|
Ernst Graft jun., Initiator der Toy-Run, leidet unter Höhenangst und nahm
die Herausforderung an. Mit dieser Fahrt will er sich auch mit all jenen Mitarbeitern
in Sozialeinrichtungen, die sich das ganze Jahr über für Hilfsbedürftige
"abstrampeln", solidarisch zeigen. Als Termin wurde der 28. April 2006
festgesetzt und interessierte Motorradfahrer wurden um 19:30 Uhr zum Treffpunkt
hinter das Burgtheater geladen.
Doch
zuerst musste ein Hochrad gefunden werden. Ernstl vermutete es im Technischen
Museum in Wien, wo er zum einen ein Holzmodell fand, auf dem man ausprobieren
kann, wie es sich in luftiger Höhe "anfühlt", zum anderen
lernte er Peter Defeld kennen, der bereit war, sein selbst gebautes Hochrad für
die Ringstraßen-Aktion herzuleihen sowie Ernstl den Umgang mit dem Fahrgerät
zu lehren.
Das kühle Wetter mit seinen Begleiterscheinungen Schnee, Eis und Rollsplitt
machte Ernstls Trainingsabsichten erst einmal zunichte. Zirka fünf Wochen
vor dem Termin traf man einander endlich auf dem Großgrünmarkt im Süden
Wiens: das Hochrad, Peter und Ernstl in dicker Jacke und Protektorennetzhemd.
Doch die Idee, sich mit Protektoren bei einem möglichen Sturz zu schützen,
stellte sich als sehr hinderlich heraus: Die "Ritterrüstung" schränkte
die Bewegungsfreiheit so drastisch ein, dass es unmöglich war, aufzusteigen.
Es soll hier nicht näher auf Ernstls Hochrad-Erkletter-Erstversuche eingegangen
werden. (Wer will, kann das ausführlich auf www.toyrun.at
nachlesen). Es sei nur so viel gesagt, dass der Fuß in Gürtelhöhe
muss, gleichzeitig die Lenkerenden festhalten werden, das Rad aufrecht und gerade
in Bewegung gebracht werden muss, um sich dann in den Sattel zu hieven, wobei
sich jedoch die Pedale bereits bewegen, da sie fix mit der Achse des Vorderrades
verbunden sind.
 
  
Das Absteigen gestaltet sich ähnlich kompliziert.
So übte Ernstl zwei Stunden, was sein vom Motorrad verwöhnter Körper
am nächsten Tag mit einem kräftigen Muskelkater quittierte.
Die
Ring-Fahrt
Die Wetterprognosen verheißen von Mittwoch bis Sonntag durchgehend starke
Regenfälle. Kurz vor 19 Uhr an diesem Samstag, den 28. April, hört der
Regen auf und es treffen immer mehr Motorradfahrer am Parkplatz neben dem Burgtheater
ein. Da einige PKW-Besitzer die für die Motorradfahrer behördlich genehmigte
Sammelfläche verstellen, werden die Biker eben auf der Fahrbahn in die Formation
eingewiesen.

Bevor
sich Ernstl auf den ungewohnt einspurigen Weg macht, erklärt er mit Hilfe
eines Megaphons den Anwesenden die Beweggründe für diese Fahrt. Dann
setzt sich der Konvoi, angeführt von zwei "Weißen Mäusen"
und dem gelb behelmten Hochrad-Fahrer mit Drehlicht in Bewegung. Die zahlreichen
Kreuzungen auf der Strecke sind kein Problem für Ernstl, denn die werden
von den Gelbjacken abgesperrt, sodass dem Demonstrantenzug freie und geschlossene
Fahrt gesichert ist.
Mehr
Unbehagen bereiten Ernstl - oder genauer seinem Allerwertesten - Kanaldeckel,
Frostaufbrüche, Schienenquerungen und Fahrbahnunebenheiten, über die
er ungefedert drüberfährt. Seit diesen Momenten weiß er den weichen
Sattel und die Stoßdämpfer seiner Harley besonders zu schätzen.
Vom Schwarzenbergplatz an geht es leicht bergauf, eine Steigung, die dem Ernstl
schon von seiner Tretautofahrt her gut bekannt ist. Das Ziel im Auge, biegt er
zum Burgtheater hin ab, wo ihn auf den letzten Metern Kinder und Jugendliche samt
ihren Betreuern aus einigen Wohngemeinschaften und Kinderheimen anfeuern und ihm
zur gelungenen und sturzfreien Fahrt gratulieren.
Eigentlich
sollte die geglückte Hochrad-Fahrt in einem Lokal am Leeberberg im Schanigarten
gefeiert werden. Da jedoch die düstern Wolken am Himmel mit weiteren Regenschauern
drohen, werden die Kinder und Motorradfahrer mit Aufstrichbroten und Getränken
beim Burgtheater gelabt. Dabei wird auch auf den Geburtstag von Gerda, Ernstls
Frau, angestoßen.
Kaum
ist die Versammlung in Auflösung begriffen, beginnt es wieder zu regnen.
Hat Ernstl endlich einen guten Draht zu Petrus gefunden? Oder steckt in der Sonne,
die wir Ernstl und der Toy-Run-Crew aus Griechenland mitgebracht haben, doch ein
kleiner Wetterzauber?

Zurück zur Veranstaltungsübersicht
|