gefahren, teils auf einem fremden Motorrad.
Am Abend des 12.9. trifft man noch kurz zusammen und die Organisatorin im Hintergrund
wird von allen bedankt. Danach geht jeder wieder seiner Wege. Aber man kann allen
ansehen, dass diese paar Tage einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben. Seien
es die strahlenden Augen der Kinder, die Freundlichkeit und Herzlichkeit der Bevölkerung,
die Erkenntnis, dass es in Rumänien noch anderes gibt, als Zigeuner, Bären
und Vampire, sei es der Zusammenhalt der Biker/Innen untereinander, jeder holt
sich das heraus, was für ihn wichtig ist. Und Eines steht fest: Ein Großteil
wird ein Wiedersehen feiern können. Am 9. September 2006 in Hermannstadt.
Bei der zweiten Rumänischen TOY-RUN.

Von li. nach re.: Andi von Crazy Bike Sibiu, Fredi von den Gelbjacken,
Bärbel Schöfnagl, Ernstl und Schlucki (kniend)
Ein Bericht von Schlucki

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