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Sie
haben auf der Wiese ein großes Zelt aufgebaut, doch die Zufahrt und das
Abstellen der Räder ist trotz Brettchen nicht ganz einfach, denn der Boden
ist aufgeweicht von den Gewittern der letzten Tage. "Nichts gegen die Situation
vor zwei Jahren", erzählt uns Präsident Willi später. "Damals
gab es so schwere Niederschläge, dass sich ein Bach seinen Weg durch das
Festzelt bahnte."
Uns begleitet diesmal Michaela. Sie hat noch nie ein Bikerfest besucht. Tief beeindruckt
bleibt sie erst einmal am Rande des Geschehens stehen und läßt das
Bild auf sich wirken.
Man
entdeckt nur wenige Freebiker unter den unzähligen Colourträgern. Die
Bikerspiele - Gewichtszielwurf - sind bereits im Gange. Und auch unter den Reittieren
sind einige sehr individuell gestaltete und attraktive zu finden.
Michaela fällt auf, dass viele ein deutsches Kennzeichen tragen. "Die
werden wohl hier in der Gegend Urlaub machen und vorbeigeschaut haben", vermutet
sie. - "Glaub ich nicht", meint Tjaky. "Die sind schon extra hierher
angereist."
Tjaky liegt richtig, denn die Horseman machten sich einst auf den Weg, um Schweden
zu erkunden und verirrten sich in Berlin. Ein MC, den sie zufällig trafen,
geleitete sie aus der großen fremden Stadt und brachte sie auf den richtigen
Weg. Eine herzliche Einladung der Horsemen, einmal in ihrem Clubhaus vorbeizuschauen,
blieb nicht aus und ein paar Wochen später klopften die Berliner tatsächlich
an die Clubhaustüre. Seitdem verbindet die beiden Clubs eine tiefe Freundschaft
- und die Biker aus Deutschland wollten natürlich nicht bei der 15-Jahres
Feier fehlen.
Wir
wollen ein bißchen mehr über die Horsemen erfahren. Das ruhige Clubhaus
bietet sich zum Plaudern an. Ganz unbelebt ist es jedoch nicht. Oben im 1. Stock
schlafen einige ... es ist gegen 5 Uhr am Nachmittag.
Von außen mutet das Gebäude eher unscheinbar an - die Inneneinrichtung
spielt alle Stückerln. Seit 10 Jahren legen sie Hand an und jedes auch noch
so kleine Stück der Einrichtung erzählt seine eigene Geschichte.
In
ihrem Colour tragen The Horsemen, inspiriert durch ein Plattencover, einen schwarzen
Ritter auf einem stämmigen Rappen, der einen der vier Reiter der Apokalypse
darstellt: Krieg, Pest, Hungersnot und Tod - Vorboten des Weltunterganges und
beschrieben in der Offenbarung des Johannes (Apk 6, 1 - 17).
Dr. Stone, Member der Horsemen und Meister der luftzerstäubten Farbe, airbrushte
das Motiv auf Stoff. Nun schmückt das Bild eine Ecke des Clubhauses.
Warum ein Clubhaus so weit weg von Baden, wollen wir wissen.
Als sie in Baden eine geeignete Lokalität suchten, machte die Stadt Schwierigkeiten.
In einen Nobelkurort, in dem die Innenstadt generell für Motorradfahrer gesperrt
ist und ab 22 Uhr Motorradfahrverbot in allen Gassen herrscht, passt ein MC nicht
ins gewünschte Bild. Hier im Adlitzgraben haben sie ihr Zu Hause gefunden.
Der Kontakt zur Bevölkerung ist gut und es kommt schon vor, dass am Wochenende
einer aus den umliegenden Dörfern abends, wenn alles andere schon geschlossen
hat, an die Clubhaustüre klopft, um mit ihnen noch ein paar nette Stunden
zu verbringen.
Highlights
in den 15 Jahren?
"Die gemeinsamen Reisen", schwärmt Matz, "nach Schweden, nach
Schottland und noch einige andere Länder."
Und traurige Stunden? Ist bei Euch jemand gestorben? In einer Ecke stehen zwei
Grabsteine neben einem halb einzementierten Motorrad.
"Nein", lacht Matz. "Die Grabsteine sind ein Hochzeitsgeschenk.
Gestorben ist von unseren Mitgliedern in den 15 Jahren glücklicher Weise
niemand. Unfälle ja, aber keine Toten."
Als alles begann, waren sie 21 Mann. Heute sind sie sieben, fünf davon blieben
vom harten Kern der Gründerzeit. Das Besondere bei den Horsemen: Bei ihnen
gibt es auch colourtragende Frauen. Sie sind keine hübschen Dekorationsstücke
am Sozius. Ihnen wird nichts geschenkt. Sie mussten das gleiche langjährige
Aufnahmeverfahren durchmachen, wie ihre männlichen Clubkollegen. Sie fahren
selbst und das nicht schlecht, was sie besonders auf der Schottland-Tour bewiesen
haben, wo es zwei der drei Wochen schüttete.
Mit
ihren Frauen im Club ecken sie an, denn die Szene sieht in ihren Regeln keine
Frauen in einem MC vor. Aber die Pferdemänner stehen zu ihren zwei Pferdefrauen
und nehmen es in Kauf, dass ihnen da und dort der Einlass zu einem Bikerfest verweigert
wird.
Nach einem letzten Blick auf die edle Einrichtung des Clubhauses kehren wir zum
Festplatz zurück, wo nicht der geringste Anflug von Hungertod droht, denn
das Grillbuffet hält genügend Nachschub für knurrende Mägen
bereit. Auch von Krieg und Streit merken wir nichts, denn die Stimmung ist bestens.
Nur die Schwarzen Wolken, die sich über dem Semmering zusammenbrauen, deuten
einen Hauch von Weltuntergang an, was uns diesmal veranlaßt, das fröhliche
Fest früher zu verlassen und den Heimweg anzutreten.

Irgendwann werden wir sicher wieder beim Horsemen MC vorbeischauen, um ihre
herzliche Gastfreundschaft zu genießen und uns von den vielen Stücken
im Clubhaus mehr von ihrer Geschichte erzählen zu lassen.
www.the-horsemen-mc.com

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