Grüppchenweise
schwingen sich Interessierte auf die Motorräder, die so gar nicht nur Moto
Guzzis sind. Sie fahren in die Landschaft hinaus. Die einen auf die ca. 2stündige
Vormittagsausfahrt, die anderen zur Besichtigung der Tropfsteinhöhle. Wieder
andere starten zur Mühlen- oder Wolfgangskirchenbesichtigung. Für die
Sportlichen wird Bogenschießen angeboten.
Wer keine Lust zu einer Ausfahrt hat, hat kaum Chance zur Langeweile. Gleich neben
dem Platz, wo Bierkistenklettern betrieben wird, liegt das Freibad.
In kurzen Abständen zeigt Markus Adamez seine Trial-Vorführungen.
Wer’s nachmachen will, bekommt seine Chance. Ein Trial-Bike steht zur Verfügung
und auch der Parcour und das Bachufer. Baggern ist angesagt! Entweder mit der
Nachbarin beim exzellenten Mittagessen zu bürgerlichen Preisen. Zum anderen
mit einem echten Bagger, mit dem man Tennisbälle von einer Kiste in eine
Scheibtruhe umfüllen soll.
Nicht zu vergessen die Bikes, deren Anzahl sich ständig vergrößert.
Bald ist der Parkplatz übervoll. Da gibt es viel zu sehen und zu plaudern.
Um 15:30 wird zur Präsentationsfahrt gerufen, zuvor jedoch in einer "Aktion
Herzblatt" jene Mädels verlost, die mitfahren wollen, jedoch keinen
Fahrpartner haben. Bei einem Wolkenbruch lernen die Pärchen sich kennen.
Kaum geht die Fahrt los, bricht die Sonne durch und trocknet die Straßen
auf.
Von Kirchberg fahren 107 Bikes traumhaft diszipliniert und an allen Kreuzungen
bestens durch die örtliche Gendarmerie abgesichert, über Feistritz zur
B54. Weiter geht’s bis Aspang, dann nach St. Corona, über eine gut ausgebaute
Serpentinenstrecke zurück nach Kirchberg. Im Forellenzentrum "Wechselforelle"
wartet ein exzellentes Buffet mit vielerlei Arten von Fischaufstrichbroten und
Fischen sowie Getränke auf uns. Im Teich der Familie Hübner kann man
sich Forellen und Saiblinge selbst angeln – aber dazu hatten wir keine Zeit. Zurück
zum Festplatz. Dort baut bereits die Gruppe "The Untouchables" ihr Equipment
für die Abendshow auf. Wir plaudern inzwischen ein bißchen mit den Veranstaltern.
Das ist schon das 6. Kirchberger Moto Guzzi-Treffen.
Wie kamt ihr auf die Idee, so etwas zu veranstalten?
"Die Idee kam uns in Kalifornien, wo wir allerdings mit dem Auto unterwegs
waren, als wir in der Nacht kurz vor unserem Ziel eine 150 Meilen lange Umleitung
fahren mußten. Wir waren total müde und geschlaucht und irgendwie kamen
wir dann auf die Idee, so ein Treffen zu veranstalten", erzählt Heisch
(Hans Rennhofer), einer der 8 Organisatoren.
War es einfach, hier in Kirchberg so eine Veranstaltung
auf die Beine zu stellen?
"Anfangs überhaupt nicht. Die Bevölkerung hatte große Angst
vor den 'Wüden mit ihren Maschinen'. Im ersten Jahr hatten wir fast keine Unterstützung.
Das hat sich geändert, als die Menschen gesehen haben, daß das Fest
friedlich verläuft, die Biker ruhige Leute sind und keinem was zuleide tun."
Man kann Gästezimmer über euch reservieren
lassen. Wir haben aber auch gesehen, daß die Turnhalle und eine Campingwiese
gratis zur Übernachtung bereitstehen. Das ist ziemlich ungewöhnlich.
"Das war anfangs gar nicht leicht mit der Turnhalle. Wir mußten mit
vielen Leuten reden, um das zu erreichen. Natürlich hat die Schule Angst,
daß etwas beschädigt werden könnte. Aber in den letzten Jahren haben
sich die Biker dort prima verhalten. Und jedes Jahr geht es ein bißchen
besser, wenn die Menschen hier feststellen, daß unsere Biker in Ordnung
sind."
Die "Präsidentin" (Vroni, links im Bild) erzählt uns gerne
über die Teilnehmer.
"Sechs Fahrer sind aus Slowenien angereist, einige aus Deutschland. Wir freuen
uns, daß diese Veranstaltung immer internationaler wird. 172 haben sich
am Info-Stand angemeldet. Es sind aber weitaus mehr Bikes, denn die 'Nicht-Guzzisten'
scheuen sich noch ein bißchen und spielen lieber Zaungäste. Dabei sperren
wir die Nicht-Guzzis keinesfalls aus."
Wir sehen da einige Preise im Hintergrund aufgebaut.
Für wen sind denn die?
"Es werden die Besten bei den Bewerben Bierkistenklettern und Wettbaggern
geehrt. Preise bekommen auch die am weitest Angereisten – generell und aus jedem
Bundesland. Bei den Wienern losen wir aus – da kann man das schwer feststellen.
Weiters bekommt der älteste Biker eine Anerkennung und die älteste Guzzi."
Least but not last – denn es treffen am späten Nachmittag immer noch Guzzi-Fans
ein – betritt einer der Sponsoren, Günther Majcen, den Platz. Er hat die
Vertretung für Moto Guzzi, Aprilia und Suzuki in Graz: "Ich muß
zu vielen derartigen Veranstaltungen fahren. Aber hier bin ich besonders gerne,
denn hier ist es gemütlich. Es gibt keine Raufereien. Die Leute sind einfach
in Ordnung."
Am Sonntag treten wir nach einem ausgedehnten Frühstück und einer gebührenden
Verabschiedung, um einige Freunde und Guzzierfahrung reicher, die Heimreise an.
Ein besonderes Lob gebührt beim 6. Kirchberger Moto-Guzzi-Treffen den 8 Organisatoren:
Fries, Pezi, Heisch, Maki, Hübsi, Wolferl, Joe und der Präsidentin Vroni,
sowie den Gendarmen, die den Konvoy so excellent abgesichert haben. An dieser
Veranstaltung ist absolut nichts auszusetzen. Sowohl für die Aktiven als
auch für jene, die das ganze in Ruhe erleben wollen, ist bestens gesorgt.
Im nächsten Jahr sind wir sicher wieder dabei!!!