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Bereits vor Gerasdorf sehen wir immer wieder Gruppen von Bikern, die sich
zusammenrotten. Die wollen doch nicht etwa alle dorthin? Je näher wir dem
Veranstaltungsplatz kommen, umso weniger brauchen wir nach einer Beschilderung
Ausschau halten. Wir folgen einfach den Motorrädern, die zielstrebig und
ortskundig dem Sportplatz zustreben.
Klicke, um zu vergrößern:
Der weitläufige Parkplatz davor ist an diesem Sonntag im April für
Motorräder und Trikes reserviert. Gelb bejackte Mädels an der Zufahrt
begrüßen die Ankommenden und heften unseren Radeln eine Erinnerungsschleife
an den Rückspiegel. Ein paar Meter weiter die ebenso gelben Dirigenten, die
routiniert Ordnung in das scheinbare Chaos der herumwurlenden Eintreffenden bringen.
Es werden mehr und mehr. Und noch mehr. Das herrliche Wetter an diesem Morgen
lässt das Bikerherz aufjubeln und die Massen in den Sattel steigen. In geschlossener
Formation treffen Delegationen von jeweils ca. 25 Mann (und Frau) der Ami-Cruisers,
der Red Biker, der Honky Tonk Line Dancer Gang sowie der Eagles-Gang ein. Auch
andere Clubs sind vertreten. Hauptsächlich wird das Bild jedoch von Freebikern
geprägt.
Später werden wir rekonstruieren: Es waren 360 Schleifen vorbereitet.
Viele fahren ohne eine anzunehmen weiter. Einerseits, weil sie der Fahrer nicht
will, aber auch, weil die Mädels zeitweise dem Ansturm nicht gewachsen sind.
Irgendwann gehen die Schleifen aus, doch der Zustrom reißt nicht ab. Wir
schätzen, dass 450 bis 500 ein- oder dreispurige Fahrzeuge der Einladung
der "Fahrgemeinschaft Gerasdorf" gefolgt sind.

Jeder freie Fleck ist als Abstellplatz genutzt, als gegen 10 Uhr Pfarrer Branko
Blazincic am Trike mit mit Bürgermeister Mag. Alexander Vojta im würdigen
Geleitzug eintrifft.
Gemeinsam mit ihm und Franz von der FgG betritt er die Bühne. Dem Anlass
entsprechend trägt der Bürgermeister eine Motorradjacke, die er, die
Prallsonne voll auskosten dürfend, gerne mit einem T-Shirt der FgG tauscht.
Pfarrer Branko erhält eine gelbe Jacke - "damit man ihn besser sieht".
Nach einigen begrüßenden Worten gestalten die drei eine kurze Andacht,
Fürbitten und ein Vater Unser sowie den Segen und die Bitte um den behütenden
Beistand auf unseren oft gefährlichen Wegen. Der Pfarrer fasst sich kurz,
denn gleich danach steht die Erstkommunion im Ort an. Keiner ist ihm deswegen
böse.
Er nimmt sich jedoch ausgiebig Zeit, um auf Fahrer und Motorräder kräftig
Weihwasser regnen zu lassen und ist bemüht, jedes und jeden - wenn auch nur
symbolisch - zu treffen.
Nach der Weihe ist eine kleine gemeinsame Ausfahrt geplant. Fast alle Motorräder
werden dazu angeworfen. Der Konvoy ist - sogar für Konvoy-Gewohnte - beeindruckend
und scheint nicht enden zu wollen. Den Schluss bildet das Rettungsfahrzeug. Sicher
ist sicher.
Franz und die Mitglieder der FgG haben nicht mit einem derartigen Ansturm gerechnet.
Man hofft, dass alles gut geht, denn bei der Länge des Konvoys könnte
es passieren, dass die ersten an einem Punkt der Strecke das Ende der Schlange
kreuzen müssen. Die Sorge erweist sich als unbegründet. Obwohl eine
Motorradfahrerin im Kreisverkehr ausrutschte (Anm. v. Tjaky: Seltsam, woher kennen
wir das?), kehrten alle wohlbehalten zum Platz zurück.
Wer bis dahin noch nicht am Buffet zugeschlagen hat, tut es jetzt. Die Betreiber
der Sportplatzkantine legen sich mächtig ins Zeug, um die hungrigen Mägen
zu füllen, wobei die Bratwürste und Käsekrainer nach einiger Zeit
dasselbe Schicksal ereilt wie die Erinnerungsschleifen. Doch hungrig bleiben muss
keiner. Bis zum Ende der Veranstaltung kann man sich noch mit Fleischlaberln und
Schnitzel sowie bestrichenen Broten und verschiedenen Kuchen laben.
Während die meisten damit beschäftigt waren, ihr Motorrad gemeinschaftlich
durch die Landschaft zu steuern, haben die "Smart-Smokers"
die Bühne in Beschlag genommen. Nun rocken'n'rolen die fünf quirligen
Burschen, sorgen mit ihrer Musik und ihren losen Sprüchen für Bombenstimmung
und ziehen von der Prallsonne gut durchhitzt unerschütterlich ihre noch heißere
Show durch. Abgelöst werden sie von "Heidi von Orth", deren Songs
eher in die Richtung von Dolly Parton und Janis Joplin driften.
An dieser Stelle ein extra Daumen hoch, denn beide haben bewiesen, dass man
ein Publikum auch dann gut unterhalten kann, auch wenn man nicht den Platz zuschallt,
sondern die Lautstärke so wählt, dass man sich in normalem Tonfall noch
daneben unterhalten kann.
Einen weiteren Programmpunkt setzten die Mitglieder der Honky
Tonk Line Dancer Gang, jene tanzenden Biker oder bikenden Tänzer, die
man bereits lange in unserem Clubverzeichnis findet oder auf Bikerfesten traf.
An diesem Tag zeigen sie ihr Können zur Country-Musik und lassen die Beine
wirbeln.
Zum wohl wichtigsten Punkt der Tagesordnung neben der Motorradweihe betritt
Frau Priska von der MPS Austria
die Bühne. Sie berichtet über MPS, einer schrecklichen Krankheit, die
manche Kinder in sich tragen, von der man jedoch die ersten Jahre nichts bemerkt.
Erst nach 3 bis 6 Lebensjahren wird sie offensichtlich und nur dann diagnostiziert,
wenn der behandelnde Arzt auch gut über diese sehr seltene Stoffwechselkrankheit
Bescheid weiß. Das tragische an MPS ist, dass die an ihr erkrankten Kinder
das Erwachsenenalter nicht erleben. Die Forschung zur Entwicklung von Behandlungsmöglichkeiten
wird kaum gefördert und Behandlungen, die Wirkung zeigen, sind sehr teuer.
Als Franz live on stage zu den bis dahin gesammelten Spenden noch jene Beträge
hinzuzählt, die in letzter Sekunde einlangten, kommt er auf einen Gesamtbetrag
von 1.990,- Euro. Um die Sache abzurunden, greift er kurz entschlossen ins eigene
Wallet und legt noch einen 10er drauf. 2.000,- Euro, die Frau Priska als Vertreterin
der MPS Austria übergeben werden.
Wer zu diesem Zeitpunkt nach Hause gefahren ist, hat einiges verpasst. Weitere
Auftritte von Heidi und den Smart Smokers (letztere schaffen es tatsächlich,
mit ihren amüsanten Liedern die gute Laune noch weiter anzukurbeln)
sowie die Darbietungen der "Paradise
of Horses", einer Line-Dance-Gruppe von Kindern und Jugendlichen. Obwohl
für alle ein Hobby, brilliert die seit 9 Jahren bestehende Truppe mit ausgereifter
Bühnenerfahrung, sehr viel Engagement und Investitionen in ihre Freizeitbeschäftigung
neben Schule und lernen.
Alle Künstler treten kostenlos auf und tragen so auf ihre Art zum gelungenen
Fest bei.
Als es auf 16 Uhr zugeht, verklingt die Musik. Die letzten Biker besteigen
ihre Motorräder und entschwinden Richtung Heimat. Nur die FgG, die fliegenden
Händler und ihre Helfer bleiben zurück. Es gilt ja noch, Stände,
Bänke, Tische und Bühne abzubauen sowie den Platz zu säubern, womit
sie wohl bis zum Sonnenuntergang beschäftigt sind.
Ungefähr 500 Motorradfahrern haben die Mitglieder der Fg Gerasdorf und
ihr Team einen wunderschönen Tag beschert. Ungefähr 500 Motorradfahrer
haben zusammengelegt und MPS-kranken Kindern geholfen. Und eine Hand voll Leute
der FgG hat das alles vorzüglich geplant und organisiert.

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