Biker
treffen Politiker
Demo der "MotorradfahrerInnen für Veränderungen"
12. 10. 2002
Wien,
Praterstern, 13 Uhr. Es schüttet. Nach und nach tröpfeln Motorradfahrer
am Treffpunkt ein. Hauptsächlich Tourenfahrer und Einzelkämpfer, die
sich hier zur kompakten Gruppe zusammenfinden ... kein einziger Club, der in geschlossener
Formation auftritt.
Die Idee zur Demo ist erst 14 Tage alt. Das 9köpfige Team der "Plattform"
der "Biker für Veränderungen" hat erstaunliches geleistet
- "Weil´s g´macht gehört!" Und die Biker haben die
Botschaft weitergegeben. Knapp über 100 haben den Asphalt trotz mieserablem
Wetter unter die Reifen genommen, um dabei zu sein.
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Der
Sammelplatz unter der Brücke am Praterstern ist gut gewählt. Die Fahrer
trocknen ein bißchen ab.
Pünktlich um 14 Uhr erklärt Ernst Graft jun. den Bikern und dem anwesenden
ORF-Team noch einmal die Anliegen der Demostranten. Dann geht's los.
18 km Regenfahrt liegen vor uns. Sie führt hinter dem LKW, auf dem unsere
Anliegen auf Transparenten sichtbar sind, auf von der Polizei abgesicherten Straßen
über den Kai zu unserer ersten Station, der Parteizentrale der "Grünen"
in der Lindengasse.
Dort hält der Konvoy. Ernstl trägt der verschlossenen Türe unsere
Anliegen vor und hinterläßt sie in schriftlicher Form an die Pforte
geklebt:
Wechselkennzeichen
Motorrad/Auto,
das Befahren von Busspuren durch einspurige KFZ zulassen, und
EU-zertifiziertes Zubehör zur Verwendung am Motorrad zulassen (ohne zusätzliche,
dzt. erforderliche Typisierung).
Aus der Parteizentrale kommt keine Reaktion - nur ein paar Verärgerte
im Haus gegenüber regen sich über den Lärm auf.
Die nächste Etappe führt uns über die Mariahilferstraße.
Dort erregen wir, trotz fortschreitender Feuchtigkeit gut gelaunt, bei den Passanten
einiges Aufsehen. Manche freuen sich und winken. Anderen steht es ins Gesicht
geschrieben, daß sie uns für völlig verrückt halten, weil
wir bei derart schlechtem Wetter am Motorradfahren offensichtlich Spaß haben.
Über
die 2er-Linie geht es zur Parteizentrale der ÖVP, die gleich neben dem Rathaus
angesiedelt ist. Wieder spricht Ernstl gegen die Hauswand, wieder interessiert
sich keiner für unsere Anliegen. Egal, wir kämpfen uns weiter durch
die Fluten, die von oben kommen.
Ein Stückchen fahren wir über den gesperrten Ring, um in die Eßlinggasse
abzubiegen - dort ist die FPÖ zu Hause. Es regt sich nichts im Nobelviertel,
als Ernstl durchs Megaphon spricht und die Biker ihm lautstark beipflichten. Auch
das Hupkonzert nützt nichts - keiner daheim!
Noch
einmal wird die Ringstraße für die Biker-Demo gesperrt. Wo die Fahrzeuge
der Polizei nicht ausreichen, springen die Organisatoren in ihren gelben Jacken
ein, um sämtliche Seitengassen zu sperren und uns zügige Fahrt zu gewährleisten.
An den imposanten Bauten wie Oper, Hofburg und Parlament vorbei biegt der Zug
der inzwischen völlig durchnäßten Biker gegen 16 Uhr zu den Containern
der SPÖ neben dem Burgtheater ein.
Dort
erwartet uns bereits Hannes Jarolim, der Justiz-Sprecher der SPÖ, und empfängt
aus Ernstls Hand das Schriftstück mit unseren Anliegen. Jarolim verspricht,
diese gemeinsam mit dem Verkehrs-Sprecher zu unterstützen und unsere Anliegen
als Petition im Parlament einzubringen, ja sie sogar direkt dem Nationalrat vorzulegen,
würde die SPÖ wieder das Sagen haben - dazu wäre es allerdings
notwendig, daß die Motorradfahrer die SPÖ bei den Wahlen unterstützen
würden.
Dies zu tun steht im Ermessen jedes Einzelnen.
Der Justiz-Sprecher weist in seinen abschließenden Worten darauf hin, daß
er in einem der kleinen Container ein Buffet für uns vorbereitet hätte,
was wir uns angesichts der Nässe und Kälte nicht zweimal sagen lassen.
Tatsächlich
wurde einiges angerichtet: warme Leberkäs- und Kümmelbratensemmeln en
Masse, dazu Kleinbier und Cola. Das gemeinsame Mahl hält die erfreuten Biker
noch eine Weile vor Ort, was Kurt Eder, Abg. zum Nationalrat und Bautensprecher
der SPÖ, dazu benutzt, seine Stimme zu erheben und uns seiner Unterstützung
zu versichern.
Das
letzte Wort hat Ernstl. Er freut sich, daß die Demo von den Medien und den
Politikern weitaus mehr beachtet wurde, als er sich anfangs vorgestellt hatte,
daß mehr Biker als erwartet trotz des saumieserablen Wetters gekommen sind,
um ihre Anliegen vorzubringen und dankt allen Anwesenden für ihr Erscheinen.
Und dann kommt er ins sinnieren ...
"Man könnte die Demo ja wiederholen ... an einem wärmeren Tag ...
so Ende April, Anfang Mai ... da sind dann die Festwochen, für alle, die
den Veranstaltungskalender nicht so genau kennen ..."

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