|
28 Kinder aus Tirol, in orangenen T-Shirts und mit orangenen Kappen, setzen
ihre Füße auf Wiener Boden. Schüchtern begrüßen sie
die TOY-RUN-Crew, die für sie die dreifache Welle schlagen und ihnen prompt
das Gepäck abnehmen.


Draußen
schüttet es in Strömen. Draußen wartet der Bus. Schnell hinein.
Die Gelbjacken und die beiden Motorradfahrer, die der Einladung, bei der Aktion
"Nilpferd" dabei zu sein gefolgt sind, eskortieren den Bus zum Schutzhaus
Döring, wo die Kinder zum Abendessen geladen sind.
Die Kleinen und Größeren ahnen noch nicht, was in den folgenden drei
Tagen auf sie zukommt, dementsprechend abwartend, distanziert und ruhig verhalten
sie sich.
Als Ernst Graft jun. seine offizielle Begrüßungsrede hält und
durch die spaßigen Zwischenmeldungen seiner Frau Gerda und der Crew-Mitglieder
Stimmung aufkommt, erkennen die Kinder, dass es keine todernste Angelegenheit
ist und tauen langsam auf. Nur die Ankündigung, dass sich bereits einige
Reporter angemeldet haben, die sie interviewen wollen, erschreckt sie.
 
Wieder in Begleitung der Gelbjacken-Eskorte geht es durch die Dunkelheit in
ihr Quartier im Haus der Kinderfreunde "Am Schafberg".
Was
hat es denn nun mit dem Nilpferd auf sich?
Eine Gruppe von Mitarbeitern einer Bank haben einen Fond aufgelöst. Sie haben
von der TOY-RUN gehört und auch davon, dass alle Spenden ausschließlich
den Kindern zu Gute kommen und dass zwischen der großen Biker-Benefizfahrt
immer wieder kleinere Aktionen für Kinder organisiert werden. Die Bank-Mitarbeiter
beschlossen, dass das Geld für solche TOY-RUN-Aktivitäten verwendet
werden soll und brachten es Ernstl und der TOY-RUN-Crew zu einer ihrer Arbeitsbesprechungen
in einem gewichtigen Nilpferd.
Freitag,
8 Uhr vor dem Schloß Schönbrunn. Hadschi Bankhofer von Radio Wien
begleitet die Kinder, die nun langsam begreifen, dass sich alles nur um sie dreht.
Die Gelbjacken haben alle Hände voll zu tun, um die Kinderschar zusammenzuhalten,
denn im Tiergarten stürzen tausende neue Eindrücke auf die Kinder ein.
Im
Tirolerhof ist das Mittagessen bestellt. Die Kinder sind etwas müde - aber
absolut nicht mehr schüchtern. Nach dem Essen kündigt Ernstl einen Überraschungsgast
an. Die Türe geht auf und herein kommt Starmania-Niddl. Einen Teil der Kinder
verschlägt es prompt die Sprache. Zwei der älteren Mädchen, ultimative
Niddl-Fans, die ihr auch schon Briefe geschrieben haben, können es nicht
fassen: Ihr Star, lebendig und zum Anreifen nahe! Zuerst wagen sie es fast nicht,
sich ihrem Idol zu nähern, aber Niddls unkomplizierte Art läßt
die Angst schnell schwinden. Dann wird für Erinnerungsfotos posiert, gefragt
und geplaudert, was das Zeug hält.
 
Zufall?
Nein. Ernstl hat sich im Vorfeld sehr genau über die erfüllbaren Wünsche
seiner Gäste erkundigt und Niddl war bereit, bei der Überraschung mitzumachen.
Nicht nur das - sie fährt auch noch gerne mit in den Prater.
Vorher steht aber noch ein Interview mit Robert Jahn von Radio Wien am Programm.
Die Stars dabei sind Niddl und ihr größter Fan, dem es in diesen Minuten
endgültig die Sprache verschlägt. Macht nichts, die anderen Kinder helfen
mit Kommentaren zum Tagesgeschehen aus. Interviews werden für sie langsam
zur Routine.
 
Weiter
geht es hügelab. Mancheiner der stolzen Reiter stark-PSiger Motoren mutiert
nun selbst zum Reittier. Noch einmal führt unser Weg durch den Tiergarten,
dann zum Bus und abermals von den Gelbjacken durch den dichten Verkehr der Innenstadt
gelotst, in den Wurstelprater. Die Kinder dürfen fahren, wo sie wollen -
sie dürfen nur nicht ihre eigenen Wege gehen! Um das zu verhindern, bilden
die Gelbjacken einen lockeren Kreis um die Kinderschar, die nun völlig aus
dem Häuschen ist.
Inzwischen
hat so manches Kind seine besondere Symphathie für den Inhalt einer Gelbjacke
entwickelt - und der muss mit: in den Autoscooter, ins Verrückte Haus, in
die Wasserrutsche, auf die Hochschaubahn ... und ... und .. und ... Die Stimmung
könnte nicht besser sein. Die Freude der Kinder schwappt auf die Erwachsenen
über. Bald fragt man sich, wer die Kinder sind: die in den gelben Jacken
oder in den orangen T-Shirts? Der Schmäh rennt (wie man in Wien zu sagen
pflegt) = Spaß pur.
Klicke, um zu vergrößern:
Als Ernstl die Motorräder entdeckt, ist er nicht mehr zu halten und durchbricht
den Sperrkreis der Gelbjacken. Er zeigt uns die korrekte Körperhaltung in
Kurven, aber auch, wie man auf einer Harley thront.
 
In
einer ruhigeren Minute frage ich Ernstl, woher die Kinder kommen. "Aus zwei
verschiedenen Innsbrucker Heimen, den Jugendeinrichtungen 'Pechegarten' und 'Jugendland'",
erzählt er. - "Und weshalb sind sie in diesen Heimen?" - "Zum
Teil handelt es sich um leicht behinderte Kinder, zum Teil sind es verhaltensgestörte.
Manche von ihnen sind deshalb im Heim, weil das Jugendamt es für besser befunden
hat, sie von ihrer Familie zu trennen."
Von Verhaltensstörungen oder Behinderungen kann ich in diesen Stunden nichts
entdecken. Ich sehe nur eine Schar glücklicher, lebensfroher und mächtig
aufgekratzter Kinder.
Laut Plan sollten wir um 18 Uhr beim Abendessen im Restaurant "Luftburg"
sitzen. Es ist 18:30 Uhr und wir befinden uns immer noch mitten im Prater, fahrend,
lachend und gar nicht müde. Es fällt Ernstl schwer, dem großen
Spaß mit einem schrillen Pfiff aus seinem Trillerpfeiferl ein Ende zu bereiten,
aber es muss sein, denn das Program dieses Tages ist mit dem gemeinsamen Mahl
noch nicht beendet.
Nach
dem Essen sind die Kinder müde - die Gelbjacken schwer gezeichnet. Da freut
es alle, dass für heute kein Fußmarsch mehr angesetzt ist, sonderm
um Punkt 9 Uhr der Prater-Express, ein kleiner Zug, vor der Türe steht. Er
ist schon sehr voll, als alle Kinder eingestiegen sind - aber die Gelbjacken da
lassen? Niemals! Es wird so lange zusammengerutscht und auf den Schoß genommen,
bis alle drinnen sind.
Aufgabe:
Die Kinder sollen entdecken, wo sie heute gefahren sind und jedem Betreiber eines
solchen Fahrgeschäftes dann heftig applaudieren. Erst auf dieser Fahrt erkennen
die Kinder, wie groß der Prater ist und wo sie überall nicht
gefahren sind! Die Adleraugen schweifen und wenn gefunden, wird geklatscht, gepfiffen
und gejubelt, was das Zeug hält. Neugierig strecken die Leute den Kopf aus
dem Kassahäuschen. Der Wiedererkennungseffekt tritt ein - sie winken zurück
und die Kinder johlen doppelt so laut.
Irgendwann ist die Fahrt zu Ende und die Bimmelbahn bei der Luftburg angekommen,
wo der Bus wartet, der die Kinder ins Quartier bringt. Die Gelbjacken sind für
heute entlassen. Sie sollen sich ausruhen für den nächsten Tag, für
den wieder viel am Programm steht, denn da geht es nach Herzogenburg.
Wie es in den folgenden Tagen weiterging erfahrt ihr auf www.toyrun.at.
Unverständlich für mich ist, dass an der großen Biker-Benefizfahrt
der TOY RUN alljährlich tausende von Motorradfahrern mitfahren, das Interesse
bei einer Aktion "dazwischen" jedoch nur sehr gering bis gar nicht vorhanden
ist, obwohl Ernstl und die TOY-RUN-Crew auch hier öffentlich die Motorradfahrer
einladen dabei zu sein. Gerade im kleineren Kreis kann die Freude der Kinder intensiv
miterlebt werden. Für uns waren es zwei Tage, die ungeheuren Spaß gemacht
haben und unvergesslich bleiben werden!

Zurück zur Veranstaltungsübersicht
|