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Ich weigere mich, in den Bus zu steigen, überlasse die Fahrerkabine Rudi
und prötel auf dem Motorrad hinten nach. Es ist herrliches Wetter, da muss
man einfach einspurig unterwegs sein!
In St. Pölten finden wir den Platz auf Anhieb. Die Beschilderung ist klein,
aber vorhanden. Wir haben genug Zeit, um unseren Bus abzustellen und etwas zu
essen. Um 14 Uhr soll es losgehen mit dem Konvoy, um den Bürgermeister aus
der Innenstadt abzuholen.
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Es rottet sich ein ganz schön langer Zug zusammen. Über einen kleinen
Umweg geht es Richtung Zentrum. Auf der Hinfahrt ist die Welt für mich noch
in Ordnung. Mit viel Lärm legen die Motorräder am Hauptplatz an. Ich
bin froh, nicht in jenem Pulk zu fahren, in dem die Fahrer die Motoren extrem
aufheulen lassen und sich mit Schüssen aus dem Auspuff bemerkbar machen müssen.
Ein Eis soll mir die Wartezeit verkürzen, doch der Bürgermeister
ist schnell zur Stelle. Schon gibt Karl-Heinz, der Präsi der St. Pöltener
MRF, das Zeichen, die Maschinen anzuwerfen. Wohin mit dem Eis? "Einpacken!"
ruft mir einer zu. Gute Idee. Ich stülpe die Tüte in ein Plastiksackerl
und verstaue sie rumrutschsicher im Top-Case.
Leider ist die Rückfahrt nicht so geruhsam wie die Hinfahrt. Nun habe
ich die Idioten vor mir. Alles, was in einem Konvoy nicht sein soll, ist. Nicht
nur Wheelys und kräftig am Gasgriff drehen ohne Rücksicht darauf, dass
der Hintermann den Dreck fressen muss, auch knappes Überholen gleich Rudelweise,
als ich zu den rücksichtslosen Vordermännern etwas mehr Sicherheits-
und Atemabstand halte. Positionswechsel von der Einserreihe zur Dreierreihe in
einer Fahrspur und wieder zurück, ja sogar Händchen halten von Motorrad
zu Motorrad muss sein. Später darüber mit Robert von den St. Pöltenern
geplaudert, beklagte auch er, der gemeinsam mit Kollegen und Polizei wieder und
wieder am Konvoy vorbei gerast ist, um die Kreuzungen abzusichern, das undisziplinierte
Verhalten vieler. "Wir versuchten ihnen klar zu machen, dass sie Platz für
die Security halten sollten, doch als wir das nächste Mal vorbei mussten,
fuhren sie wieder in unserer Spur. Es war lebensgefährlich!"
Karl Heinz Himmelstein, der Präsi der St. Pöltener, zeigt sich ebenfalls
fassungslos über die Vorfälle. "So was darf einfach nicht sein.
Im Konvoy wird in Zweierreihe und versetzt gefahren. Würde so einer bei uns
bei einer Ausfahrt mitfahren, würde er sofort aus der Gruppe fliegen."
Man wird seitens der MRF St. Pöltner nach einer Lösung des Problems
im nächsten Jahr nachdenken.
Und wer die Regeln beim Konvoy-Fahren nicht kennt, klicke hier.
Zurück am Platz sehe ich sofort nach dem Eis. Zu meinem größten
Erstaunen hat es sich tatsächlich im Top-Case gehalten! Mit doppeltem Genuss
lasse ich mir es nun in Ruhe schmecken.
Die Spinner im Korso waren das einzige, was wir an Negativem fanden. Die St.
Pöltner liefern einen durch und durch organisierten Event, bei dem in wohldosierter
Menge die geplanten Programmpunkte mit "Pausen dazwischen" wechseln,
sodass man genügend Zeit findet, die Nachtlager aufzubauen, geruhsam zu essen,
bei Dosenmusik in gemäßigter Lautstärke zu plaudern oder über
den Platz zu streifen.
Einer dieser Programmpunkte ist die Eröffnung durch Bgm. Mag. Matthias
Stadler, zu der es auch Freibier gibt. Dazu finden sich auch andere ein, die an
wichtigen Stellen in der Stadtgemeinde mitgeholfen haben, dass dieses Fest möglich
wird.
Ein weiterer, sehr spannender ist die Stunt-Show von Milan, der uns zeigt,
was man mit einem Motorrad alles machen kann. Und was ein Reifen alles aushält.
Der Bridgestone will einfach nicht aufgeben, so versucht es Milan so lange, bis
sich der Gummi geschlagen gibt und schlussendlich die Luft rauslässt.
Der Platz am Ratzensdorfer See ist nicht ausschließlich für Motorradfahrer
reserviert. Früher war er dies und man verlangte Eintritt. So blieben zwar
die Biker unter sich, doch wirklich zufrieden stellend war die Lösung nicht.
Eintritt hat in der Bikerszene stets einen seltsamen Beigeschmack. Also schafften
die St. Pöltner den Pforten-Obulus ab, übernahmen die Restauration selbst
und öffneten das Fest für alle. Es vermischen sich einige Schaulustige
mit den nächtigenden Festgästen. Manch einer skeptisch, die meisten
interessiert und von den Beauties unter den Einspurigen - aber auch von den Bikern!
- schwer begeistert.
Abends spielt die Musik, im Zelt wird getanzt und die gelsenfreie Atmosphäre
genossen, bevor man sich - manche früher, manche sehr spät - zur Ruhe
begibt. So manch einer mag trotz Vorsorge doch gefroren haben, denn die Temperatur
sinkt während der Nacht auf 4 °C. Unser Bus bewährt sich als transportables
Nachtquartier, allerdings fehlen noch die guten Schlafsäcke, die wir optimistisch,
wie wir sind, daheim ließen.
Die 10-Uhr-Ausfahrt verweigern wir aufgrund der Vorfälle am Vortag beim
Korso. Ist auch besser so, können wir endlich einmal ausschlafen. Für
14:30 Uhr ist die Motorradweihe mit Pater Johannes Maria Bauer, dem Guzzipfarrer,
angesetzt. Der Altar wird hergerichtet, die Motorräder und Trikes aufgestellt,
doch der Pfarrer bleibt aus. Zuerst denkt jeder an eine wegstreckenbedingte Verspätung,
doch je mehr Zeit vergeht, umso mulmiger wird das Gefühl in der Magengegend.
Ist ihm gar etwas passiert? Was hat den Pater aus dem Stift Göttweig aufgehalten?
Man erfährt es nicht. Als Milan wieder zum Reifen zerstören ansetzt,
verabschieden wir uns und brechen auf.
Es waren zwei wunderschöne Tage in herrlichem Ambiente, in denen wir bestens
versorgt wurden, in denen wir uns herrlich erholen konnten und uns prächtig
unterhielten. Nach diesen beiden Tagen konnten wir mit frischen Kräften den
Rest des Sonntags und den darauf folgenden Feiertag genießen.

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