
Daß
wir uns bei der Anfahrt verirren (ausgeschildert ist nichts), macht uns angesichts
der netten Nebenstraßen, über die uns die hilfreiche Bevölkerung
schickt, nichts aus. Die Parade nach St. Pölten mit Spendenübergabe
ist auch erst um 14 Uhr angesetzt, also haben wir genügend Zeit zum Bummeln.
Endlich angekommen, stellen wir fest, daß auf das Gelände nur Harleys
fahren dürfen ... An diesem Tag fahren wir die falsche Marke.
Während die Markengleichen im Rasen des Festplatzes glänzen, stehen
Yamahas, Ducs, Kawas und Hondas im Schotter außerhalb des Zaunes. Es soll
uns recht sein. Dem Veranstalter ist es zu verdanken, daß die Schaulustigen
vor dem Tor nur andere Marken als Harleys zu sehen bekommen, da 80,- öS Eintritt
für ein bißchen Harley-Schauen vielen zu viel ist.

Nachdem
wir unseren Obulus entrichtet und das grüne aufschriftslose Plastikarmband
empfangen haben, schlendern wir über den Platz. Da gibt's viel zu sehen:
Harley-Händler, Harley-Vermieter, Marktfahrer mit Harley-Acessoires, Standler
mit Kunst und Kult um Harley. Im Bierzelt wird Bier, Käsekrainer, Debreziner
und Grillhenderl angeboten. Will man Antialkoholisches, muß man sich das
an einem anderen Stand besorgen. Einen Heurigen gibt es auch.
Immer wieder hören wir die Durchsagen des Veranstalters, daß "die
Harley-Fahrer nicht vergessen sollen, sich pünktlich um 14 Uhr für
die Paradefahrt nach St. Pölten bereit zu machen".
Irgendwie fühlen wir uns nicht betroffen. Wir fahren keine Harley.


Also
lassen wir sie ziehen und fotografieren ihnen nach. Die in den orangenen T-Shirts
sind vom St. Pöltner Harley Club. Die im grünen das "Bodenpersonal"
am Eingang. Für die Zurückgebliebenen ist kein Programmpunkt vorgesehen,
sieht man von den lauten Musikfragmenten ab, die sich mit langen Störgeräuschen
abwechseln.

Über
uns kreist meistens ein mietbarer Hubschrauber, der in faszinierendem Kunstflug
seine Passagiere über den noch sonnigen Himmel befördert. Zwei Waghalsige
werfen sich vom Bungee-Kran.
Gegen 16 Uhr kehren die Harleys zurück. Um 18 Uhr soll die Hochzeit auf der
Hauptbühne stattfinden. Bis dahin ist Musik aus der Dose angesagt, die jetzt
auch anstandslos funktioniert.

Wir
spazieren zu den Campingzelten und staunen nicht schlecht, als wir sehen, wie
ein Member des niederbayrischen Chapters seine Luftmatratze von seiner Harley
aufblasen läßt. An einer Kupplung ist ein kleiner Kompressor angeschlossen,
der Luft in die blaue Plastikhaut pumpt.
Inzwischen haben sich die Wolken zugezogen. Wind kommt auf. Einige Standler sichern
ihre Zelte ab, die meisten räumen die Ware ein und ziehen heimwärts.
Die ersten Tröpfchen vom Himmel werden nicht ernst genommen, doch sie vermehren
sich rasch. Als der Platzregen perfekt ist, flüchten die meisten ins Bierzelt.

Auch
die vom Vienna Chapter und der vom Upper-Austria-Chapter.
Die ca. 200 Motorräder bleiben draußen.
Wir sitzen da und wissen nicht recht, was wir tun sollen. Draußen auf der
Bühne im Freien will uns der Moderator etwas erzählen, doch man versteht
es im Zelt nicht. Der Hochzeit im Regen beizuwohnen haben wir ebensowenig Lust
wie bei nächtlichem Gewitter nach Hause zu fahren. (Naß geworden sind
wir in diesem "Sommer" bei unseren Ausfahrten schon genug!)
Während einer Regenpause brechen wir auf und tun gut damit. Unterwegs fangen
wir ein paar Spritzer ab. In Wien bricht das Gewitter vom Himmel.
Irgendwie haben wir uns diesen Tag anders vorgestellt!