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Nein,
Dagobert ist nicht der Tätowierer! Er hängt nur den ganzen Tag im Studio
rum und lebt auf Kosten von Hannes, der die Nadel schwingt und ihn durchfüttert.
Bevor wir ins Studio gehen, schneiden wir das Motiv aus Papier aus, fetten die
Stelle im Kreuz mit Creme ein und legen so die gewünschte Größe
und Position fest. Conny sieht es und ist sich sicher: Das soll es sein!
Kurz
vor Weihnachten ist es soweit. Conny hat sich einen Termin mit Hannes ausgemacht.
Die "Freakcity" ist leicht zu finden. Hannes stellt uns Dagobert vor
- den die Sache jedoch herzlich wenig interessiert - und macht sich über
die Vorlage her.
Er findet das Motiv gut - "Wenn du Lust auf mehr bekommst, kannst es beliebig
erweitern", meint er, "wennst willst, über den ganzen Buckel!"
- und überträgt die Zeichnung auf eine Art Kohlepapier.
Wir fühlen uns auf Anhieb im Studio wohl und haben ein gutes Gefühl.
Hannes kann sich die üblichen Erklärungen, zu denen er ansetzt, sparen,
denn Conny hat bereits alles auf seiner Website studiert: Sie hat gut gefrühstückt,
keinen Alkohol oder Drogen konsumiert, sie darf während dem Heilprozess nicht
kratzen, soll das frische Tattoo täglich mit Heilcreme pflegen usw. Das alles
und noch mehr steht auch auf dem Zettel, den sie unterschrieben muss, bevor es
losgehen kann.
Wir
siedeln um ins Behandlungszimmer. Dagobert muss draußen bleiben. Es riecht
streng nach Desinfektionsmittel. Sauberkeit ist bei Hannes oberstes Gebot.
Conny macht sich - soweit nötig - frei, dann wird das 15 cm breite Motiv
auf die Haut übertragen. Noch sind die Striche abwaschbar. Noch könnte
sie es sich überlegen! Noch ist sie gut gelaunt - Hannes sowieso - und sie
will. Hannes auch. Der Schmäh rennt und ein Scherzerl jagt das andere.
Rauf
auf die Liege, den Körper in die richtige Position geschoben und los geht's!
Die ersten Striche, mit ruhiger Hand gezogen, nimmt Conny gelassen. Nur das Geräusch
der Maschine klingt bestig. Je weiter es auf die Wirbelsäule zugeht, umso
unangenehmer wird es. "Je mehr Nerven unter der Haut, umso mehr spürst
was davon", erklärt ihr Hannes.
Er arbeitet sehr sauber. Nach jeder Pause - und ist sie auch noch so kurz - streift
er sich frische Gummihandschuhe über. Sein Verbrauch an Küchenrollenpapier
kommt während der Behandlung gut an den einer Großküche heran.
Und mit dem Des-Mittel spart er auch nicht!
Nach
ca. einer Stunde ist die Kontur geschafft. Jetzt noch schnell mit der feinen Nadel
die Spitzen ausgearbeitet, dann wird der Nadelkopf in der Maschine gewechselt.
Der hat mehr Nadeln, hinterläßt einen dickeren Strich und die Arbeit
geht dadurch schneller voran.

Je
länger Hannes die Haut mit seinen feinen Nadeln bearbeitet, umso unangenehmer
empfindet es Conny. So lange bewegungslos am Bauch zu liegen, ist der eine Horror,
denn langsam schlafen ihr die Füße ein - die Behandlung ist der andere.
Zwar haben wir uns inzwischen an das kreischende Geräusch der Maschine gewöhnt,
doch je länger die Tortur dauert, umso mehr wünscht sich Conny, dass
es schon vorbei wäre.
Hat sie vor zwei Stunden noch zuversichtlich von zwei weiteren Tattoos geschwärmt,
schwört sie in diesen Augenblicken, nie wieder eine Nadel an ihren Körper
zu lassen. Hannes amüsiert sich bestens und meint: "In ein, zwei Tagen
denkst wieder ganz anders - die Rückfallquote liegt bei 80 %!"

Das Tattoo näßt ein bißchen. "Ist ganz normal",
erklärt der Fachmann. "Die Haut ist verletzt und gibt ein Wundsekret
ab. Keine Sorge, hört bald wieder auf."
Eigentlich sollte das Motiv noch eine Schattierung bekommen, doch Conny reicht
es für heute. Sie entschließt sich, das Tattoo ein andermal fertigstellen
zu lassen.

Zum
Schluss wird das Werk von allen Spuren überflüssiger Farbe gereinigt
und mit Frischhaltefolie abgedeckt. Nach zwei Stunden soll sie abgenommen und
die Fläche mit lauwarmen Wasser abgewaschen werden.
Conny ist zufrieden. Lange gesucht ... gut gewählt ... ein bißchen
gelitten, aber das ist schon wieder fast vergessen.
Wir verabschieden uns von Hannes und Dagobert, dem kleinen Glattstirnkaiman, und
besuchen das Geschäft nebenan: die "Reptile
City", wo wir eine ganze Menge über Echsen, Schlangen, Spinnen und
Skorpione erfahren. Aber das ist eine andere Geschichte ...
Connys Tattoo - Teil 2
Da
meint man, seinen Ableger zu kennen und glaubt, die geht dort nicht mehr
hin - da ruft sie mich Anfang Februar an und fragt, ob ich bei der Vollendung
des Nadelwerkes zugegen sein möchte. Klar! Das lasse ich mir und meiner Kamera
nicht entgehen.
Das gemütliche Geplauder vor der Arbeit dauert länger als die Arbeit
selbst. Conny ist erstaunt, als Hannes meint: "Fertig, anschauen!" Diesmal
hat sie fast nichts mehr gespürt.
Wir sind beide begeistert. Durch einige Schatten, die Hannes ganz ohne vorzuzeichnen
sozusagen "freihand" setzt, beginnt das Bild zu leben und entledigt
sich dem Schablonenhaften.
Und weil der Fachmann bei der Hand, lasse ich mir noch zum Drüberstreuen
zwei weitere Löcher in die Ohren schießen. Irgendwie habe ich das Gefühl,
dass wir Hannes Dienste nicht zum letztenmal in Anspruch genommen haben ... Sollte
es so sein, folgt Fortsetzung.


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