Nasse
Drachen:
4th Gollinger Bike-Weekend
17. - 20. 5. 2002
Man nehme: eine malerische Altstadt und sperre sie ab, würze sie mit ein
paar Standlern, versuche, der Gendarmerie ihre Schärfe zu nehmen, als Beilage
stelle man ein Festzelt auf und fertig ist das Bikerfest. Ein Rezept, das grundsätzlich
funktioniert, wenn es gut organisiert und angekündigt ist ... wäre da nicht
der Salzburger Schnürlregen.
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Sonntag,
gegen 11 Uhr, fühlt sich der örtliche Hüter der öffentlichen
Ordnung bemüßigt, ein bißchen Ordnung auf der öffentlichen
Verkehrsfläche zu schaffen. Da fährt einer ohne Helm. Er wird angehalten
und darf 21,- Alpeneuros berappen, denn noch ist die Altstadt nicht gesperrt.
Erst nach 13 Uhr gilt sie als nicht mehr öffentliche Verkehrsfläche
- bis dahin herrscht Helmpflicht. Und ... er solle das doch seinen Kameraden weitersagen,
meint der grüne Mann mit dem weißen Kapperl mit einem Augenzwinkern.
Dann entdeckt das staatliche Sicherheitsorgan ein großes, im Halteverbot
verkehrsbehindernd abgestelltes Motorrad. Er setzt sich drauf und schiebt es auf
einen regulären Parkplatz.
Einige
deutsche Biker sind begeistert von der Liebenswürdigkeit unserer Gendarmen,
denn in ihrer Heimat hätte es schon Anzeigen, in manchen Fällen sogar
Führerscheinentzug gehagelt. In Golling droht der Grüne intensiv mit
dem Zeigefinger, in krassen Fällen stellt er gerade einmal einen Denkzettel
mit kleiner Summe aus.
Als die Turmuhr Mittag schlägt, könnte man glauben, das Treffen ist
abgesagt. Die Sonne, die am Vortag noch echte Feststimmung bis fast in die Morgenstunden
aufkommen ließ, ist hinter den fetten Regenwolken, die tief über die
bewaldeten Berge herunterhängen, nicht einmal zu erahnen. Und die Biker schlafen
sich aus. Das Geplätscher vor dem Fenster läßt sie erst spät
und tief gezeichnet vom Vorabend aus den Federn kommen. Lediglich ein Grüppchen
ganz Hartgesottener ist bereits seit einer Stunde am "Frühstücken".
Erst
im Laufe des Nachmittags räkelt sich das Städtchen. Die Standler schlagen
ihre Planen hoch, ein paar Einheimische und nicht-bikende Pfingstfrischler zeigen
ihren Regenschirmen die Hauptstraße. Die eigentlichen Festgäste haben
sich in diversen Lokalen ins Trockene zurückgezogen. Die himmlische Dusche
werden sie auf der Heimfahrt noch ausgiebig genießen dürfen.
Es fallen hauptsächlich Clubs aus Deutschland und Bayern ins Auge, die in
traditioneller germanischer Manier feiern: feucht, laut und mit Begeisterung.
Die einheimischen Gastronomen freuen sich darüber. Von Jahr zu Jahr reduziert
sich die Zahl derer, die sich gegen das Gollinger Bike-Weekend äußern,
denn letztendlich profitiert fast jeder von den vollen Gästebetten, die sonst
zu Pfingsten leer blieben.
Bleibt nur zu hoffen, daß es nächstes Jahr zu Pfingsten sonniger wird,
der Straßenbelag der Hauptstraße dann mit vielen schwarzen Kreisen
verziert wird und die Bikerspiele wieder stattfinden.



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